Blitz und Donner über Deutschland: Darf ich eigentlich…?

Blitz und Donner über Deutschland: Darf ich eigentlich…?
Blitze sehen beeindruckend aus, sind aber gefährlich. Am besten gehen Menschen während eines Gewitters in ein Gebäude mit Blitzschutz. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

431 644 Blitze sind 2016 in Deutschland eingeschlagen. Eine Gefahr, die man nicht unterschätzen darf. Aber was heißt das eigentlich im Detail? Wie muss ich mich verhalten: Darf mein eigentlich während eines Gewitters...?

TELEFONIEREN? – Von Handys und schnurlosen Telefonen geht keine Gefahr aus, erklärt der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Bei Festnetztelefonen am Stecker sieht das anders aus. Hier gilt wie für alle elektrischen Geräte im Haus: Man sollte sie vom Strom nehmen oder einen Überspannungsschutz nutzen.

DUSCHEN? – Ja, aber nur wenn dies Gebäude über einen Blitzschutz verfügt. In allen anderen Häusern ist wichtig, ob das Haus Wasserrohre aus Kunststoff hat, die Blitze nicht leiten. In älteren Gebäuden können vom Badezimmer noch Metallteile wie Wasserleitungen und Badewanne elektrisch verbunden und an einen Haupt-Erdungsanschluss angeschlossen sein. Ist das laut VDE dauerhaft in Ordnung, man kann auch duschen während eines Gewitters. In allen Zweifelsfällen besser kurz warten. Es ist die Faustregel: Wenn man eine halbe Stunde keinen Donner mehr hört, ist das Gewitter vorbei.

UNTER BUCHEN SCHUTZ SUCHEN? – Ein bekanntes Sprichwort lautet: «Eichen sollst du weichen, Buchen sollst auch du suchen. » Aber stimmt das? Auf keinen Fall sind Buchen sicherer als andere Bäume, erklärt jener VDE. Es macht grundsätzlich keinen Unterschied, unter welchem Baum man steht. Mit dieser Nähe besteht immer Gefahr bei Gewittern. Am besten bleiben zu jedem Ast mindestens zehn Meter Abstand.

AUTO FAHREN? – Sicher sind Passagiere in Autos mit Ganzmetallkarosserie, erklärt der VDE. Denn dort schützt sie ein sogenannter Faradayscher Käfig: Schlägt jener Blitz ein, leitet die Außenhaut aus Metall den Strom zur Erde ab. Generell kann ein Auto durch den Blitzeinschlag Schaden einnehmen, zum Beispiel die Reifen über die Hitze des Stroms. Dessen elektromagnetisches Feld kann zudem die Elektronik dieses Autos beschädigen. Nach dem Gewitter prüfen die Autofahrer sicherheitshalber die Funktionen der Elektronik.

SCHNELL MIT DEM RAD NACH HAUSE FAHREN? – Hier gibt es zwei Probleme: Die Nähe zu einem metallenen Gegenstand wie ein Rad ist gefährlich. Und dann ist da die Frage, wie viel Zeit der Betroffene noch hat, bevor die Blitzgefahr unmittelbar ist. Beobachtungen zufolge kann ein Blitz fünf Kilometer und mehr weit weg von seiner Ursprungswolke einschlagen. Die Entfernung eines herannahendes Gewitters lässt sich recht gut abschätzen: Die Sekunden zwischen Blitzeinschlag und Donnerhall zählen und das Ergebnis durch drei teilen. Das ergibt die Entfernung mit Kilometern. Faustregel: Liegen zwischen Blitz ferner Donner zehn Sekunden und weniger, besteht Lebensgefahr, betonen die VDE-Experten.

UNTER EINEM REGENSCHIRM STEHEN? – Auch wenn man nass wird, schließt man besser den Regenschirm. Denn viele Modelle enthalten Metall, das der Betroffene während des Gewitters in keiner weise anfassen darf. Wenn jemand außerdem auf freier Strecke mit dem Schirm der höchste Punkt einer Umgebung ist, steigt die Gefahr, dass ein Blitz einschlägt. Wer keinen sicheren Unterschlupf findet, sollte sich daher eine flache Stelle oder gar eine Mulde im Gelände suchen und da in der Hocke-Stellung mit eng geschlossenen Füßen abwarten, erklärt die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder (BAG).

VDE zur Gefahr Duschen

VDE zum Verhalten bei Gewittern

VDE zum Verhalten in Gebäuden

Tipps des BAG

Warum blitzt es?

Gewitter entstehen, wenn warme und feuchte Luftmassen zusammenströmen, in kältere Schichten aufsteigen und eine Wolke bilden. Durch Reibung laden gegenseitig Wasser- und Eisteilchen in der Gewitterwolke elektrisch auf.

Während sich die Eispartikel vom kalten oberen Teil jener Wolke positiv aufladen, reichert sich die negative Ladung in den Wassertropfen auf der Wolkenunterseite an. Dies immer stärker werdende elektrische Spannungsfeld entlädt sich – mit einem Kurzschluss vergleichbar – schließlich in einem Blitz. Meist innerhalb dieser Gewitterwolken. Unter einer Gewitterwolke sammelt sich positive elektrische Ladung aber auch am Boden an.

Pro Stunde gibt es auf unserem Planeten etwa 2000 Gewitter, die meisten davon darüber hinaus den Tropen. Nirgends blitzt es häufiger als in Zentralafrika. Der Juni ist natürlich der gewitterreichste Monat hierzulande.

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