Erste Hilfe bei Feuchtigkeitsschäden

Erste Hilfe bei Feuchtigkeitsschäden
Mit den smarten Lösungen von Velux können Sie die Dachfenster bequem per Smartphone steuern und so für frische Luft sorgen. Foto: djd/Velux

Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit macht einem wohngesunden Raumklima perspektivisch den Garaus – Schimmelgefahr. Vieles kann man zwar schon im Vorfeld und in Eigenregie vermeiden. Doch wenn sich Feuchtigkeit – besonders aufgrund von Baumängeln – bereits breitgemacht hat, gilt es, möglichst schnell die Ursache zu finden und professionell zu beheben.

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Retter bei Hochwasser: Die „Flutbox“ mit Tauchpumpe und einem 12 m langen Schlauch. Grafik: Pentair Jung-Pumpen/TRD Bauen und Wohnen/akz-d

Wenn man an Feuchtigkeitsschäden denkt, drängen sich oft Bilder der „Klassiker“ auf: falsch angeschlossene Waschmaschinen, ein defekter Ablauf im Geschirrspüler oder ein undichtes oder gar geplatztes Heizungsrohr – Ereignisse wie diese können ohne Weiteres einen Wohnraum durch den „bestimmungswidrigen Austritt von Leitungswasser“ – so der Versicherungsfachjargon – binnen weniger Sekunden fluten. Oder es zieht Feuchtigkeit ein, weil der Nachwuchs spannende Abenteuer inmitten des großen Badewannenmeers auslebt. Und dass in Hochwassergebieten oder durch starke Regenfälle Keller voll Wasser sind, ist jedes Jahr in den Nachrichten zu sehen. Es gibt aber auch alltägliche Feuchtigkeitsfallen, die schleichend ein gesundes Wohnklima kippen lassen können.

Ursachen für zu hohe Luftfeuchtigkeit

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Es gibt Tausende Schimmelarten. Parallel zur Schimmelsanierung bestimmen Innenraumanalytiker die genaue Art des Schimmelpilzes und dessen Ausmaß. Foto: Verband Privater Bauherren (VPB)

Bauherren haben vielleicht in ihrem Vorleben als Mieter schon einmal die Killerphrase „Sie haben sicher falsch gelüftet“ bei einem Schimmelproblem zu hören bekommen. Freilich lassen sich allein mit Lüften keine Baumängel beseitigen, dennoch lohnt das Thema einen genaueren Blick. Denn in puncto Luftfeuchtigkeit kann so einiges zusammenkommen: Jeder Bewohner gibt durchschnittlich 2–3 l Wasser an die Raumluft ab – durch Atmen, Duschen, Kochen, Hausarbeit (nass wischen), Wäsche waschen und trocknen (Verdunstungsfeuchte). Als Ausgleich das Fenster ständig auf Kipp zu stellen, ist keine gute Idee – auch nicht im Keller. Wärme geht verloren, das Mauerwerk in der Nähe des Fensters kühlt aus und Luftfeuchtigkeit kondensiert – es besteht Schimmelgefahr. Besser ist es, Stoßzulüften respektive Querzulüften.

Die Ursache für Schwärzepilze und Gießkannenschimmel ist eine kalte, nicht gedämmte Außenwand. Sie entwickeln sich meist zwischen Wand und Möbeln. Foto: Verband Privater Bauherren (VPB)

Bei bauseitigen Mängeln kann man freilich allein durch Lüften nichts ausrichten. Decken und Dach können falsch gedämmt sein oder schlicht undichte Stellen aufweisen, durch Risse in der Außenwand kann Wasser ins Mauerwerk eindringen. Ein unzureichender Wärmeschutz lässt Außenwände feucht werden, Rollladenkästen können Wärmebrücken bilden, Alufenster leiten Wärme nach draußen – die Folge: Kondenswasser bildet sich. Faustregel: Kondenswasser ist immer ein schlechtes Zeichen, dem man unbedingt nachgehen muss! Weitere Anzeichen für eine zu hohe Luftfeuchte können wellige Tapeten oder verzogene Türen sein. Verdeckter Schimmelbefall kann sich dabei lange hinter Verschalungen, Decken oder Wänden ausbreiten und allergische Reaktionen auslösen.

Better safe than sorry

Das A und O für eine gesunde Raumluft ist das regelmäßige Lüften. Für die Nachrüstung einer Wohnraumlüftung eignen sich dezentrale Geräte wie dieses von Stiebel Eltron. Foto: Wärme+/Stiebel Eltron

Als erste vorbeugende Maßnahme kann man die Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen einfach mit einem Hygrometer messen. Optimalerweise sollte der Wert in Wohnräumen zwischen 40 und 60 Prozent liegen und unmittelbar an der Wand entlang die 80 Prozent nicht überschreiten. Der Einsatz einer Wohnungslüftungsanlage sorgt automatisch für die benötigte Frischluftzufuhr. Die Geräte reduzieren auch die Pollen-, Schadstoff- und Lärmbelastung und arbeiten oft mit Wärmerückgewinnung, was die Heizkosten senkt.

In Wohnräumen kann man mit Kalk- und Lehmputzen arbeiten – beide Materialien regulieren die Luftfeuchtigkeit. Kalkputze wirken zudem aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften einer Schimmelpilzbildung entgegen. Kalziumsilikatplatten bestehen aus einem porösen, stark alkalischen Material mit einem hohen ph-Wert – hier hat Schimmel keine Chance. Gleichzeitig können diese Platten viel Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen. Sie sind besonders geeignet zur Innendämmung von Außenwänden, etwa in Altbauten, ebenso, wenn in einem Altbau – ein Klassiker – neue Kunststofffenster eingebaut wurden. Für feuchte Räume wie Bäder sind spezielle Wasser abweisende Wandfarben verfügbar.

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Isotec-Horizontalsperre gegen kapillaraufsteigende Feuchte. Letztere entsteht durch das kapillare Saugvermögen poröser Baustoffe. Foto: Isotec

Doch auch bereits beim Bau lassen sich Probleme im Keim ersticken – Stichworte wären hier stehendes Grundwasser, aufsteigende Bodenfeuchte oder Druckwasser durch eine Hanglage. Bauherren können zwischen sogenannten weißen (aus wasserundurchlässigem Beton), schwarzen (mit einer zusätzlichen schwarzen Abdichtung, etwa Bitumenbahnen) oder auch braunen Wannen (eine Bauwerksabdichtung mit Matten aus Geotextil mit einer Bentonitfüllung) für die Kellerabdichtung wählen und sollten sich auf jeden Fall gut beraten lassen, um mögliche Schwachstellen frühzeitig zu beheben.

Was, wenn der Schaden da ist?

Ist Schimmel an der Wand sichtbar, gilt es, schnell zu handeln, damit der Schimmel nicht in Tapeten, Anstriche oder poröse Baustoffe weiter eindringen kann. Falls es sich um einen kleinen und nur oberflächlichen Schimmelbefall unter einem halben Quadratmeter handelt, kann man selber aktiv werden. Wobei dies mit Vorsicht zu genießen ist, weil sich hinter einer kleinen Schimmelfläche bereits ein größerer Schaden verbergen kann.

Tragen Sie bei der Schimmelbeseitigung unbedingt Schutzbrille, Atemschutz und Handschuhe. Foto: RioPatuca Images/fotolia.com/ Verbraucherzentrale
Bundesverband e. V./akz-d

Grundsätzlich werden geöffnete Fenster, Schutzbrille, Atemschutz (mindestens P2) und Handschuhe dringend bei DIY-Maßnahmen empfohlen. Die Sporen können sich im Raum verteilen, wenn man anfängt, an der Wand rumzurubbeln. Achtung: Beim Umgang mit Bioziden im Wohnraum bitte immer nach getaner Arbeit ausgiebig lüften. Auch mindestens 70-prozentigen (medizinischer) Alkohol oder Brennspiritus mögen Schimmelpilze nicht. Der Hausfrauenklassiker Essigessenz funktioniert allerdings nicht auf kalkhaltigen Untergründen, da die Säure neutralisiert wird und der Schimmel sogar die Nährstoffe im Essig für sich zum Wachstum nutzen kann – im Zweifel lieber auf Alkohol oder auch Wasserstoffperoxid zurückgreifen.

Wenn das Problem größer ist

Wenn der Schimmel nicht mehr oberflächlich ist, sondern sich in Materialien wie Gipskartonplatten, porösem Mauerwerk oder Deckenverschalungen eingenistet hat, kommt man mit einem Lappen und etwas Alkohol definitiv nicht mehr weiter. Fachfirmen haben mehrere Möglichkeiten, befallenes, feuchtes Mauerwerk zu sanieren. Wichtig ist eine umsichtige Arbeitsweise, damit sich die Sporen nicht noch weiter verteilen, etwa durch Luftreinigungsgeräte und Abschottung der befallenen Räume. Trocknung, das Einbringen von Dichtungsbahnen im Mauerwerk oder Injektionsverfahren, mit dem Baustoffporen versiegelt werden, sind nur einige der Möglichkeiten. Gerade im Keller, wenn eine Abdichtung von außen durch eine Terrassenüberbauung oder Bepflanzung erschwert ist, kann eine Abdichtung von innen die Lösung darstellen. Voraussetzung ist bei allen Maßnahmen immer eine fachkundige Beratung vor Ort, um die genaue Ursache für Feuchtigkeit und Schimmel zu ermitteln und geeignete Schritte einzuleiten.


Ist eine Außenabdichtung nicht möglich, muss die Wand von innen saniert werden. Zum Einsatz kommen dabei Mehrschichtsysteme aus Dichtschlämme, Vorspritzmörtel und Sperrputz. Je nach Bedarf kann das System um einen Sanierputz ergänzt werden. Fotos: HLC/BKM.Mannesmann


Doch egal wie groß oder klein das Problem ist – nach einer Sanierung, auch wenn es nur um die Fugen im Bad geht, muss die Umgebung der sanierten Stellen gründlich gereinigt werden, um etwaige Sporen zu entfernen. Und wie bei vielen anderen Dingen auch gilt besonders bei Schimmelbefall „Vorbeugen ist besser als Heilen“, denn wenn das Problem erst mal da ist, kann es langwierig und teuer werden.

Tipps
Broschüren und Beratung zu Feuchtigkeit in Wohnräumen, Schimmelbekämpfung und Sanierung finden Sie unter anderem bei den Verbraucherzentralen (www.verbraucherzentrale.de; www.ratgeber-verbraucherzentrale.de), dem Umweltbundesamt (www.umweltbundesamt.de), beim Bauherrenschutzbund (www.bsb-ev.de) sowie beim Verband privater Bauherren (www.vpb.de).

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