Erfolgreiche BDF-Technikertagung mit 180 Teilnehmern in Holzminden

Erfolgreiche BDF-Technikertagung mit 180 Teilnehmern in Holzminden
Volker Noller (BDF-Vizepräsident), Ulrich Stiebel (Inhaber von Stiebel Eltron), Nicholas Matten (Geschäftsführer für Vertrieb, Marketing und Finanzen bei Stiebel Eltron), Johannes Schwörer (BDF-Präsident), Georg Lange (Technischer Leiter beim BDF), Klaus Töpfer (Bundesminister a.D.), Kai Schiefelbein (Geschäftsführer für Technik, Einkauf und Personal bei Stiebel Eltron). Foto: BDF

„Ich habe großen Respekt vor Ihrer Branche“, sagte Klaus Töpfer bei der diesjährigen Technikertagung des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF). Der ehemalige Bau- und Umweltminister war prominenter Gastredner der BDF-Tagung, die in diesem Jahr bei der Firma Stiebel Eltron in Holzminden stattfand.

180 technische Experten von Fertighausherstellern und deren Zulieferunternehmen lauschten externen Referenten sowie Testern aus der Fertighausbranche. Der Dreiklang aus Nachhaltigkeit, Energieversorgung und Hausautomation stand im Zentrum des Tagungsprogramms.
Ulrich Stiebel, Inhaber von Stiebel Eltron, und BDF-Präsident Johannes Schwörer begrüßten die Teilnehmer der Technikertagung 2017 auf dem Energy Campus von Stiebel Eltron in Holzminden. Moderator Georg Lange, technischer Leiter des BDF, kündigte sogleich zum Auftakt des ersten Veranstaltungstags den ehemaligen Regierungspolitiker Klaus Töpfer an. „Fertigbau ferner Nachhaltigkeit – ökonomisch, sozial und ökologisch“ lautete jener Titel seines Vortrags, der die Anwesenden begeisterte. „Über Nachhaltigkeit für Fertighausbauern zu sprechen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen“, stellte der nimmermüde Befürworter des Baustoffs Holz fest. Er unterstrich die Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit des Naturmaterials: „Eine Welt mit zukünftig neun Milliarden Menschen wird keine Wegwerfgesellschaft sein. Das Bauen mit Holz ist natürlich Kreislaufwirtschaft at it’s best“. Hinsichtlich jener Symbiose dieses Holz-Fertigbaus via Zulieferunternehmen – wie der Energiebranche – dem Hersteller von seiten Durchlauferhitzern, Wärmepumpen & Co., Stiebel Eltron, sagte er: „Die Nachhaltigkeit in der Energiebranche hat beim Fertighausbau die Heimat gefunden, die sie braucht. “ Lösungen zum Heizen, Lüften und zur Warmwasseraufbereitung in Verbindung mit dem Holzmindener Unternehmen lernten die Mitglied der Technikertagung am Nachmittag kennen. In Workshops erkundeten sie intensiv und en détail die unterschiedlichen Bereiche der technischen Gebäudeausrüstung, die von Stiebel Eltron bedient werden.
Doch zuvor stellte André Hempel vom Bundesministerium für Wirtschaft des weiteren Energie (BMWI) die aktuelle Situation und die Perspektive 2021/2030 im Gesetzgebungsverfahren zu der Energieversorgung von Wohn- und Objektbauten vor. Die Hauptanforderung des Gesetzgebers bleibe die Reduzierung des Primärenergiebedarfs. Die mittelfristige Neujustierung von Primärenergiefaktoren sieht man mit dem Ziel verwirklicht, einen „Nachhaltigkeitsfaktor“ für jeden Energieträger einzuführen. Des Weiteren sollen Flexibilisierungsoptionen beispielsweise für den Einsatz von gebäudenah erzeugtem Strom und zu gunsten von Quartierslösungen erarbeitet werden.
Kai Schiefelbein, Geschäftsführer von Stiebel Eltron, referierte über den Energieträger Strom und die Sektorenkopplung im Ein- und ferner Zweifamilienhaus. Er zeigte die Ziele der Energiewende auf und inwiefern die Wärmepumpe bereits eine Schlüsseltechnologie zum Erreichen dieser Ziele sei. „Die Energiewende ohne Wärmepumpe ist unserer Meinung nach nicht möglich“, so Schiefelbein. Anders als bei Brennwerttechnologien seien bei der Wärmepumpe noch Effizienzsteigerungen möglich und des weiteren bereits in naher Zukunft zu erwarten. „Eine effiziente Sektorenkopplung ist technisch möglich. Funktionierende Produkte sind vorhanden, was fehlt sind die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor allem im Hinblick auf flexible Strompreise“, sagte dieser Geschäftsführer. BDF-Moderator Lange nannte die Fertighausindustrie welchen idealen Partner der Energiebranche, um eine solche effiziente Sektorenkopplung zu erreichen.
Frank Röder, Leiter der Planungsabteilung von Stiebel Eltron, präsentierte das Konzept und die Umsetzung dieses Energy Campus, der vonseiten der Deutschen Gesellschaft jetzt für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet wurde. Dann schickte der Wissenschaftler die Tagungsteilnehmer für das Nachmittagsprogramm in verschiedene Workshops überall auf dem Energy Campus.
Zum Auftakt des zweiten Veranstaltungstags berichteten Vertreter des BDF und dieses Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) aus gemeinsamen Arbeitsgruppen beider Verbände. Diese arbeiten an geeigneten Maßnahmenpaketen für die Schadenverhütung bei Wohngebäuden und daran, diese noch sicherer zu machen. „Wir versuchen Konzepte zu entwickeln, die Häuser weniger anfällig für etwaige Bedrohungen wie Feuer, Wasser, Sturm oder Einbruch machen“, sagte Alexander Klüsel, verantwortlich für Schadenverhütung beim GDV. In allen drei Arbeitsgruppen „Brandschutz, Elektrotechnik, Smart Home“, „Naturgefahren“ und „Einbruch/Diebstahl plus Leitungswasserschäden“ werden diese Konzepte erarbeitet. Die Schadenverhütung soll jeweils mit den drei Klassen „Basis“, „Erweitert“ des weiteren „Premium“ mit verschieden umfangreichen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.
Forschung und Entwicklung findet in der Fertighausbranche ständig statt und für die Fertighausbranche präsentierte Hubert Fritz, Seniorchef des Ökohausherstellers Baufritz aus Erkheim vom Allgäu. Er berichtete von der 12-jährigen Entwicklung des Schnell-Steckverbinders „Stexon“ für die Hausmontage durch Baufritz. „Unsere Branche verfügt seit jeher über millimetergenaue Präzision und höchste Geschwindigkeit bei der Vorfertigung im Werk, während die Montage hauptsächlich manuell stattfindet. Um weiterzukommen, mussten wir an der Baustelle ansetzen“, so Fritz, der in Stexon ein universales Montagesystem mit Steckfunktion sieht, damit die Präzision und Schnelligkeit der industriellen Vorfertigung auch auf der Baustelle erreicht wird. „Die Montage mit Stexon geht um rund 30 Prozent schneller. “ Das Ende der Fahnenstange sei damit aber bis heute noch nicht erreicht. Die Digitalisierung und Automatisierung werden ebenfalls weiter fortschreiten. „Ich glaube, dass wir im Jahr 2022 ein Haus via einem Mann montieren können“, so Fritz.
Heinrich Rohlfs – vom Plattenhersteller Fermacell aus Bad Grund – stellte die neue DIN-Norm 18195/18534 vor und klärte die Anwesenden auf, welche Anforderungen fortan für Abdichtungen in Nassräumen wie Bädern gelten. Friedrich Klein von der Gütegemeinschaft Fertigkeller (GÜF) referierte zur Abdichtung der erdberührenden Bauteile wie Bodenplatte und Keller auf Grundlage der ebenfalls neuen DIN-Norm 18195/18533 sowie der WU-Richtlinie für wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton. Die GÜF engagiert sich durch aktive Mitarbeit an Normungsvorhaben im Bereich des Keller- ferner Bodenplattenbaus und damit zu Gunsten von sicheren Fundamenten für Fertighäuser.
Schließlich wurde über die Neuigkeiten aus den technischen Arbeitskreisen des BDF berichtet. Dies sind „Bauphysik“, „Konstruktion und Statik“, „Arbeits- und Umweltschutz“ sowie „TGA: Technische Gebäudeausrüstung“. Etwa zweimal jährlich finden Sitzungen jener einzelnen Arbeitskreise statt, mit denen wichtige Branchenthemen betrachtet und bearbeitet werden. Im Arbeitskreis „TGA: Technische Gebäudeausrüstung“ steht derzeit beispielsweise die Entwicklung eines Lastenheftes für Smart Home-Lösungen auf dieser Agenda. Der BDF konnte hierfür bereits mehrere Anbieter von Hausautomationstechnik mit ins Boot holen.
Michael Krödel von der Hochschule Rosenheim referierte über unterschiedliche Komponenten von Smart Home-Lösungen und stellte fest, dass die Fertighausindustrie im Bereich der sinnvollen Vernetzung entsprechend des „Internet of Things“ bereits weiter ist als viele andere Branchen. Er gab außerdem wichtige Sicherheitshinweise, mit denen Smart Homes nicht nur umfassende Sicherheit in Bezug auf den Einbruchschutz, sondern auch auf die Datensicherheit gewährleisten.
Karsten Tichelmann von seiten der Technischen Universität (TU) Darmstadt zeigte Wohnraumpotentiale durch Gebäudeaufstockungen auf. „Wir haben das Problem, dass unser Wohnraum fast ausschließlich dort zur Verfügung haben, wo er nicht gewünscht wird. “ Es brauche neue Wohnungen darüber hinaus in attraktiven Wohnlagen. Dafür notwendige Bauplätze sind laut jener Deutschland-Studie 2015 „Wohnraumpotentiale über Aufstockungen“ der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts in Hannover, für das Tichelmann mitgearbeitet hat, auf welchen Dächern Wohnraum auf Bestandsgebäuden zu finden sei. 1,5 Millionen potentielle Wohneinheiten in attraktiven Wohnumfeldern seien in Deutschland möglich. „Die Aufstockung gelingt vor allem mit sehr leichten Bauweisen wie dem Holzfertigbau“, so der Universitätsprofessor. Ein weiterer Vorteil der Fertigbauweise sei die industrielle Vorfertigung, da diese die Bauzeit auf der Baustelle und somit die Belastung zu Gunsten von Anwohnern und der Infrastruktur vom und um das Bestandsgebäude deutlich reduziere.
Am Ende des zweiten Veranstaltungstages der Technikertagung 2017 zog er die Bilanz: „Wir haben umfangreichen Input erhalten und vielfältige Themen bearbeitet. Die Teilnehmerzahl in nie dagewesener Höhe belegt das große Interesse an der Veranstaltung und unterstreicht ihren Stellenwert der wichtigste Plattform für technischen Experten im BDF. Vielen Dank an Gastgeber Stiebel Eltron. “ Die nächste Technikertagung findet am 19. und 20. April 2018 bei der Firma Roto Dach- und Solartechnologie mit Bad Mergentheim statt.

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