Den Durchblick behalten

Den Durchblick behalten
Großformatige Fenster mit schmalen Sprossen bringen den Industrial-Style in Ihr Zuhause. Foto: epr/Josko

Für viele Fenster ist es allerhöchste Zeit, den Platz für neuere Modelle frei zu machen. Denn moderne Hightech-Fenster halten nicht nur die Wärme besser im Haus, sondern verschaffen den Bewohnern auch schönere Aussichten – in vielerlei Hinsicht.

Fenster sind in den letzten Jahren zu hochtechnischen Bauteilen geworden, da ist es oft schwer den Durchblick auf dem Markt zu behalten. Sie dienen als Tageslicht- und Frischluftspender, sind aber inzwischen auch maßgeblich für Wärme- und Schallschutz, die Lüftung sowie die Sicherheit im Haus mit verantwortlich. Mit den Einscheibenverglasungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren hat das nur noch wenig zu tun.

Entwicklung des Fensters

Dank der Dreifachverglasung besitzt das Fenstersystem „Konzept Evo“ von Oknoplast hohe Dämmwerte. Erhältlich ist es in verschiedenen Ausführungen. Foto: Oknoplast

Den Durchblick in der Geschichte des Fenstern lässt sich recht einfach bewahren. Denn die Entwicklungssprünge in der Geschichte des Fensters lassen sich an der Zahl der verbauten Scheiben ablesen. So etablierten sich in den 1970er- und 1980er-Jahren allmählich Zwei-Scheiben-Isolierverglasungen, die ungefähr doppelt so gut dämmten wie die Einscheibenfenster von vorher. Eine weitere Verbesserung der Wärmedämmfähigkeit brachte das Verfüllen des Scheibenzwischenraums mit dem dämmenden Edelgas Argon. Solche Fenster kamen seit Mitte der 1990er-Jahre zunehmend zum Einsatz. Mit der Energieeinsparverordnung 2009 lässt sich ein weiterer Entwicklungssprung verzeichnen: Hochwärmedämmende Verglasungen wurden im Neubau Pflicht. Die damals aufkommenden Dreifachverglasungen mit Krypton als Edelgasfüllung brachten eine wesentliche Verbesserung. Heute baut man Verglasungen mit mindestens zwei, meistens aber mit drei Scheiben ein.

Rahmen

Parallel entwickelten sich auch die Rahmen weiter. Während früher fast ausschließlich Holz als Rahmenmaterial verwendet wurde, gibt es heute Fenster aus Kunststoff, aus Aluminium oder auch aus Materialkombinationen wie Holz innen und Metall außen oder Kunststoff mit Aluminium-Deckschale. Holz ist generell ein schlechter Wärmeleiter. Das Naturmaterial dämmt also von sich aus gut. Um jedoch größere Spannweiten von Rahmen und Fensterflügeln zu ermöglichen, werden Holzfensterrahmen heute nicht mehr aus einem Stück Massivholz gefertigt, sondern aus miteinander verleimten Lamellen. Kunststofffenster haben Hohlräume, die mit Dämmstoff und Luft gefüllt sind, um die heutigen Dämmvorgaben zu erfüllen.

durchblick mit schiebefenstern

Das Dämpfungssystem „Atrium comfort stop“ von Hautau bremst den Flügel in Öffnungsrichtung kurz vor dem Erreichen der Endstellung ab. Foto: Hautau

Rahmen aus Aluminium besitzen ebenfalls Kammern und werden thermisch entkoppelt. Das heißt, zwischen den beiden Aluminiumrahmenhüllen sitzen Stege aus Kunststoff als Barriere gegen den Wärmedurchgang. Bei alten Aluminiumfenstern, die diese Entkopplung noch nicht haben, entschwindet die Wärme im Winter über den Rahmen nahezu ungebremst. Solche Fenster sollten aus Energieeffizienzgründen möglichst umgehend ausgetauscht werden, wenn es sie noch in Gebäuden gibt.

Qualität erkennen

Mit dem U-Wert behalten Sie den Durchblick der verschiedenen Kennzahlen. Denn an ihm lässt sich erkennen, wie gut der Wärmeschutz eines Fensters ist. Je höher der Wert mit der Einheit W/m²K (Watt pro Quadratmeter und Kelvin) ist, desto mehr Wärme fließt hindurch, desto schlechter also ist das Fenster gedämmt. Grundsätzlich gibt es beim Fenster drei U-Werte: Man unterscheidet den Wärmedurchgangskoeffizienten des Glases (Ug), des Rahmens (Uf) und des gesamten Fensters (Uw). Die Entwicklung der Fenstertechnik lässt sich auch eindrucksvoll anhand typischer U-Werte ablesen: Während Einfachverglasungen U-Werte bis zu 5,8 W/m²K aufweisen konnten, haben moderne Dreifachverglasungen mit Kryptonfüllung U-Werte von 0,5 oder sogar 0,4 W/m²K.

Doch der U-Wert allein macht noch kein Fenster. Ein weiterer wichtiger Kennwert ist der g-Wert, der Energiedurchlassgrad. Die Kennzahl gibt in Prozent an, wie viel Sonnenwärme von außen durch das Fenster nach innen gelangen kann. So lassen sich passive Energiegewinne erzielen: Das Haus muss im Winter weniger beheizt werden. Weist eine moderne Dreifachverglasung etwa einen g-Wert von 0,55 auf, lässt sie 55 Prozent der Sonnenstrahlenergie in den Raum dahinter gelangen.

Rundum geschützt

Durchblick behalten und Aufatmen: Die Glasbeschichtung „Active
Coating“ von Bayerwald filtert Feinstaubpartikel, Pollen und Keime aus der Raumluft. Foto: Bayerwald

Neben dem Wärmeschutz ist auch der Schallschutz der Fenster zu beachten. Denn schließlich will man sich nicht einmauern, sondern weiterhin den Ausblick mit Durchblick behalten. An lauten Straßen lohnt sich der Einbau von speziellen Schallschutzfenstern. Das Schalldämmmaß erkennt man an der Schallschutzklasse des Fensters: Die Spannbreite reicht von Klasse I bis VI. Je höher die Zahl ist, desto mehr Alltagslärm hält das Fenster draußen. An stark befahrenen Wohnstraßen werden Fenster mindestens der Schallschutzklasse III empfohlen.

Eine immer größere Rolle beim Fensterkauf spielt aktuell der Einbruchsschutz. Hier gibt es eine Einteilung in sieben Einbruchhemmklassen. Zu erkennen sind die Widerstandsklassen am Kürzel RC für „resistance class“. Im Privatbereich rät die Polizei zu Fenstern, die mindestens die Klasse RC 2 aufweisen. Meist sind die Fenster dann mit Pilzkopfzapfenbeschlägen, einbruchhemmender Verglasung und einem abschließbaren Fenstergriff ausgestattet.

Auch in puncto Ästhetik und Design haben sich die Fenster weiterentwickelt. So sind heute Modelle mit extrem schmalen Rahmenprofilen oder großen Glasspannweiten und -flächen ebenso erhältlich wie Sprossenfenster mit Retro-Charme. Auch ungewöhnliche Formate von Fensterflügeln und -türen sind möglich, genauso wie rahmenlose Fensterflügel für eine besonders filigrane Optik.

Durchblick behalten: Fenstertausch im Altbau

durchblick mit elektronischer beschattung

Die „I-tec“-Beschattung von Internorm kann mithilfe eines in die Blende integrierten Photovoltaikmoduls völlig unabhängig von externen Stromquellen betrieben werden. Foto: epr/Internorm

Alte, zugige und ineffiziente Fenster durch neue hochwärmedämmende Modelle zu tauschen, ist grundsätzlich eine gute Idee. Einfach drauflos sanieren sollte man allerdings nicht. Denn die Fenster sind wie die Außenwände, das Dach und der Übergang zum Erdreich Teil der Gebäudehülle. Verändert man eines dieser Bauteile, ändert sich automatisch auch das bauphysikalische Gleichgewicht der Gebäudehülle. Die Folge können Probleme mit Feuchtigkeit oder gar Schimmel sein. Denn die Feuchtigkeit aus der warmen Innenraumluft schlägt sich an dem Bauteil der Hülle mit der kühlsten Oberfläche nieder. In Altbauten sind das meist die alten Fenster. Werden diese nun durch hochwärmedämmende Modelle ersetzt, kann es sein, dass statt der Verglasung die Außenwand zum Kondensator wird. Die Wärme entweicht über die Wand, und die Feuchtigkeit aus dem Innenraum kondensiert nun an oder in der Wand – das Schimmelrisiko steigt. Ein entsprechender ins bauphysikalische Konzept des Gebäudes eingebetteter Fenstertausch verhindert dies jedoch.

Möglichkeiten, dem Feuchtigkeitsproblem zu entgehen, gibt es viele: von der Wärmedämmung der Außenwand über die Wahl passender Fenstermodelle bis hin zu automatischen Lüftungen oder dem Einbau von Materialien im Innenraum, die Feuchte puffern können. Zu Letzteren gehören beispielsweise Holz, Baumwolle oder Lehm wie auch diffusionsoffene Farben. Es empfiehlt sich daher, bei der Planung der Sanierungsmaßnahme einen Energieberater mit ins Boot zu holen. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Denn wer vor Baubeginn eine Beratung durch einen zertifizierten Energieeffizienzexperten durchführen hat lassen, kann Förderungen durch die KfW-Bank in Anspruch nehmen. Auch für die Vor-Ort-Beratung durch den Energieberater können Sanierer Zuschüsse erhalten. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt 60 Prozent der Kosten für eine Energieberatung für Wohngebäude. Für Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es so maximal 800 Euro Zuschuss.

durchblick bei den Förderungen fürs Fenster


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