Eigenleistung: Wertvolle Handarbeit

Eigenleistung: Wertvolle Handarbeit
Um Eigenleistungen am Bau fachgerecht und in zeitlich akzeptablem Rahmen durchzuführen, braucht es das passende Werkzeug. Foto: Bosch

Sobald ein paar Tausend Euro für die Immobilienfinanzierung fehlen, können Handarbeiter am Bau mit Engagement profitieren. Die Rechnung geht auf, wenn sich Immobilienangebot und handwerkliches Geschick perfekt ergänzen.

Handarbeit beim den eigenen vier Wänden? Ein Traum, vier Wände: Die große Mehrheit der Deutschen träumt von der eigenen Immobilie. So die Quintessenz einer aktuellen Studie des Vermittlers Interhyp. Danach hängen Wohneigentum und Wohnglück eng zusammen: Wer in den eigenen Wänden lebt, fühlt sich unabhängiger, genießt das vermieterfreie Dasein und unternimmt etwas für seine Absicherung im Alter.

Wer mit Augenmaß plant und sich nicht überschätzt, kann Eigenleistungen durchaus sinnvoll in seine Finanzierung einbauen. Foto: BHW Bausparkasse

Vor allem aber die in den Ballungsräumen Deutschlands zuletzt stark angestiegenen Immobilien- und Baupreise erschweren vielen das Eigenheim-Projekt. Zumal Finanzierungsinstitute üblicherweise einen nicht unerheblichen Anteil der Erwerbskosten als Eigenkapital für das Vorhaben Wohnglück voraussetzen. In der Regel verlangt die Bank mindestens 10 Prozent des Kaufpreises bzw. der Herstellungskosten aus eigenen Mitteln. „Bessere Konditionen gibt es bei 20 Prozent“, so Frank Lösche, Baufinanzierungsspezialist bei der Dr. Klein Privatkunden AG. Hinzu kommen die Erwerbsnebenkosten wie Grunderwerbsteuer und Gebühren für Notar und Grundbucheintrag, die regelmäßig mit mehr als 10 Prozent des Bau- bzw. Kaufpreises zu Buche schlagen und sofort bezahlt sowie aus dem Eigenkapital getragen werden müssen. „Hierfür geben die Banken in der Regel keinen Kredit“, so Frank Lösche weiter.

Wer allerdings von den Top-Konditionen am Markt profitieren will, bringt besser noch einiges mehr mit. „Davon profitieren vor allem Bauherren mit guter Bonität, also einem auskömmlichen Einkommen, in Kombination mit ausreichend Eigenkapital“, weiß Marktkenner Max Herbst, Inhaber der Frankfurter FMH-Finanzberatung, und ergänzt: „Abhängig vom Einzelfall sind die Bestkonditionen meist erst ab 40 Prozent Eigenkapital erhältlich.“

Wie viel lässt sich sparen?

Bei vielen fällt der Anteil der Erwerbskosten, die sie aus ihren eigenen Ersparnissen stemmen können, aber deutlich geringer aus. Mit Folgen: Denn Bauherren mit (zu) wenig Eigenkapital und zugleich durchschnittlichem Einkommen können bei vielen Instituten schnell auf taube Ohren stoßen. Es sei denn, sie sind handwerklich geschickt. „Viele Banken akzeptieren alternative Geldquellen, allen voran Eigenleistungen“, betont Finanzierungsexperte Max Herbst. Wer zwei rechte Hände hat, kann den Darlehensbetrag durchaus um einige zehntausend Euro drücken. Wichtig in diesem Zusammenhang ist: „Banken werten nur Arbeitsleistungen als Eigenkapital- Ersatz. Materialkosten finden indes keine Beachtung“, erläutert Interhyp-Sprecher Ingo Buchholzer.

Wie hoch die Ersparnis konkret im Einzelfall ausfallen kann, hängt wiederum entscheidend vom Finanzierungspartner und von dem Beruf des Bauherrn ab. „Manche Banken und Sparkassen setzen ein Limit bei einer bestimmten Betragsgrenze, andere kalkulieren Eigenleistungen bis zu einem gewissen prozentualen Anteil der Erwerbskosten“, erläutert FMH-Chef Max Herbst. Und Finanzierungsexperte Lösche von Dr. Klein ergänzt: „Banken akzeptieren bis zu 15 Prozent der Darlehenssumme als Eigenleistung, meist jedoch nicht mehr als 30.000 Euro.“

Handarbeit eigenleistung am bau

Quelle: Verband Privater Bauherren, Regionalbüros München-Umland, Leipzig, Wittenberg/Dessau. Stand: Juli 2018

Richtig einschätzen

Grundsätzlich gilt: Einheitliche Kriterien bei der Bewertung von Eigenleistungen haben Geldhäuser nicht. Tendenziell großzügiger bei der Bewertung von Eigenleistungen sind sie, wenn der künftige Eigenheimbesitzer entsprechende fachliche Qualifikationen vorweisen kann oder Handwerker mit detaillierter Auflistung ihrer Qualifikationen in der Liste der Bauhelfer stehen. „Arbeiten, für die der Bauherr oder seine Helfer nicht nachweislich fachlich qualifiziert sind, lassen sich bei den meisten Instituten nicht als Ersatz für Eigenleistungen einbringen. Außerdem begutachten die Institute neben der fachlichen Kompetenz auch die zeitliche Planung“, so Lösche weiter.

Dass Geldgeber Eigenleistungen nicht unbegrenzt akzeptieren, hat gute Gründe. Denn viele Bauherren überschätzen ihre handwerklichen Fähigkeiten. „Laien fehlt in der Regel die Routine. Erfahrungsgemäß schaffen sie maximal zwei Drittel der Leistung eines Profis“, sagt Dipl.-Ing. Raik Säbisch, Leiter des Leipziger VPB-Büros. Und sein Kollege Dipl.-Ing. Uwe Kill, Chef des VPB-Büros Wittenberg-Dessau, fügt hinzu: „Nicht alle Arbeiten eignen sich für Heimwerker, weil ihnen die bautechnischen Kenntnisse fehlen.“ Das kann am Ende sehr teuer werden, sobald der eigene Murks durch einen Fachbetrieb wieder kostspielig beseitigt werden muss.

Achtung Risiko!
Trotz allen Engagements sollten Do-ityourself-Bauherren die Risiken nicht vergessen. Private Vorsorge ist Pflicht und keine Kür. Heißt: Abschluss zumindest einer privaten Unfallversicherung, die rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr gilt. Überdies, was Verbraucherschützer dringend empfehlen: eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Beide kosten Beiträge, abhängig vom Leistungsumfang und von dem individuellen Risiko des Versicherten. Die Kosten gehen selbstredend von den Ersparnissen aufgrund der Eigenleistungen ab.

Auch Zeit ist Geld

„Üblicherweise lassen sich zwischen 5 und 10 Prozent der Finanzierungssumme durch Eigenleistungen ersetzen“, sagt Interhyp-Sprecher Ingo Buchholzer. Mehr sind es aller Erfahrung nach in der Regel nicht, auch weil praktisch jedem Bauherrn wegen Familie und Arbeitsplatz nur ein begrenztes Zeitbudget zur Verfügung steht. Als Richtwert gilt: Neben dem Job sind maximal 20 Stunden wöchentlicher Einsatz auf der Baustelle realistisch. Wer also beispielsweise knapp 19.500 Euro bei den Baukosten durch Eigenleistungen einsparen will, muss rund 426 Stunden Zeit seiner Freizeit investieren (siehe Tabelle auf Seite 48). Bei einem kalkulierten Wocheneinsatz von 20 Stunden macht das mehr als 21 Wochen, in denen die Do-it-yourself- Leistung des Bauherrn gefragt ist. Grillabende, Fußballbundesliga und Urlaub sind in diesem Zeitplan wohlgemerkt nicht berücksichtigt und müssen in die Zeit nach dem Einzug verschoben werden.

So viel In-die-Hände-Spucken verlangt nicht nur wahres Organisationstalent, sondern kann auch Körper und Nerven arg strapazieren. Am besten übernehmen Bauherren daher Gewerke, die einen hohen Lohnanteil und wenig Materialkosten enthalten. So zählen Maler- und Tapezierarbeiten wie auch das Verlegen von Teppichböden oder Laminat zu idealen Do-it-yourself-Arbeiten. „Grundsätzlich abzuraten ist hingegen von bestimmten Arbeiten, die auf den ersten Blick wenig kompliziert erscheinen, wo aber Gewerke auf andere Gewerke aufbauen“, warnt VPB-Experte Kill. Sehr teuer können auch Bauverzögerungen werden, wenn andere Gewerke von den noch nicht fertiggestellten Eigenleistungen abhängig sind. Hinzu kommt: Bauherren dürfen nicht alles. „So müssen insbesondere bei technischen Gewerken wie Gas-, Wasser- und Strominstallationen die Profis vom Fachbetrieb ran“, ergänzt Fachmann Kill.

Merkpunkte für Eigenleistungen und alternative Finanzierungsmöglichkeiten in unserer Checkliste.


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