Aufstocken und anbauen: So geht’s

Aufstocken und anbauen: So geht’s
Foto: BHW Bausparkasse/KitzlingerHaus

Um neuen Wohnraum zu schaffen, sind eine Aufstockung des Wohnhauses oder der Dachausbau ideale Lösungen. Dabei ist eine sorgsame und professionelle Planung vonnöten.

Die Möglichkeiten, die in einem Haus vorhandene Fläche besser zu nutzen oder zu erweitern, sind vielfältig. Das Spektrum reicht von einer „einfachen“ Umgestaltung des bisherigen Grundrisses bis hin zu Anbauten und Dachaufstockungen: Einzelne Räume können komplett ausgelagert oder erweitert werden, eine Außentreppe vor der Fassade ermöglicht eine Umnutzung des Dachgeschosses, ein verglaster Vorbau bietet neuen Raum für einen hellen Ess- oder Leseplatz. Erhebliche Raumzugewinne lassen sich beispielsweise auch durch die Aufstockung des Dachgeschosses erzielen. Auf welche Konstruktionsweise man für Anbauten und Aufstockungen zurückgreift, hängt zum einen von den konstruktiven Gegebenheiten des jeweiligen Gebäudes, zum anderen vom persönlichen Geschmack ab. Die Vorzüge von Holzrahmenkonstruktionen beispielsweise liegen in ihrem leichten Gewicht und den einfachen, schnellen Montagemöglichkeiten. Doch natürlich haben auch massive Baustoffe ihre Vorteile. Bei der Entscheidung für die eine oder andere Variante sind also nicht nur kreative Ideen, sondern vor allem technisches Wissen und der Blick fürs Ganze gefragt.

Haas-Fertighaus,-Bauvorhaben-Adler-vorher-(2) Haas-Fertighaus,-Bauvorhaben-Adler-fertig

 

 

 

 

 

 

 

Vorher wirkte der Satteldach-Bungalow (links) nicht gerade modern und bedurfte einer gründlichen Erneuerung. Nach der Dachaufstockung um ein zusätzliches Geschoss mit Dachboden bietet der ehemalige Bungalow nahezu doppelt so viel Platz.

Fotos: Haas Fertighaus

Bestandsaufnahme

Zu Beginn der Planung sollte man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse konkretisieren. Soll das Raumangebot vergrößert werden, weil sich Nachwuchs ankündigt? Oder möchten Sie vielleicht eine Einliegerwohnung integrieren? Wünschen Sie sich ein separates Arbeitszimmer, einen großzügigeren Wohnbereich oder vielleicht einfach einen größeren Abstellraum? Wie viele Quadratmeter sollen die neu geschaffenen Flächen ungefähr umfassen? Und gibt es weitere Aspekte zu beachten, etwa hinsichtlich der Beleuchtung und der Stromanschlüsse? Unter Umständen bedingt eine größere Wohnraumerweiterung auch weitere Sanierungsmaßnahmen, zum Beispiel eine Verbesserung der Wärmedämmung. Die aktuelle Energieeinsparverordnung sieht hierzu verbindliche Regelungen vor. Natürlich gehört auch ein Kassensturz zu den nötigen Vorarbeiten. Legen Sie vorab genau fest, wie viel Geld Sie in die Erweiterung maximal investieren können und möchten. Auch über den möglichen Zeitrahmen sollte man sich Gedanken machen, besonders wenn im Zuge der Arbeiten das alte Dach oder Außenwände abgetragen werden müssen.

Rechte und Pflichten

Für Aufstockungen und Anbauten muss in der Regel ein Bauantrag gestellt werden. Man sollte daher einen kompetenten Planer beauftragen, üblicherweise einen Architekten. Dieser kennt nicht nur die einschlägigen rechtlichen und technischen Vorschriften für eine qualifizierte Planung, sondern ist auch Fachmann für die spätere Ausschreibung sowie die  Überwachung der Bauleistungen. Was in puncto Ausbau alles zu beachten ist, verrät ein Blick ins Baurecht: Die Landesbauordnungen enthalten Vorschriften zu erforderlichen  Abstandsflächen, zu Raummindesthöhen, aber auch zum Brandschutz und zur Beschaffenheit der einzelnen Bauteile. Kommunale Bebauungspläne wiederum regeln die zulässige Anzahl der Geschosse, die maximale Geschossfläche und Grundfläche, die Traufhöhe und die Dachneigung. In örtlichen Gestaltungssatzungen kann zudem verbindlich festgelegt sein, wie groß Gauben, Erker oder Fenster sein dürfen. Gibt es keinen Bebauungsplan, entscheidet die Baugenehmigungsbehörde nach § 34 Baugesetzbuch, ob die geplanten Umbauten  genehmigungsfähig sind oder nicht. Ausschlaggebend für einen positiven Bescheid ist, dass sich die Neuplanung maßvoll in die bestehende Bebauung der Umgebung einfügt.

Allem auf den Grund gehen

Soll eine Dachaufstockung durchgeführt werden, ist eine Analyse des bestehenden statischen Systems unerlässlich. Gleiches gilt für Anbauten, die in bestehende Wände oder Decken eingreifen. Der Architekt stellt im Rahmen der Planung fest, ob hierfür ein Tragwerksplaner hinzugezogen werden muss. Für neuere Bauten liegen die statischen Nachweise in der Regel in den Archiven der Baugenehmigungsbehörden vor. Im Zuge einer Bestandsaufnahme werden die wesentlichen Eigenheiten der vorhandenen Konstruktionen erfasst. Beim Aufstocken eines Dachs ist beispielsweise zu ermitteln, welche Dimensionen die Sparren und Pfetten haben und ob das Gebälk vielleicht schadhaft und somit nicht mehr voll tragfähig ist. Ein weiteres Augenmerk sollte auf der Statik liegen. Bei älteren Wand- und Deckenkonstruktionen sind zudem Probeöffnungen vonnöten, um den vorhandenen Aufbau genau unter die Lupe nehmen zu können. Die Installationen müssen gesondert überprüft werden: Lassen sich bestehende Leitungen und Anschlüsse ergänzen, oder ist es sinnvoller, eine komplette Modernisierung vorzunehmen? Packen wir’s an Auf der Grundlage einer genauen Bestandsanalyse und der Vorgaben der Bauherren kann sich der Architekt nun an die Entwurfsplanung machen. Diese sollte auch immer eine Kostenberechnung mit konkreten Zahlen zu den zu erwartenden Baukosten beinhalten. Anschließend wird die Genehmigungsplanung erstellt und bei der Gemeinde oder Stadt eingereicht. Liegt der behördliche Genehmigungsbescheid or, geht es an die Handwerkersuche. Dazu erstellt der Planer exakte Leistungsverzeichnisse der erforderlichen Bauleistungen, holt Angebote verschiedener Firmen ein und erteilt schließlich die Aufträge. Damit beim Bau auch alles glattgeht, ist auf eine qualifizierte Bauüberwachung zu achten. Auch bei der formellen Abnahme der Firmenleistungen sollte ein Profi hinzugezogen werden, der eventuell versteckte Mängel aufdeckt.

 

epr_SchwörerHaus epr_SchwörerHaus-2

 

 

 

 

 

 

„Flying Space“ heißt diese flexible Lösung, um neuen Wohnraum zu schaffen – etwa als Anbau im Garten, als Dachaufsatz oder zur Füllung von Baulücken. Die fertigen, kompakten Minihäuser können an nur einem Tag vom Monteur aufgestellt werden. Sobald das Wohnelement an Wasser und Strom angeschlossen ist, ist es als vollwertiger Wohnraum nutzbar. Fotos: epr/SchwörerHaus

KitzlingerHaus-1 Graf_aussen_Seite

 

 

 

 

 

 

 

Erweiterung extrem: Dieses Holzhaus aus den 1960er-Jahren bot mit seinen 100 m² nur wenig Platz und sollte daher aufgestockt werden. Aufgrund der Statik kam für die Aufstockung eine vom Basisgebäude unabhängige Tragkonstruktion zum Einsatz. Fotos: KitzlingerHaus

Alles unter Dach und Fach

Sofern der Bebauungsplan es zulässt, kann eine Geschossaufstockung in Holzrahmenbauweise eine schnelle und günstige Lösung der Wohnraumerweiterung sein, vor allem wenn die  Tragfähigkeit der vorhandenen Bauteile ausgereizt oder das Gebäude nicht für größere Lasten ausgelegt ist. Denn: Der Baustoff Holz weist eine hohe Festigkeit bei relativ geringem Gewicht auf. Das wiederum erspart teure Verstärkungen am vorhandenen Gebäude. Da die Teile in der Regel zudem bereits einen hohen Vorfertigungsgrad aufweisen und der Bau als Trockenbau ausgeführt wird, sind Bauzeit und Bauablauf sehr genau kalkulierbar. Gut gedämmte Holzkonstruktionen erfüllen zudem bei relativ geringen Wanddicken bereits die   Anforderungen der Energieeinsparverordnung, da die Dämmung üblicherweise zwischen den Holzständern angebracht ist. Zwar sollte auch beim Ausbau in Holzrahmenbauweise für die Tragkonstruktion inklusive der luftdichten Außenhülle immer der Fachmann ran, allerdings bieten sich beim darauffolgenden Innenausbau noch zahlreiche Möglichkeiten, selbst Hand anzulegen. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich die Kosten mit dieser „Muskelhypothek“ deutlich senken. Barbara Schmidt

Auf einen Blick:

• Dachaufstockungen sind immer genehmigungspflichtig. Prüfen Sie daher die Landesbauordnungen und die zugehörigen Ausführungsverordnungen, in denen die baurechtlichen Grundlagen geregelt sind. Liegt kein Bebauungsplan vor, so entscheidet die zuständige Baurechtsbehörde.
• Ziehen Sie immer einen Architekten oder Planungsvorlageberechtigten hinzu, der sich um die nötigen Formalitäten wie die Baugenehmigung oder die Zulässigkeit der nötigen Brand- und Schallschutzanforderungen etc. kümmert.
• Bevor Sie eine Dachaufstockung vornehmen, muss überprüft werden, ob das Gebäude die zusätzlichen Lasten aufnehmen kann. Für eine Aufstockung ist immer ein statischer Nachweis
erforderlich.
• Klären Sie vorab, ob ein Anschluss an die bestehenden Installationseinrichtungen (Strom, Wasser, Abwasser, Gas) sowie an die Heizungsanlage möglich ist.

Immer top informiert: Jetzt für den Newsletter anmelden