kein treffer bei microsites Barrierefrei umbauen: Freie Fahrt für Jung und Alt - Der Bauherr

Barrierefrei umbauen: Freie Fahrt für Jung und Alt

Barrierefrei umbauen: Freie Fahrt für Jung und Alt
Foto: epr/MACO

Sie fühlen sich wohl in den eigenen vier Wänden und möchten, dass das noch lange so bleibt? Bereiten Sie Ihr Haus auf die Zukunft vor und rüsten Sie es barrierefrei um.

Im Neubau ist barrierefreies Bauen mittlerweile Standard. Kein Wunder, Barrierefreiheit bedeutet Komfort, und der gefällt in jeder Lebensphase. Zudem kann Barrierefreiheit im Alter einen weiteren Nutzen bringen: Nämlich dann, wenn Sie länger im eigenen Zuhause wohnen bleiben können, weil Sie sich trotz körperlicher Einschränkungen gut selbst versorgen und ohne fremde Hilfe zurechtkommen. Clevere Eigenheimbesitzer bauen Barrieren in ihrem Haus daher bereits frühzeitig ab.

Barrierearme Altbauten

Ein Plattformlift unterstützt junge Menschen beim Transport schwerer Lasten und ältere beim Wechseln des Stockwerks. Foto:epr/Ammann&Rottkord

In Deutschland regelt die DIN 18040-2, wann ein Wohngebäude als barrierefrei gilt. Die Norm ist allerdings für den Neubau bestimmt. Deshalb sind die hier enthaltenen Mindestangaben und Regeln für den Altbau nur eingeschränkt anwendbar. Trotzdem können Sie sie als grobe Orientierung für einen barrierefreien Umbau verwenden. Einen guten Leitfaden für einen barrierefreien Umbau bieten auch die „Technischen Mindestanforderungen“, die die KfW-Förderbank in Anlehnung an die DIN 18040-2 für Bestandsimmobilien formuliert hat. Diese Mindestanforderungen müssen Sanierer einhalten, wenn sie eine Förderung über das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ in Anspruch nehmen möchten. Zwar kann in einem Altbau nicht immer völlige Barrierefreiheit im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen erzielt werden. Trotzdem ist in fast allen Häusern zumindest eine Barrierearmut mit Komfortverbesserung möglich. Vorrangig bei allen Umbaumaßnahmen sollte sein, dass ein Höchstmaß an Unabhängigkeit ermöglicht wird, sodass sich die Bewohner auch noch im Alter im eigenen Wohnumfeld versorgen können.

„Frühe Vögel“ sparen Geld

Der Einbau einer bodengleichen Dusche schafft nicht nur eine größere Raumwirkung, sondern auch mehr Komfort. Foto: djd/Deutsche-Fliese.de/Engers

Denken Sie nicht erst ans Abbauen von Barrieren, wenn der Notfall – etwa ein Sturz – eingetreten ist. Denn unter Zeitdruck Barrierefreiheit zu schaffen, funktioniert selten. Daher ist es sinnvoll, im Vorfeld tätig zu werden. Bei ohnehin anstehenden Modernisierungen sollten Sie sich darüber Gedanken machen, was verändert werden muss, damit das Haus barrierearm wird. So empfiehlt sich bei der Sanierung des Gäste-WCs im Erdgeschoss über eine Vergrößerung des Raums nachzudenken. Eine breitere Tür und eine bodengleiche Dusche können ihn in ein vollwertiges Badezimmer verwandeln.

Smarte Barrierefreiheit

Auch energetische Sanierungsmaßnahmen eignen sich zum Barriereabbau. Wer etwa seine zugige Haustür durch ein wärmedämmendes Exemplar ersetzt, sollte dabei auch auf dessen Leichtgängigkeit achten. Zudem ließe sich im Zuge der Baumaßnahme der Eingangsbereich schwellenlos gestalten, der Vorplatz überdachen und alles gut ausleuchten. Wenn sich das Licht dann noch über Bewegungsmelder automatisch ein- und ausschaltet, erspart das müßige und später vielleicht beschwerliche Gänge und Handgriffe. Überhaupt sind die meisten Smarthome-Anwendungen wie Funksteckdosen, Sensoren und Thermostate komfortabel und in vielen Fällen auch altersgerecht. Wer so Hindernisse abbaut, spart Geld, weil er später keine teuren Extraumbaumaßnahmen vornehmen muss.

Schwachstellen erkennen

Ein unterfahrbarer Waschtisch mit Stuhl erleichtert körperlich eingeschränkten Menschen das tägliche Waschen. Foto: djd/Geberit

Doch was heißt Barrieren abbauen im Detail? Das ist von Haus zu Haus unterschiedlich. Was in Ihrem Zuhause zu tun ist, lässt sich mit einem kleinen Gedankenspiel schnell erkennen. Stellen Sie sich vor, sie hätten sich ein Bein gebrochen, einen Gips bekommen und könnten sich nur noch mit Krücken vorwärtsbewegen. Nun gehen Sie gedanklich durchs Haus: Hätten Sie im Schlafzimmer genug Platz, um aus dem Bett zu steigen? Könnten Sie im Bett liegend aus dem Fenster blicken oder müssten Sie die ganze Zeit auf eine Wand starren? Wäre im Badezimmer vor dem Waschbecken genug Platz, um mit gestrecktem Bein auf einem Stuhl sitzen zu können? Und könnten Sie noch bequem die Toilette benutzen? Gibt es eine komfortabel erreichbare Dusche, und, wenn ja, sind hier Sitz und Haltegriffe vorhanden? Müssen Sie Treppen steigen, um vom Wohnbereich ins Schlafzimmer und wieder zurück zu gelangen?

Die häufigsten Schwachstellen in Bezug auf Barrierefreiheit finden sich an Zugängen zum Haus, in Bad und Küche sowie an der Treppe. Oft ist auch die Raumaufteilung nicht optimal, weil zwischen einzelnen Wohnbereichen lange Wege liegen oder die Räume sich auf verschiedenen Etagen befinden.

Der Hauseingang

Ein Fingerscanner erleichtert das Öffnen der Haustür. Das reduziert Barrieren nicht nur für Senioren, sondern für Menschen jeden Alters. Foto: epr/ekey

Stufen und Schwellen sind bei Gebäuden älteren Baujahrs keine Seltenheit. Abgesehen davon, dass sie potenzielle Stolperfallen darstellen, werden sie für Menschen mit einem Rollator zu unüberwindbaren Hindernissen. Deshalb ist es sinnvoll, bei einem Austausch von Haus- oder Terrassentür für ebenerdige Zugänge zu sorgen. Wie alle Türen sollten auch die Zugänge zum Haus ausreichend breit sein. Empfohlen werden lichte Durchgangsmaße von mindestens 80 cm, besser sind jedoch 85 oder 90 cm.

Das Bad

Im Alter kann ein Treppenlift für mehr Mobilität im eigenen Zuhause sorgen. Seine Anschaffung wird von der Pflegekasse mit bis zu 4.000 Euro gefördert. Foto: epr/Lifta

Meist ist es zu klein, wenn man die Faustregel für eine barrierefreie Bewegungsfläche von 1,50 m auf 1,50 m zugrunde legt. Sollten Sie Ihr Badezimmer vergrößern wollen, ist es ratsam, Platz für Waschmaschine und Trockner einzuplanen. So muss man im Fall der Fälle nicht zwingend zum Wäschewaschen in den Keller gehen. Wenn zusätzlich Küche und Schlafzimmer auf einer Ebene liegen, kann das im Alter eine Erleichterung sein, weil man dann keine Treppen steigen muss. Üblicherweise sind Schlafräume und auch Bad aber im Obergeschoss untergebracht. Wenn eine Nutzungsänderung eines Raums im Erdgeschoss ausgeschlossen ist, sollte man die Treppe entsprechend barrierearm gestalten. Wichtig sind ein stabiler Handlauf links und rechts der Treppe und kontrastreich abgesetzte, rutschfeste, gut beleuchtete Stufen. Geht das Treppensteigen gar nicht mehr, kann ein Treppenlift die Lösung sein.

Die Küche

Auszüge verhindern beschwerliches Bücken. Foto: djd/TopaTeam Nolte

Genau wie im Badezimmer ist auch in der Küche Bewegungsfreiheit das A und O. Daher empfehlen Küchenplaner, vor Arbeitsbereichen mindestens eine Fläche von 1,20 m auf 1,20 m frei zu lassen. Noch besser ist es, den Bereich auf 1,50 m auf 1,50 m auszudehnen. Außerdem sollten die einzelnen Arbeitszonen ergonomisch angeordnet sein. Das bedeutet im Klartext, dass Spüle, Herd und Arbeitsfläche möglichst nah beieinander platziert sind. Eine besonders gute Lösung ist, sie über Eck anzuordnen. Denn dann reicht eine Vierteldrehung, um vom Gemüsewaschen zum Schneiden und Kochen zu wechseln. Generell sind Auszüge komfortabler als Schränke, weil Sie hier auch ohne auf dem Boden zu kauern oder sich umständlich Hinzuknien in die hinteren Schrankbereiche gelangen.

Mögliche Finanzspritzen

Sie wollen Barrierefreiheit einbauen? Erkundigen Sie sich nach möglichen Fördergeldern. Foto: Pixabay

Der Staat unterstützt unterschiedliche Bau- und Umbaumaßnahmen, die Barrieren vermeiden oder abbauen. Über das bereits erwähnte Programm „Altersgerecht Umbauen“ der KfW können Sanierer einen zinsvergünstigten Kredit oder einen Investitionszuschuss von maximal 6.250 Euro erhalten – Stand März 2018. Beantragen müssen sie die Förderung vor Beginn der Bauarbeiten über die Hausbank. Zusätzlich bieten die meisten Bundesländer und vereinzelt auch Kommunen ebenfalls entsprechende Förderprogramme an. Lebt ein pflegebedürftiger Bewohner im Haus, beteiligt sich unter bestimmten Voraussetzungen auch die Pflegekasse an den Umbaukosten. Bei den regionalen Wohnberatungsstellen können Sie sich individuell beraten lassen.


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