Anbauen und Aufstocken

Anbauen und Aufstocken
Foto: Mohr/ZimmerMeisterHaus

Ob Anbau oder Aufstockung: Mit einer cleveren Planung können helle und behagliche Räume geschaffen werden, die sich vielseitig nutzen lassen.

An das Haus anbauen oder eine Etage aufstocken sind die zwei klassischen Wege, schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen. Ganz egal, warum man mehr Platz benötigt: Im Laufe der Zeit können sich die Ansprüche einer Familie an das Wohnumfeld einfach ändern. Und sind die eigenen vier Wände dann zu eng, muss man nicht gleich Umzugskartons packen: Denn mit einem gut geplanten Anbau oder einer Aufstockung lassen sich wertvolle Quadratmeter gewinnen.

Nicht alles ist erlaubt

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Mehr Quadratmeter dank einer Dachaufstockung.
Foto: Velux

Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden: Für jede Baumaßnahme muss man einen Bauantrag stellen. In manchen Fällen reicht eine Bauanzeige auf der Grundlage eines Architektenentwurfs aus. Zunächst sollten Sie sich also beim zuständigen Bauamt über die gesetzlichen Bestimmungen informieren. Dazu zählen auch die Vorgaben des Bebauungsplans, der die Anzahl der zulässigen Vollgeschosse, die Mindestdeckenhöhe für Aufenthaltsräume, die Mindestabstände zu Nachbargrundstücken, Fassaden- und Firsthöhen oder auch die Dachform regelt. Des Weiteren muss man die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) beachten.

Auf der sicheren Seite sind Bauherren, die Planung und Ausführung in die Hände eines Architekten legen. Er sieht den Bebauungsplan ein, erstellt im Einklang mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen den Entwurf und reicht dann den Bauantrag bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde ein. Für eine Dachaufstockung ist eine grundlegende statische Analyse notwendig, da die Baumaßnahmen in Decken und Wände eingreifen. Es ist zudem empfehlenswert, frühzeitig die Nachbarn über das Bauvorhaben zu informieren und ihr schriftliches Einverständnis einzuholen. Gesetzlich vorgeschrieben ist dies allerdings nicht.

Planen mit Weitblick

Da die Erweiterung des Wohnraums nicht nur mit Arbeit, sondern auch mit Kosten verbunden ist, sollten Sie mit Weitsicht planen. Wie viel Platz benötigt die Familie, und wie nutzt man die Räume langfristig? Wie wird sich die Familie entwickeln? Welche Strom- und Wasseranschlüsse sind erforderlich? Soll eine eigenständige Wohneinheit entstehen? Gerade letzter Aspekt verdient Aufmerksamkeit. Denn wenn die Kinder flügge werden, stehen die neu geschaffenen Räume oft wieder leer. Eine zweite Wohneinheit könnte dann vermietet werden. Bedenken Sie zudem, dass der Umbau oft weitere Maßnahmen nach sich zieht, etwa eine Wärmedämmung oder die Neugestaltung der Fassade. Eventuell muss man auch in eine modernere Heizungsanlage investieren, um die neuen Räume auf Wohlfühltemperaturen zu bringen.

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Dank des Anbaus ist der Garten jetzt ein besonders geschütztes Plätzchen.
Foto: epr/SchwörerHaus

Welche Art der Wohnraumerweiterung realisiert werden kann, hängt von der Architektur des Hauses, den Grundstücksgegebenheiten, den persönlichen Bedürfnissen und natürlich auch dem Budget ab. Wer ein ausreichend großes Grundstück besitzt, kann einen Anbau an sein Haus andocken. Der Vorteil: Man ist hinsichtlich der Größe nicht an die Grundfläche des Hauses gebunden. Er kann ein- oder zweistöckig ausgeführt werden. Auf einen Keller verzichtet man dabei meist, sodass nur eine Bodenplatte gegossen werden muss. Die Außenwände können aus allen gängigen Baumaterialien errichtet werden. Besonders schnell und einfach lassen sich Anbauten in Holzrahmenkonstruktion erstellen. Vorgefertigte Elemente sind bereits wärmegedämmt und müssen nur noch auf der Baustelle zusammengesetzt werden.

Aufstocken

In städtischen und stadtnahen Gebieten sind Aufstockungen oft die einzige Möglichkeit der Wohnraumerweiterung. Zunächst muss ein Bautechniker die Statik prüfen. Kann der Altbau die zusätzliche Last nicht tragen, lässt sich mit verschiedenen Maßnahmen gegensteuern. So können etwa das Fundament verstärkt oder Stahlträger eingezogen werden. Diese Arbeiten verursachen jedoch erhebliche Mehrkosten, die Bauherren einplanen müssen. Im Zuge der Analyse sollten Sie auch prüfen, ob sich vorhandene Leitungen (Wasser, Abwasser und Strom) und Anschlüsse erweitern lassen.

Eine Dachaufstockung kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen. Am häufigsten erhöhen Hausbesitzer den Kniestock. Diese Lösung lohnt sich vor allem dann, wenn die Dachkonstruktion noch in Ordnung ist. Denn statt das Dach abzutragen wird es einfach per Kran ein Stück angehoben. Die bestehenden Wände werden dann entweder aufgemauert oder mit einer Holzständerkonstruktion erhöht. Danach setzt man das Dach wieder auf und schließt die Gebäudehülle. Schon mit einer Anhebung des Kniestocks um 80 cm können rund 30 Prozent mehr Wohnfläche geschaffen werden.

Eins draufsetzen

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Hier wird eine neue Wohnetage auf ein Flachdach aufgesetzt. Foto: Rockwool

Der Altbau lässt sich natürlich auch um ein ganzes Stockwerk erhöhen. Besonders einfach geht das bei einem Flachdachbungalow: Hier kann das Dach direkt als Geschossdecke genutzt werden. In allen anderen Fällen muss man das Dach allerdings abdecken und komplett entfernen. Das neue Geschoss mauert der Handwerker dann entweder Stein auf Stein oder es wird mittels einer Ständerkonstruktion aus Holz oder Stahl errichtet. Die Entscheidung hängt nicht zuletzt von der Tragfähigkeit des Gebäudes ab.

Wer sein Haus massiv aufstocken möchte, sollte das Material verwenden, aus denen bereits die Außenmauern des Altbaus bestehen. Denn aufgrund des unterschiedlichen Dehnungsverhaltens der Baustoffe könnten Risse in der Fassade entstehen. Eine Ständerkonstruktion punktet nicht nur durch die vergleichsweise geringen Kosten, sondern auch durch ihr geringes Gewicht. Auf eine teure Verstärkung des Fundaments und der Wände kann meist verzichtet werden. Zudem geht der Bau schnell vonstatten. Das Haus ist damit bereits nach kurzer Zeit wieder wetterfest. Besonders komfortabel ist die Verwendung vorgefertigter Elemente, die bereits komplett gedämmt und innen mit Gipskartonplatten beplankt sind.

Was gefällt?

Wie bei einem Anbau stellt sich auch bei einer Aufstockung die Frage nach der Gestaltung. War es früher üblich, das aufgesetzte Geschoss dem Stil des Hauses anzupassen, darf es heute durchaus selbstbewusst auftreten. Sehr reizvoll kann ein bewusster Stilbruch sein, etwa indem man den neuen Gebäudeteil auffällig verkleidet. Aber Achtung: Erlaubt ist nicht allein, was gefällt, sondern in erster Linie das, was im Bebauungsplan der Stadt oder Gemeinde steht.


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