Die hohe Kunst der Reduktion

Die hohe Kunst der Reduktion
Entwurf eines Doppelwohnhauses von Carl Fieger, der gemeinsam mit Walter Gropius das Bauhaus-Gebäude in Dessau plante. Foto: Stiftung Bauhaus Dessau

In den kurzen Jahren seines Bestehens wurde das Bauhaus von drei Direktoren, vielen Persönlichkeiten und äußeren Einflüssen geprägt. Entsprechend vielschichtig waren die Ziele der Schule, die sich im Lauf der Zeit immer wieder geändert und weiterentwickelt haben.

„Der Organismus eines Hauses ergibt sich aus dem Ablauf der Vorgänge, die sich in ihm abspielen.“ Walter Gropius; Foto: Tecta

Anfangs unter Walter Gropius und Johannes Itten – als Leiter des Vorkurses prägend für die Formensprache der ersten Jahre – stand das Handwerk im Zentrum der Bauhaus-Philosophie. In seinem Manifest von 1919 beschreibt Gropius, dass Architektur, Bildhauerei und Malerei wieder zum Handwerk zurückfinden müssen, um gemeinsam zu gestalten: Denn „das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!“.

Doch die Stärkung des Handwerks kam der zunehmenden Industrialisierung nicht gerecht. 1923 reagierte daher Walter Gropius mit der Parole „Kunst und Technik – eine neue Einheit“. Unter dieser Maxime sollten die Möglichkeiten der industriellen Fertigung und technischen Errungenschaften genutzt werden, um eine zeitgemäße und funktionale Gestaltung für die Behausung zu entwickeln. In den Werkstätten entstanden Prototypen für massentaugliche, hochwertige und zugleich preisgünstige Produkte von der Leuchte bis zum Wohnhaus.

Reduktion: Form follows function

Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen zieht sich ein Ansatz wie ein roter Faden durch die Bauhaus- Philosophie. Eine sachlich-funktionale, geometrische und radikal moderne Formgebung, die nach wie vor unser ästhetisches Empfinden beeinflusst. Weltberühmt ist die Zuordnung der drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau zu den Grundformen Quadrat, Dreieck und Kreis. Mit ihnen schuf Wassily Kandinsky ein plakatives Logo. Doch das Bauhaus verstand sich nicht als Stilrichtung, sondern als grundsätzliche Denkweise. Die Schönheit eines Produkts wird von seiner individuellen Funktion geprägt – ein radikal neuer Ansatz nach der ornamental verspielten, romantischen Mode bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei sind es vor allem der Wille und der Mut, Gestaltung von Grund auf neu zu denken, die Architekten und Designer bis heute auf der ganzen Welt inspirieren.


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