Die Zukunft des Wohnens?

Die Zukunft des Wohnens?
Verschiedene Module der „aktivhaus“-Serien können unterschiedlich kombiniert werden. Das erhöht die Flexibilität. Foto: Zooey Braun

Ein Zuhause, das sich selbst mit Strom und Wärme versorgen kann, bietet Sicherheit für die Zukunft – auch in finanzieller Hinsicht. Mittlerweile gibt es verschiedene Technikkonzepte, die zu einem energieautarken Haus führen können. Doch diese Unabhängigkeit hat natürlich erst einmal ihren Preis.

Ein energieautarkes Haus bietet in jedem Fall die Möglichkeit, aktiv die Energiewende mitzugestalten. Und klar ist: Es funktioniert, und verschiedene Möglichkeiten führen bereits jetzt zu recht guten Ergebnissen. Sonnenenergie spielt dabei eigentlich immer eine bedeutende Rolle, und auch der E-Mobilität kommt als Stromspeicher eine besondere Bedeutung zu.

 Selbstversorgung

Selbstversorger: Timo Leukefeld kann sein Elektroauto vor der Haustür mit dem eigenen PV-Strom aufladen. Foto: SUPERillu/Wetzel

Zunächst einmal sollte ein energieautarkes Haus möglichst wenig Energie verbrauchen. Eine gute Dämmung ist eine wesentliche Voraussetzung. Wie bereits erwähnt, kommt zudem gerade der Sonne eine zentrale Rolle zu. In eigentlich jedem Konzept dient sie als nachhaltiger Energielieferant für die Photovoltaikanlage auf dem Dach, an der Fassade oder abgekoppelt vom Haus auf dem Grundstück. Auch Miniwindkrafträder könnten den notwendigen Strom erzeugen, realisiert werden sie aber nur selten und, falls ja, in der Regel als zusätzliche Energiequelle. Beim Sonnenhauskonzept, das Professor Timo Leukefeld in seinem energieautarken Haus in Freiberg gemeinsam mit Helma erfolgreich weiterverfolgt hat, steht zudem ein großer Langzeitwärmespeicher im Zentrum des Hauses, der für die Wärmeversorgung zuständig ist. „Die solarthermische Anlage hilft, dabei auch Strom zu sparen, indem beispielsweise Waschmaschine oder Geschirrspüler mit von ihr bereits vorgewärmtem Wasser versorgt werden“, so Timo Leukefeld.

Grundsätzlich geht es im energieautarken Haus um die Selbstversorgung mit Wärme und Strom aus nachhaltigen Energiequellen, um nicht auf endliche Ressourcen und das öffentliche Stromnetz angewiesen zu sein. Wesentlicher Aspekt der Autarkie ist demnach auch die Speicherung von Energie. Denn nur damit kann man sich wirklich unabhängig machen von der Verfügbarkeit der ja nur ungleichmäßig und nicht stetig bereit stehenden natürlichen Energiequellen wie Sonne oder Wind.

 Speicher muss sein

Der „neeoBASIX“-PV-Speicher optimiert die Energieflüsse,
sodass in erster Linie selbst erzeugter Strom verbraucht wird. Foto: Akasol

„In unserem ‚Absolut Autark Plus Haus (AAPH)‘ in Trausdorf, Österreich, vergleichen wir derzeit verschiedene thermische Speicher miteinander, um standort- und nutzerunabhängige Aussagen zu ihrer jeweiligen Effizienz machen zu können“, berichtet Bernd Höfferl aus dem Konsortium Elk-Haus, IEMW GmbH und EES, die das Forschungshaus gemeinsam betreiben. „Wärmespeicher sind in ihrer Anschaffung günstiger als Speicher für elektrische Energie. Ihre Einbindung über unsere AAPH-Regelung ist aus unserer Sicht bereits für kleine bis mittlere Speicherzeiten auch wirtschaftlich sinnvoll. Sehr spannend fanden wir auch die Effizienz passiver solarer Einträge, sofern diese ebenfalls über eine intelligente Steuerung in das Gesamtkonzept eingebunden werden“, erklärt er.

Für die Speicherung von Strom werden im Allgemeinen Blei- oder Lithium-Ionen- Batterien eingesetzt, wobei Letztere gerade für häufiges Be- und Entladen und daher beispielsweise im Zusammenhang mit der Einbindung von E-Mobilität genutzt werden. „Ein Elektroauto kann zukünftig im Zusammenhang mit bidirektionalem Laden bei einem energieautarken Gebäude eine unterstützende Funktion übernehmen. Ist die PV-Produktion des Gebäudes zu gering, kann mit dem Elektroauto zusätzlich benötigter Strom von extern geholt, ins Hausnetz eingespeist und die Hausbatterie entsprechend kleiner dimensioniert werden“, erklärt Stefan Markert, Bauherr und Planer (eenee GmbH) eines energieautarken Baufritz-Hauses in der Schweiz. „Ein Zukunftsszenario könnte auch sein, dass autarke Gebäude ihren überschüssigen Strom über Elektroautos an Stromtankstellen in das öffentliche Netz einspeisen oder externe Verbraucher direkt mit Strom versorgen.“

 Wie autark muss es sein?

Bleibt noch die Frage, ob energieautarke Häuser das allgemein anzustrebende Ziel sein sollten. Technisch sind sie schon heute machbar, und ihre Wirtschaftlichkeit wird immer schneller erreicht, da die Preise der Komponenten tendenziell sinken. Für Bauherren könnte die Vorstellung, dass ihr Haus nicht nur irgendwann abgezahlt ist, sondern auch keine Energiekosten erzeugt, langfristig attraktiv sein, da vielfach die Kaufkraft im Alter deutlich sinkt. Überhaupt vermittelt ein Zuhause, das sich im Notfall selbst mit Strom und Wärme versorgen kann, große Sicherheit. Dennoch sollte es bei der Diskussion um Energieautarkie nicht nur um die radikale Loslösung gehen. „Wir haben ein funktionierendes öffentliches Stromnetz, auf das man auch zurückgreifen sollte“, so Dr. Frank Heinlein, Geschäftsführer des Forschungsprojekts „Aktivhaus B10“ in Stuttgart, aus dem das modulare Nullenergiefertighaus „AH-Aktiv-Haus“ entwickelt wurde. „Alternativ kann auch die Vernetzung in einem kleineren Verbund eine nachhaltig sinnvolle Lösung darstellen.“

Im Überblick: Das sind die wichtigsten Komponenten für eine Energieversorgung, die auch tatsächlich „autark“ funktioniert. Grafik: Sonnenhaus


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