Auf die Natur bauen

Auf die Natur bauen
Foto: KS-Original

War früher noch wenig über Wohn- und Umweltgifte bekannt, wird in ihnen heute ein möglicher Auslöser von allerlei Krankheiten gesehen. Daher wird immer mehr Wert auf ein schadstofffreies Umfeld gelegt.

Neben praktischen Gesichtspunkten wie dem Kaufpreis, den Bebauungsplänen und einer guten Verkehrsanbindung sollte man auch sichergehen, dass sich keine schädlichen Stoffe, sogenannte Altlasten, im Boden befinden.
Dies ist unter anderem bei einem ehemaligen Gewerbegebiet möglich. Es kann jedenfalls nicht schaden, Nachforschungen zur früheren Grundstücksnutzung anzustellen, beispielsweise im zuständigen Umweltamt und im Gemeindearchiv. Nicht zuletzt sind die künftigen Nachbarn und der Verkäufer wertvolle Informationsquellen. Besteht ein Verdacht auf eine Schadstoffbelastung, sollte noch vor dem Grundstückskauf eine Bodenanalyse durchgeführt werden.

Auch elektromagnetische Felder, wie sie von Funkmasten und Hochspannungsleitungen ausgehen, stehen in dem Ruf, gesundheitsschädlich zu sein. Vor diesem „Elektrosmog“ kann man sein Haus mithilfe von speziellen Gipsputzen, Schutzplatten, Tapeten sowie Aluminium- und Metallverkleidungen schützen. Am besten ist es jedoch, gar nicht erst in der Nähe von Funkmasten und Co. zu bauen. Aber auch im Haus lauern dank des schnurlosen Telefons elektrische Wechselfelder. Noch intensiver als die Funkantenne auf dem Nachbardach strahlt WLAN, schließlich müssen die Daten per Funk durch Wände übertragen werden. Den Computer per Kabel mit dem Internet zu verbinden, ist unter diesen Gesichtspunkten somit gesünder.

Natur – Auf Altbewährtes setzen

Lehm und Holz gehören zu den ältesten Baustoffen. Sie sind regional verfügbare Naturprodukte, die gesundheitlich unbedenklich und vor allem für ihre guten raumklimatischen Eigenschaften bekannt sind. Für ihre Bearbeitung wird weniger Energie benötigt als beispielsweise für Ziegelsteine, die erst bei hohen Temperaturen gebrannt werden müssen.

Häuser aus Holz werden entweder massiv aus Blockbohlen oder als Skelettbau, der mit unterschiedlichen Dämmmaterialien ausgefacht werden kann, errichtet. Der Baustoff selbst verfügt über sehr gute statische und bauphysikalische Eigenschaften: geringes Eigengewicht, hohe Festigkeit und Tragkraft sowie niedrige Wärmeleitfähigkeit. Letztere sorgt dafür, dass im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze draußen bleiben. So werden Kosten für die Heizung und Klimatisierung gespart und die Umwelt geschont. Doch ein behagliches Raumklima hängt nicht allein von angenehmen Temperaturen ab. Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine entscheidende Rolle. Vor allem bei massiv aus Holz errichteten Gebäuden kann der Baustoff mit seiner hygroskopischen Eigenschaft punkten. Er nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, bis ein Gleichgewicht zwischen der Raumfeuchtigkeit und dem Holz entstanden ist, und gibt sie bei Bedarf wieder ab bzw. gleicht sich der Umgebung bei sinkender Luftfeuchtigkeit wieder an.

Wer mit Lehm bauen möchte, kann sich entweder für die Konstruktion aus Stampflehm oder Lehmsteinen entscheiden. Bei der vergleichsweise teuren Stampflehmbauweise wird der Lehm in eine Schalung eingebracht und mechanisch verdichtet. Außenwände aus Lehmsteinen werden wie Ziegelwände vermauert, wobei spezieller Lehmmörtel zum Einsatz kommt. Der Baustoff selbst besteht aus Ton, Schluff und Sand und wird durch Trocknung fest – unter Feuchtigkeitseinwirkung jedoch auch wieder weich. Daher müssen Lehmwände während der Bauphase und danach gut vor Nässe geschützt werden. Wie Holz reguliert der Baustoff Lehm die Luftfeuchtigkeit. Er verfügt über eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und kann auf diese Weise Temperaturunterschiede ausgleichen. Allerdings ist Lehm auch ein guter Wärmeleiter. Außenwände sollten daher mit einer Dämmung versehen werden. Alternativ bietet sich der Einsatz von Leichtlehm an, dem für eine bessere Wärmedämmung organische Stoffe wie Stroh, Hackschnitzel oder Sägemehl bzw. mineralische Zuschläge wie Blähton oder Bims beigemengt werden.

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In dieser dekorativen Stampflehmwand wurde eine Wandheizung eingebettet. Gemeinsam sorgen sie für Wohlfühlklima.
Foto: epr/WEM

 

 

 

 

Stein auf Stein

Spricht man von einer massiven Bauweise denken die meisten zunächst an Wände aus Ziegelsteinen. Weit verbreitet sind jedoch auch Porenbeton und Kalksandstein. Letzterer wird aus Sand und Calciumcarbonat bzw. Calciumsilikathydrat als Bindemittel unter hohem Wasserdampfdruck bei Temperaturen bis ca. 220 °C hergestellt. Chemische Zusätze sind nicht erforderlich. Dank der hohen Druckfestigkeit und der daraus resultierenden hohen Tragfähigkeit des Baustoffs können Wände aus Kalksandstein vergleichsweise dünn konzipiert werden. Zudem punkten sie mit einem hohen Schallschutz und einer hohen Wärmespeicherfähigkeit. Lediglich die Wärmedämmung fällt relativ niedrig aus. Ohne Zusatzdämmung kommt man daher nicht aus.

Nach wie vor sehr beliebt als Baustoff ist Ziegel, der aus den natürlichen Materialien Ton und Wasser besteht. Bei seiner Herstellung wird viel Energie benötigt, denn er muss bei ca. 1.000 °C gebrannt werden. Um die Wärmedämmung der Steine zu erhöhen, werden heute überwiegend Hochlochziegel eingesetzt. Zusätzlich können dem Ton beispielsweise Polystyrolkügelchen oder Sägemehl beigemischt werden, die beim Brennvorgang verglühen und Luftporen hinterlassen. Letztere sorgen wiederum für eine noch bessere Wärmedämmung. Auf dem Markt sind außerdem Mauersteine erhältlich, deren Lochungen mit wärmedämmenden Materialien wie Perlite oder Mineralwolle gefüllt sind. Solche Ziegel zeichnen sich durch eine hervorragende Wärmedämmung und Wärmespeicherfähigkeit aus. Eine zusätzliche Außendämmung ist hier in der Regel nicht mehr nötig.

Auch Porenbeton wird überwiegend aus natürlichen Materialien hergestellt: Der Baustoff besteht aus Quarzsand, Wasser und Kalk oder Zement als Bindemittel. Seine sehr guten wärmedämmenden Eigenschaften, die eine zusätzliche Dämmung meist überflüssig werden lassen, verdankt der Baustoff Lufteinschlüssen von ca. 1 mm Durchmesser. Sie entstehen, wenn das beigemischte Aluminiumpulver in Verbindung mit Wasser Gas bildet. Der Baustoff wird dabei aufgebläht. Zudem punktet er durch eine hohe Tragfähigkeit.

Natürlich gut gedämmt

Zu einem wohngesund errichteten Haus gehört auch eine umweltverträgliche Dämmung. Infrage kommen unter anderem organischnatürliche Materialien auf der Basis nachwachsender Rohstoffe. Darunter fallen pflanzliche Dämmstoffe aus Holz, Flachs oder Kokosfasern, aber auch Wolldämmstoffe. Bei Letzteren handelt es sich um Stopfwolle, Dämmfilze und -vliese aus Schur- und wiederaufbereiteter Altwolle. Sie zeichnen sich durch sehr gute Dämmeigenschaften und ihre Fähigkeit als Schadstofffilter und Feuchteregulator aus. Allerdings wird die Schafwolle mit Borsalz behandelt, um einem Schädlingsbefall entgegenzuwirken und den Brandschutz zu erhöhen.

Dämmstoffe aus Naturfasern wie Flachs oder Holz sind hygroskopisch und sorgen daher für eine ausgeglichene Raumfeuchte. Je nach Ausgangsmaterial werden sie zu gut isolierenden Dämmmatten, -platten oder Schütt-bzw. Einblasdämmungen verarbeitet und sind vielfältig einsetzbar.

Geeignet für die Gebäudedämmung sind auch natürliche Stoffe wie Perlite und Blähton. Perlite ist ein vulkanisches Gestein, das zunächst zu Körnern gemahlen und auf etwa 1.000 °C erhitzt wird. Dabei verdampft das chemisch gebundene Wasser, bläht die Gesteinskörner auf und hinterlässt zahlreiche Luftporen, die für eine gute Wärmedämmung sorgen. Ähnlich funktioniert die Herstellung von Blähton: Ton mit organischen Bestandteilen wird auf rund 1.200 °C erhitzt, wobei die Zuschlagsstoffe verbrennen und sich der Ton kugelförmig aufbläht. Sowohl Perlite als auch Blähton werden als Schüttdämmung oder Leichtzuschlag für Beton eingesetzt.

Dämmung-mit-ZelluloseAlternativ zu diesen natürlichen Rohstoffen bieten sich recycelte Produkte an. Darunter fallen Zelluloseflocken, die aus Altpapier gewonnen werden, das nach der Zerkleinerung als Einblas- oder Schüttdämmung eine neue Verwendung findet. Das Material zeichnet sich durch sehr gute dämmende und feuchteregulierende Eigenschaften aus. Allerdings muss es zum Schutz vor Fäulnis und Feuer mit Borsalzen imprägniert werden. Auch aus Altglas lässt sich eine Schüttdämmung fertigen. Dazu wird Glas fein gemahlen, mit einem „Aktivator“ vermischt und unter hoher Hitze aufgeschäumt. Je nach Verfahren entstehen Glasschaumplatten oder -granulat. Ein dritter Recyclingdämmstoff ist Kork,
Diese Zellulosedämmung wird aus             beispielsweise aus Weinflaschen, der 
Altpapier
hergestellt.                                geschrotet als Schüttgut verwendet oder zu
Foto: djd/Climacell                                   Dämmplatten weiterverarbeitet wird.

Die Haustechnik

Doch nicht nur die Baustoffe spielen für ein wohngesundes Eigenheim eine große Rolle, auch die Planung der Haustechnik sollte nicht vernachlässigt werden. Eine Fußboden- oder Wandflächenheizung sorgt beispielsweise für gleichmäßige Wärme im Raum, ohne dabei wie herkömmliche Heizkörper unangenehme Luftzirkulation zu erzeugen und Staub aufzuwirbeln. Außerdem kommt sie mit einer geringeren Vorlauftemperatur aus und lässt sich daher ideal mit umweltfreundlichen Heizsystemen wie Wärmepumpen und Solaranlagen kombinieren. Da die Strahlungswärme von Flächenheizungen als sehr angenehm empfunden wird, kann zudem die Raumtemperatur um 2 °C gesenkt und so Energie gespart werden.

Moderne Häuser werden aus energetischen Gründen sehr dicht gebaut. Daher macht es Sinn, eine kontrollierte Wohnraumlüftung einzubauen, die automatisch für ein ausgewogenes Raumklima sorgt. Schimmelbildung und Heizwärmeverluste durch Lüften sind damit passé. Verfügt die Anlage über die Funktion der Wärmerückgewinnung, wird sogar die Wärme der ausströmenden Abluft zum Heizen genutzt.

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