Der Dauerbrenner

Der Dauerbrenner
Foto: Viessmann Werke

Jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Erdgas beheizt. Kein Wunder, denn es verbrennt sehr schadstoffarm, kann mit der Brennwerttechnologie fast die gesamte im Brennstoff steckende Energie ausnutzen und lässt sich gut mit erneuerbaren Energien kombinieren.

Wenn man von Gas spricht, ist meist Erdgas gemeint, das zum größten Teil aus Methan besteht. Gas verbrennt äußerst schadstoffarm. Als fossile Energiequelle setzt es allerdings das Klimagas Kohlendioxid (CO²) frei, doch spürbar weniger als Heizöl.

Brennwert – heute Standard

Das Gasbrennwertgerät „Condense 9000 i“ von Junkers lässt sich bequem über eine App via Smartphone oder Tablet steuern. Foto: Junkers Bosch

Wer sein Haus heute mit Gas beheizt, tut dies in der Regel über eine Gaszentralheizung. Dabei unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Kesseltechnologien: Niedertemperaturkessel (NT-Kessel) müssen keine Mindesttemperatur vorhalten, können sich dem Wärmebedarf fließend anpassen und können daher energiesparend betrieben werden. Brennwertkessel hingegen erzielen einen noch deutlich höheren Wirkungsgrad. Sie kühlen die Verbrennungsgase so weit ab, dass der in ihnen enthaltene Wasserdampf kondensiert und seine gespeicherte Wärme freigibt. Die nur noch rund 40 °C warmen Abgase benötigen keinen herkömmlichen Schornstein mehr und können über Kunststoff- oder Metallrohre ins Freie befördert werden. Das erweist sich nicht zuletzt bei vielen Sanierungen als Vorteil. Daneben werden Gasthermen eingesetzt, die Heiz- oder Warmwasser im Durchlaufprinzip erhitzen. Auch sie werden mit moderner Brennwerttechnik angeboten. Sie werden als Gasetagenheizungen für Wohnungen, aber auch zur Warmwasserbereitung direkt am Ort des Verbrauchs eingesetzt, vielfach auch bei Altbausanierungen.

Hoher Nutzungsgrad

Der „Logamax plus GB192i-19 CMS“ im Titaniumglas-Design von Buderus verfügt über eine automatische Verbrennungsregelung. Foto: Buderus

Erreichen NT-Kessel einen Wirkungsgrad von gut 90 Prozent, so können Brennwertkessel oder Brennwertthermen bis zu 99 Prozent der im Brennstoff steckenden Energie ausnutzen. Da aber der Nutzungsgrad oft immer noch auf den sogenannten Heizwert bezogen wird (das ist die Energiemenge ohne die im Wasserdampf gespeicherte Energie), erreichen Brennwertkessel – bezogen auf diesen Heizwert – einen Nutzungsgrad von bis zu 109 Prozent. Diese optimale Energieausnutzung erreicht der Brennwertkessel jedoch nur in Kombination mit Niedertemperaturheizungen. Das sind Heizungen mit einer Heizwassertemperatur von 25 bis 35 Grad. Die Bekannteste davon ist die Fußbodenheizung. Die vom Heizwasser durchflossenen Rohre können jedoch auch in Wänden oder Decken Platz finden.

Die steigenden Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) haben den Energiebedarf neu errichteter Gebäude stark reduziert, daher werden Kessel und Systeme in immer kleineren Leistungsbereichen angeboten. Gasbrennwertkessel in diesen niedrigen Energiesegmenten werden auch als Gasbrennwertbox bezeichnet. Sie können zum Beispiel auch fest in einen Heizwasserspeicher integriert sein, der einen großen Teil seiner Wärme aus Sonnenkollektoren gewinnt.

Je niedriger der Energieverbrauch eines Hauses, desto eher ist auch Flüssiggas eine bedenkenswerte Alternative. Es ist zwar teurer als Erdgas, bei Gebäuden mit sehr niedrigem Energieverbrauch wie bei Passivhäusern können aber schon einige große Flüssiggasflaschen den Restenergiebedarf im Verlauf eines Jahres decken. In diesem Fall wäre dann ein Gasanschluss ans öffentliche Netz nicht nötig. Wer seine alte Ölheizung entfernt und das Haus energetisch saniert, für den ist Flüssiggas ebenfalls interessant.

Oft erste Wahl

Viessmann-Gasbrennwertgerät mit integrierter solarer Trinkwassererwärmung. Foto: Viessmann Werke

Gasheizungssysteme arbeiten umweltfreundlich und erreichen hervorragende Nutzungsgrade. Gas wird vor allem in Form von Erdgas eingesetzt, das einen kostenpflichtigen Gasanschluss voraussetzt. Der Gasanbieter kann frei gewählt werden, durch Anbietervergleich lassen sich die Energiekosten oft deutlich senken. Je nach Förderquelle hat Erdgas einen Brennwert zwischen neun und zwölf Kilowattstunden pro Kubikmeter. Der Preis für Erdgas ist vom jeweiligen Tarif abhängig und deutlichen Schwankungen unterworfen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist der Gaspreis sogar etwas gesunken, im gesamten Zeitraum schwankte er meist zwischen rund sechs und sieben Cent pro Kilowattstunde. Die Investitionskosten für Gasbrennwertkessel fallen mit 4.000 bis 8.000 Euro vergleichsweise moderat aus. Ein Gasanschluss kostet zwischen 1.500 und 2.500 Euro.

Gaskessel können sehr gut mit anderen Heizsystemen kombiniert werden, zum Beispiel mit Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung, aber auch mit Elektrowärmepumpen. Für den Austausch vieler alter Heizungsanlagen gegen moderne Gasbrennwertkessel gibt es Förderungen. Gasbrennwertkessel sind oft die günstigste Möglichkeit der Wärmeerzeugung.

Vor- und Nachteile von Gasheizungen

Vorteile

sehr schadstoffarme Verbrennung

kein Lagerraum erforderlich

günstige Investitionskosten

geringe Wartungskosten

hoher Wirkungsgrad

gut kombinierbar mit Solarenergie und Wärmepumpen

Nachteile

fossiler und damit nur begrenzt vorhandener Brennstoff

Verbrennung nicht CO²-neutral

kostenpflichtiger Gasanschluss nötig

mittlere Brennstoffkosten


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