Dämmen der Fassade

Dämmen der Fassade
Vorgehängte hinterlüftete Fassaden lassen sich mit vielen Materialien kombinieren, unter anderem mit Aluminium. Foto: epr/Prefa/Croce&Wir

Eine rundum gedämmte Gebäudehülle ist heute bei jedem Neubau Standard. Aber auch Altbauten können mit entsprechenden Maßnahmen ihre Energiebilanz deutlich verbessern. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Bauherren und Modernisierern zur Dämmung der Fassade offenstehen.

Bis zu 40 Prozent der Wärme gehen bei einem Altbau über die Außenwände verloren. Deshalb ist eine lückenlos gedämmte Fassade nicht nur für Neubauten ein Muss. Der Markt bietet unterschiedliche Systeme, deren Wahl sowohl vom Kosten-Nutzen-Verhältnis als auch von der gewünschten Optik abhängt.

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Mit einer Fassadendämmung lassen sich bei einem herkömmlichen Einfamilienhaus bis zu 19 Prozent der Energie einsparen. Quelle und Grafik: obs/co2online gGmbH/www.co2online.de

Aufeinander abgestimmt

Das Wärmedämm-Verbundsystem „Natura Wall“ von quick-mix hat eine ökologischen Holzfaserdämmung. Foto: quick-mix

Ob Neu- oder Altbau: Am häufigsten kommt das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) zum Einsatz, das vergleichsweise preiswert ist. Dabei ist der Dämmstoff direkt auf die Außenwand aufgebracht. Die Befestigung hängt vom Gewicht der Dämmung und von den Anforderungen an das System ab. Leichte Platten verklebt man in der Regel mithilfe eines speziellen Klebemörtels vollflächig. Bei Altbauten oder bei der Verwendung mineralischer Dämmstoffe empfiehlt sich eine zusätzliche Verdübelung. Eine komplette Verdübelung kommt dagegen meist in Regionen mit hoher Windlast zum Einsatz. Schließlich kann der Dämmstoff auch mithilfe von Metallschienen befestigt werden. Diese Variante bietet sich vor allem bei stark unebenen Untergründen an.

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Dämmsysteme müssen heute strenge Brandschutzanforderungen erfüllen. Styropor wird durch Flammschutzmittel schwer entflammbar. Foto: djd/IVH Industrieverband Hartschaum

Auf die Dämmung kommt eine Armierungsschicht mit eingebettetem Gewebe. Sie gleicht Unebenheiten aus und verteilt Spannungen, die durch Temperaturunterschiede entstehen, auf eine größere Fläche, sodass der Putz später nicht reißt. Den Abschluss des WDVS bildet ein Außenputz. Alle Komponenten des Systems müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt sein und vom gleichen Hersteller stammen. Nur dann gibt es auch eine baurechtliche Zulassung. Die Lebensdauer eines WDVS beträgt ca. 40 Jahre. Zur Instandsetzung muss man lediglich die Wand neu verputzen.

Wie viel Energie letztendlich eingespart werden kann, hängt vom eingesetzten Dämmstoff ab. Ausschlaggebend sind die Wärmeleitfähigkeit, die möglichst gering sein sollte, sowie die Dicke. Grundsätzlich kommen fast alle gängigen Dämmstoffe für ein WDVS infrage, jedoch muss das Material eine ausreichende Festigkeit besitzen. Wurden früher häufig Platten aus Polystyrol und Polyurethan verwendet, greift man heute meist auf Mineralwolle zurück. Aber auch nachwachsende Dämmstoffe wie Holzfaserplatten lassen sich in ein WDVS integrieren.

Schön verklinkert

Bei den Isolierklinkern von Kess werden Klinkerriemchen in Platten aus Polyurethan (PUR) eingebettet. Die Module lassen sich schnell installieren. Foto: tdx/Kess Isolierklinker

Eine spezielle Form des WDVS sind Isolierklinker, die sich für Neu- und Altbauten eignen. Die Verblendsysteme sind auf der Rückseite mit einer Dämmschicht – meist aus Polyurethan – versehen und werden mithilfe von Spezialdübeln direkt auf der Außenwand angebracht. Es gibt sowohl fertige Systemplatten als auch ein sogenanntes Fugenleitsystem, bei dem die Klinker einzeln verklebt sind. Die Montage kann – im Gegensatz zum herkömmlichen WDVS – auch in Eigenleistung erfolgen. Dank der guten Dämmwerte erfüllen Isolierklinker nicht nur die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV), sondern – abhängig von der Dämmstärke – sogar die KfW-Standards. Weitere Pluspunkte: Sie bieten einen guten Witterungs- und Schallschutz und sind nahezu wartungsfrei.

Gut belüftet

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Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade lässt sich gut mit einer Dämmung aus Holzfasern realisieren. Foto: VHD/akz-o

Eine sehr effektive Art der Wärmedämmung ist die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF). Die Besonderheit: Zwischen der dämmenden Schicht und der Fassadenverkleidung befindet sich ein Spalt, in dem die Luft zirkuliert. Die Luftschicht steht über Öffnungen für die Zu- und Abluft mit der Umgebungsluft in Verbindung. Dadurch kann Feuchtigkeit schnell abtransportiert werden. Die VHF lässt sich auf nahezu allen Außenwänden anbringen. Einzige Voraussetzung: Die Tragfähigkeit der Wand muss gegeben sein. Die Basis bildet eine Unterkonstruktion aus Aluminium- bzw. Stahlprofilen oder Holzleisten – je nachdem, welche Last die Verkleidung mit sich bringt. Die Zwischenräume werden lückenlos mit Dämmstoff gefüllt. Meist kommt dafür Mineral- oder Steinwolle zum Einsatz. Aber auch Holzfaser oder Zellulose bieten sich an.

Darauf kommt eine Winddichtungsschicht, etwa aus Holz, die die Dämmung vor Witterungseinflüssen schützt. Auf einer Lattenkonstruktion wird schließlich die Vorhangfassade befestigt. Bei der Gestaltung haben Bauherren und Modernisierer freie Wahl: Von Holz über Klinker und Naturstein bis hin zu Faserzementplatten stehen ihnen alle Möglichkeiten offen. Auch Photovoltaikzellen oder Trägerschichten aus Putz können montiert werden. Die Haltbarkeit des Systems hängt stark von den eingesetzten Materialien ab, sollte aber mindestens 30–40 Jahre betragen.

Der Vorteil: Durch die Trennung der Funktionen Wärmedämmung und Wetterschutz ist die Schadensanfälligkeit des Systems sehr gering. Zudem bietet eine hinterlüftete Vorhangfassade einen sehr guten sommerlichen Hitzeschutz. Demgegenüber stehen die vergleichsweise hohen Investitionskosten und der größere Platzbedarf.

Zwischen zwei Schalen

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Bei einer Kerndämmung wird der Dämmstoff zwischen zwei Wandschalen eingebracht. (Resolhartschaumdämmungen „Therma TW50“ und „Kooltherm K8“ von Kingspan Insulation.) Grafik: epr/Kingspan Insulation

Ein zweischaliges Mauerwerk überzeugt nicht nur mit guten Wärmedämmwerten, sondern auch mit einem hohen Schallschutz. Die äußere Schale wird häufig aus Klinkern aufgemauert, die besonders robust und witterungsbeständig sind. Zwischen die beiden Schalen wird eine Kerndämmung, meist in Form von Platten oder Vliesen, montiert. Wichtig: Aufgrund baurechtlicher Normen ist die Dämmstoffdicke begrenzt. Der Zwischenraum zwischen den beiden Schalen darf nur 15 cm betragen. Schalungsabstände bis zu 20 cm benötigen eine gesonderte bauaufsichtliche Zulassung. Wie bei einer VHF sind auch hier die Schalen hinsichtlich ihrer Funktion getrennt. Während die hintere Mauerschale als tragende Wand wirkt, ist das Verblendmauerwerk für den Witterungsschutz zuständig. Es ist thermisch vom Rest der Wand entkoppelt. Durch diese Trennung erweist sich das System als sehr langlebig. Zudem ist der Wartungsaufwand gering.

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Bei Altbauten geht die Kerndämmung durch das Einblasen des Dämmstoffs – etwa „Pure Floc“ von Ursa – schnell vonstatten. Erforderlich ist ein durchgängiger Hohlraum. Foto: txn/Ursa

Viele ältere Häuser wurden bereits zweischalig errichtet. Jedoch befindet sich zwischen diesen beiden Schalen keine Dämmschicht, sondern ein Hohlraum, in den sich auch im Nachhinein eine Kerndämmung einbringen lässt. Dabei wird über kleine Bohrlöcher loser Dämmstoff – etwa Zellulosefasern, Flocken aus Mineralwolle, EPS-Granulat oder auch Perlite – in den Hohlraum gefüllt. Die Arbeiten sind in der Regel nach ein bis zwei Tagen abgeschlossen. Es sind keine Gerüstarbeiten notwendig, weshalb diese Art der Dämmung vergleichsweise günstig ist. Allerdings muss ein durchgängiger Hohlraum vorhanden sein. Die Außenwände sollten daher sorgfältig von einem Fachmann überprüft werden.


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