Auf gutem Grund

Auf gutem Grund
Foto: Knecht Kellerbau

Damit das Haus nicht von Anfang an – bildlich gesprochen – auf wackeligen Füßen steht, muss es ein stabiles Fundament erhalten. Dabei ist es egal, ob es mit Keller oder nur auf einer Bodenplatte gebaut wird. Unser Fundament-Leitfaden zeigt, worauf es bei diesem wichtigen ersten Bauabschnitt ankommt.

Einer der bekanntesten Bräuche rund um den Bau eines Hauses ist die Grundsteinlegung. Dabei wird eine Schatulle mit allerlei Gegenständen von einer aktuellen Tageszeitung über gültige Münzen bis hin zu Persönlichem des Bauherrn ins Fundament eingelassen. Das soll zum einen Glück bringen und zum anderen der Nachwelt Zeitdokumente aus der Bauzeit überliefern. Dieser symbolische Akt markiert den Baubeginn, denn schließlich benötigt jedes Haus zuallererst ein Fundament bzw. eine Gründung, wie der Fachmann sagt, um überhaupt stabil stehen zu können.

Die Fundamentarten

Die Wand- und Deckenelemente eines Fertigkellers werden entsprechend der Planung im Werk vorgefertigt und müssen nur noch auf der Baustelle zusammengesetzt werden. Foto: glatthaar-fertigkeller

Das Fundament hat die Aufgabe, die Lasten des Gebäudes inklusive der Wind- und Schneelasten aufzunehmen und den Druck an den Untergrund abzugeben. Einfacher ausgedrückt: Das Gewicht des Hauses soll gleichmäßig auf dem Boden verteilt werden. Nur wenn das gelingt, steht das Bauwerk später stabil und ist dauerhaft vor Setzungen und Rissen gefeit. Damit zudem auch keine Bewegungen des Erdreichs, die durch Hitze oder Kälte hervorgerufen werden, das Bauwerk schädigen, muss das Fundament frostfrei gegründet sein, also je nach Region zwischen 80 und 120 cm tief im Erdreich sitzen.

Fundamente werden aus Beton gegossen. Generell unterscheidet man drei Arten von Flachgründungen, die im Einfamilienhausbau zum Einsatz kommen: Punkt-, Streifen- und Plattenfundamente. Punktfundamente geben Gebäuden wie Carports, bei denen die Lasten unter einzelnen Stützen auftreten, Stabilität. Beim Haus selbst hingegen ruhen die tragenden Wände oft auf Streifenfundamenten. Da die Zwischenräume zwischen den Fundamentstreifen mit einer dünnen Betonschicht zu einer durchgängigen Fläche geschlossen werden, sprechen Laien häufig von einer Bodenplatte. Der Fachmann allerdings versteht unter einer Bodenplatte ein Plattenfundament, die dritte Variante einer Flachgründung. Hierbei übernimmt die Platte die tragende Funktion, das heißt, die Lasten werden gleichmäßig über die Platte übertragen. Deshalb ist ein Plattenfundament auch dicker als die Betonschicht zwischen Streifenfundamenten. Eine solche Bodenplatte erhält rundherum noch eine Frostschürze, eine Art frostfrei gegründetes umlaufendes Streifenfundament. Wenn tragfähiger Boden erst in tieferen Bodenschichten vorhanden ist, wird das Bauwerk mit einer Tiefgründung auf Pfähle gestellt. Weil das jedoch besonders hohe Kosten verursacht, ist sie im Einfamilienhausbau unüblich.

Übrigens: Auch wer einen Keller baut, braucht ein Fundament. Zudem ist der Keller selbst Teil der Gründung, weil er dem seitlichen Erd- oder Wasserdruck standhalten muss. Deshalb besteht das Untergeschoss heute überwiegend aus Beton.
Bei Kellerkons truktionen unterscheidet man zwischen „schwarzen Wannen“ und „weißen Wannen“. Erstere erhalten zum Schutz vor eindringender Feuchte außen einen schwarzen Anstrich, meist eine Bitumendickbeschichtung. Unter einer „weißen Wanne“ versteht man einen Keller aus wasserundurchlässigem WU-Beton.

Vorher Baugrund checken

Nicht jedes Grundstück lässt sich problemlos bebauen. Vor dem Kauf sollte man die Baugrundrisiken checken. Foto: djd/Bauherren-Schutzbund

Die Art der Gründung hängt wesentlich von der Beschaffenheit des Bodens ab. Grundsätzlich werden in Hausangeboten von Bauträgern und Fertighausanbietern die günstigsten Grundstücksverhältnisse vorausgesetzt: Das sind vor allem ein tragfähiger Untergrund, ebenes Gelände und kein hoch stehendes Grundwasser. Doch nicht immer sind diese Ideal bedingungen auch beim Baugrund vorzufinden. Manche Böden sind beispielsweise zu weich, um ein Haus tragen zu können, andere Grundstücke wiederum besitzen einen hohen Grundwasserstand. In solchen Fällen sind zusätzliche Maßnahmen nötig. Das sind vor allem ein eine tiefere Gründung oder ein Keller aus WU-Beton, die schnell Mehrkosten in vier- bis fünfstelliger Höhe verursachen können.

Dieser Kostenfalle können Sie entgehen, indem Sie im Vorfeld ein Baugrundgutachten in Auftrag geben. Ingenieurbüros für Geologie verlangen dafür zwischen 800 und 2.000 Euro – je nach Umfang der Untersuchungen und Grundstücksgröße. Gut investiertes Geld, denn stellt sich dabei heraus, dass beispielsweise eine zusätzliche, extrem teure Kellerabdichtung notwendig ist, können Sie rechtzeitig gegensteuern und vielleicht auf eine Unterkellerung des Hauses verzichten.

Ist ein Prüfstatiker nötig?

Neben der Tragfähigkeit des Bodens entscheiden aber auch die zu erwartenden Lasten durch das Bauwerk, welche Fundamentart zum Einsatz kommt. Daher erstellt ein Statiker, offiziell ein „nachweisberechtigter Tragwerksplaner“, einen
Fundamentplan gemäß dem Bauplan. Je nach Bundesland und Gebäudetyp kann zusätzlich noch eine Prüfstatik verpflichtend sein. Das ist eine unabhängige statische Gegenprüfung, die Fehler vermeiden soll, weil solche gerade beim Fundamentbau schwerwiegende und kaum zu behebende Folgen nach sich ziehen können. Fragen Sie beim zuständigen Bauamt nach, ob für Ihr Bauvorhaben eine Prüfstatik erforderlich ist.

Es geht los

Das Fundament muss frostfrei gegründet werden. Je nach Region sollte es zwischen 80 und 120 cm tief liegen. Die Kanalrohre werden bereits im Sandbett verlegt. Foto: Knecht Kellerbau

Hat ein Vermessungsfachmann die Lage des Hauses auf dem Grundstück festgelegt, kann der Bau beginnen. Nach dem Aushub der Baugrube werden die Kanalrohre in ein Sandbett verlegt und der Fundamenterder eingebracht. Es folgt eine 15–20 cm dicke Kiesschicht, die verhindert, dass später Wasser aus dem Erdreich ins Bauwerk aufsteigt. Darauf sitzt meist eine 5 cm dicke Sauberkeitsschicht aus Magerbeton, die zum einen ein Abfließen des Fundamentbetons in den Kies und zum anderen ein Abrutschen des Bewehrungsstahls im Fundament vermeidet. Darauf kommt eine Feuchtigkeitssperre aus reißfester Kunststofffolie oder es werden Bitumenbahnen aufgebracht.

Bei einem Haus auf Bodenplatte und einem Haus mit Wohnkeller wird üblicherweise zwischen der Kiesschicht und dem Beton noch die Wärmedämmung eingebracht. Bei einem Haus mit unbeheiztem Keller muss die Bodenplatte bzw. das Fundament nicht unbedingt gedämmt werden, wenn später die Kellerdecke gedämmt ist. Nun folgt das Gießen des Fundaments in die vorher aufgebrachte Schalung. Heutzutage verwendet man hierfür meist Fertigbeton, der per Lkw auf die Baustelle geliefert wird. Der Beton wird mit einem Rüttler verdichtet und glatt abgezogen. Während des Aushärtens schützt eine Bauplane den frischen Beton vor Nässe und starker Hitze. Denn trocknet er zu schnell, können Risse entstehen. An sehr heißen Sommertagen kann es nötig sein, den Beton zu wässern. Der Beton braucht etwa 28 Tage zum Aushärten. Nach drei bis fünf Tagen können die Rohbauarbeiten weitergehen.


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