Fluidglas: Fenster die wärmen und kühlen

Fluidglas: Fenster die wärmen und kühlen

Ein Fenster, das gleichzeitig auch Heizung und Kühlung ist? Das verspricht das Projekt „Fluidglas“ der Universität Liechtenstein, das von der EU unterstützt wird.

Ein Fenster, das gleichzeitig auch Heizung und Kühlung ist? Das verspricht das Projekt „Fluidglas“ der Universität Liechtenstein, das von der EU unterstützt wird. Durch Fluidglas sollen Fassaden entstehen, die isolieren, transparent sind und gleichzeitig als Sonnenkollektor und als Beschattungssystem funktionieren, da sich die Fenster automatisch einfärben. Doch wie funktioniert die neue Technik?

Was kann Fluidglas?

fluidglass_2Zwischen den Glasscheiben der Fluidglas-Fenster zirkuliert mit Mikropartikeln angereichertes Wasser. Dieses sorgt für Schatten und absorbiert überschüssige Energie. Die Außenseite der Fenster fängt also die Sonnenstrahlung ein und wandelt diese um, während die Innenseite den Raum dann entweder erwärmen oder abkühlen kann. Die Verglasung wirkt so besonders effizient und umweltschonend. Während die Fenster im Sommer als Sonnenschutz dienen und trotzdem uneingeschränkte Sicht nach außen bieten, kühlen sie den Raum automatisch ab – im Winter beheizen sie den Raum dementsprechend und bieten zugleich beste Isoliereigenschaften. Durch Fluidglas-Fenster lässt sich auf besonders umweltfreundliche Art Geld für Kühlung und Heizung sparen. Die größte Herausforderung bei der Entwicklung war es, eine besonders stabile Flüssigkeit zu entwickeln, deren Partikel ganz besondere Eigenschaften besitzen. Sie durften nicht verklumpen und sich in den Fenstern ablagern. Außerdem mussten sie bei Bedarf gut herauszufiltern sein.

Fluidglas ermöglicht enorme Energieeinsparungen

Das neue System verspricht laut Forschern 50 bis 70 Prozent Einsparung bei Gebäudesanierungen, und auch bei neueren Niedrigenergiegebäuden können noch rund 20 bis 30 Prozent gespart werden, denn die Fenster können unter idealen Bedingungen etwa ein Kilowatt pro Stunde erzeugen. Passive Glasfassaden werden so zu effektiven Sonnenkollektoren. Und die freigesetzte Energie kann nicht nur für Heizen und Kühlen, sondern auch in anderen Bereichen der Haustechnik verwendet werden.fluidglass_3

Wo kann die Technik eingesetzt werden?

Eingesetzt werden soll die neue Technik in erster Linie bei verglasten Fassaden, denn es senkt nicht nur die Kosten, sondern vereint wichtige technische Funktionen in sich. Planern und Architekten soll so maximale Gestaltungsfreiheit geboten werden, die den Energiebedarf trotzdem langfristig gering halten.

Fluidglas ist dank seiner modularen Bauweise ebenso für den Einbau in bestehende Strukturen, als auch für den Neubau geeignet. Und es kann nicht nur an Fassaden mit südlicher Ausrichtung, sondern an jeder Seite eines Gebäudes verwendet werden. Eingesetzt werden sollen die Fenster vor allem im mehrstöckigen Bürogebäuden mit einem hohen Verglasungsanteil. In aktuellen Tests, die in Vaduz und auf Zypern durchgeführt werden, wollen die Forscher nun testen, ob die Fenster wirklich in der Lage sind, einen kompletten Innenraum zu heizen oder zu kühlen. Die Fluidglasfenster könnten schon in weniger als vier Jahren marktreif sein. Neben insgesamt zehn Wirtschaftspartner und Forschungseinrichtungen aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich, Zypern und Tschechien hat auch die Europäische Kommission hat das Projekt mit einer Zuwendung von über 3,8 Millionen Euro unterstützt.

Besondere Vorteile von Fluidglas

Während bekannte solarthermische Systeme einen großen optischen Eingriff in das Erscheinungsbild eines Gebäudes nehmen, sehen die Fluidglas-Fenster sehr neutral aus. Sie können einfach und unkompliziert mit alten Fenstern ausgetauscht werden, während andere Systeme eigens und aufwendig installiert werden müssen. Außerdem sind sie komplett transparent und haben besonders gute Isolationseigenschaften. Und nicht zuletzt sorgen sie für eine hohe Wärmegewinnung von bis zu 100 Prozent, da sie die Wärme bestmöglich verteilen. Bei anderen solarthermischen Systemen muss hingegen mit Verlusten von über 30 Prozent gerechnet werden, da es zu Spitzenzeiten zu einer unkontrollierbaren Überversorgung kommen kann. Nachdem der erste Prototyp sich nun in der Testphase befindet, soll in einem weiterführenden Projekt ein erster Hausprototyp entstehen.

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