Fördergelder für Energiesparer

Fördergelder für Energiesparer
Foto: FingerHaus, VIO 400 Musterhaus in Köln

Bauherren und Sanierer, die auf ein energieeffizientes Zuhause setzen, haben gleich doppelten Grund zur Freude: Zum einen profitieren sie von geringen Heizkosten und zum anderen von den unterschiedlichen Fördermöglichkeiten. Die wichtigsten Programme im Überblick.

Ziel der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen. Doch vor der Energieeinsparung steht die Investition in den Neubau bzw. die Modernisierung. Wer dabei mitwirkt, wird im Gegenzug üppig belohnt.

Energieeffizientes Bauen

Fördergelder-unipor

Für besonders energieeffiziente Gebäude wie dieses Ziegelhaus gibt es von der KfW attraktive Zuschüsse. Foto: epr/Massiv mein Haus/Unipor

Vor allem die staatliche Förderbank KfW unter stützt umweltbewusste Vorhaben kräftig. Ihr Grundsatz: Je höher dabei die Energieeinsparung ist, desto besser fällt die Förderung aus. Erweber von besonders energieeffizienten Neubauten sollten das Programm „Energieeffizient Bauen“ nutzen: Gefördert werden Maßnahmen, die über den gesetzlichen Standard hinausgehen. „Insofern muss alles, was mit KfW-Mitteln realisiert wird, nochmals besser sein, als es in der aktuellen Energieeinsparverordnung, der EnEV 2016, vorgeschrieben ist“, erklärt Thomas Penningh, Präsident des Verband Privater Bauherren (VPB). Geld gibt es für die Standards „KfW-Effizienzhaus 55“ und „40“ sowie den neuen Standard „KfW-Effizienzhaus 40 Plus“: Ein wesentlicher Teil des Energiebedarfs wird bei diesem Typ unmittelbar am Gebäude erzeugt und gespeichert. Der Förderhöchstbetrag liegt bei 100.000 Euro. Mit dem Darlehen können 100 Prozent der „Bauwerkskosten“, also der Baukosten ohne Grundstückspreis, (teil-)finanziert werden. Die Zinsbindung beträgt, abhängig von der Kreditlaufzeit, bis zu 20 Jahre. Tilgungsfreijahre entlasten die Haushaltskasse ebenso wie der Tilgungszuschuss von maximal 15 Prozent des Zusagebetrags. Wichtig: Beim Kauf des neuen schlüsselfertigen Hauses muss der Kaufvertrag eine Klausel zur Haftung des Verkäufers für die Einhaltung des angebebenen „KfW-Effizienzhaus“-Standards enthalten.

Energieeffizientes Sanieren

Effizient heizen: Eine Förderung gibt es etwa für den Umstieg auf einen Pelletbrennwertkessel mit solarer Unterstützung. Foto: djd/Paradigma

Modernisierer, die ihre Immobilie in ein „KfW-Energieeffizienzhaus“ umwandeln, nutzen am besten das KfW-Programm „Energieeffizient sanieren“. Förderung gibt es für Hausbesitzer, die sich wahlweise für eine Komplettsanierung ihres Altbaus entscheiden oder die Verjüngungskur ihres Gemäuers in Etappen bzw. nur Einzelmaßnahmen planen. Auch „Maßnahmenpakete“ wie etwa das „Heizungspaket“ (Erneuerung der Heizungsanlage und der darauf abgestimmten Optimierung der Wärmeverteilung) sowie das „Lüftungspaket“ (Erneuerung oder erstmaliger Einbau einer förderfähigen Lüftungsanlage in Verbindung mit mindestens einer förderfähigen Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz an der Gebäudehülle, beispielsweise Dämmung der Wände) sind möglich. Es lassen sich jeweils wahlweise ein Darlehen oder ein Investitionszuschuss beantragen. Bei Einzelmaßnahmen liegt die „Dämmprämie“ bei maximal 5.000 Euro. Das Heizungs- bzw. das Lüftungspaket wird mit jeweils maximal 7.500 Euro gefördert. Bei einer Sanierung zum „KfW-Effizienzhaus 55“ beträgt der Zuschuss 30 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal gibt es 30.000 Euro pro Wohneinheit. Alternative zum Zuschuss: bis zu 100.000 Euro als Kredit für die Sanierung zum Effizienzhaus bzw. maximal 50.000 Euro als Kredit für Einzelmaßnahmen einschließlich der Heizungs- und Lüftungspakete. Die Konditionen sind bei einer Gesamtlaufzeit von bis zu 30 Jahren und maximal fünf Tilgungsfreijahren günstig. Für Top-Energiesparer gibt es als Tilgungszuschuss bis zu 27.500 Euro dazu.

Fachplanung notwendig

„Wer mit einer Förderung der KfW sanieren oder bauen möchte, muss einen Sachverständigen in das Vorhaben einbinden, der über nachgewiesene Erfahrungen und Qualifikationen im Bereich der energetischen Fachplanung und Baubegleitung verfügt und in der von der Deutschen Energie- Agentur (dena) geführten Datenbank unter www.energieeffizienz-experten.de gelistet ist“, erläutert KfW-Sprecherin Sybille Bauernfeind. Anspruchsberechtigte erhalten 50 Prozent oder höchstens 4.000 Euro der Kosten für die Fachplanung und Baubegleitung durch einen unabhängigen Experten.

Moderne Heiztechniken

Der Einbau eines Brennstoffzellen-Heizgeräts, etwa „Vitovalor 300-P“ von Viessmann, wird mit bis zu 11.100 Euro gefördert. Foto: epr/Viessmann

Aus dem Programm „Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle“ gibt es Geld für den Einbau von Brennstoffzellensystemen in neue und bestehende Wohngebäude. Die KfW spendiert bis zu 28.200 Euro Zuschuss. Die Förderung setzt sich zusammen aus einer Grundförderung von 5.700 Euro sowie einem leistungsabhängigen Betrag. Weil ein besonderes Anliegen der Regierung bei der Energiewende der Einsatz erneuerbarer Energien ist, stehen im KfW-Regal entsprechende Programme. Mit dem Förderkredit aus dem Programm „Erneuerbare Energien – Standard“ lassen sich Photovoltaikanlagen auf Dächern und an Fassaden sowie Batteriespeicher finanzieren. Mit dem Programm „Erneuerbare Energien – Speicher“ wiederum wird ausschließlich die Nutzung von stationären Batteriespeichersystemen in Verbindung mit Photovoltaikanlagen unterstützt. Für eine Sonnenfabrik auf dem Dach garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zudem für 20 Jahre festgelegte Vergütungssätze. Infos finden Sie im Netz unter www.solarwirtschaft.de oder unter www.bundesnetzagentur.de. Praxistipp: Die KfW aktualisiert regelmäßig ihre Programme. Welche Programm- und Finanzierungsdetails gelten, steht im entsprechenden Programmmerkblatt unter www.kfw.de.

Marktanreizprogramm

Im Überblick: Unter www.sonnigeheizung.de finden Sie die „Förderfibel“ des Bundesverbands der deutschen Heizungsindustrie (BDH), die laufend aktualisiert wird. Foto: djd/BDH

Wer seine Heizungsanlage auf erneuerbare Energien umstellen will, kombiniert am besten ein Darlehen aus dem KfW-Kreditprogramm „Energieeffizient Sanieren – Ergänzungskredit“ mit den Zuschüssen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) aus dem „Marktanreizprogramm (MAP)“. Gefördert werden Biomasseanlagen wie Pelletheizungen, solarthermische Anlagen und Wärmepumpen. So erhalten Hausbesitzer für die Nachrüstung einer Solarthermieanlage je nach Größe einen Zuschuss von mindestens 2.000 Euro. Für eine Solaranlage zur reinen Warmwasserbereitung gibt es zwischen 500 und 2.000 Euro. Auch die Erweiterung einer thermischen Solaranlage wird gefördert. Ein Pluspunkt: Seit dem Inkrafttreten des „Anreizprogramms Energieeffizienz (APEE)“ zum 1. Januar 2016 wird der Umstieg zu modernen Heizungen, die auf der Basis erneuerbarer Energien arbeiten, stärker gefördert. Diejenigen, die unter Inanspruchnahme des „MAP“ ihre ineffiziente Heizungsanlage austauschen oder solarthermisch modernisieren möchten, können eine zusätzliche Förderung erhalten, wenn sie zugleich das gesamte Heizungssystem (inklusive Heizkörper und Rohrleitungen) optimieren.

Ein Sonderfall ist die Innovationsförderung. Dabei handelt es sich um Zuschüsse für Anlagen, die besonders effizient arbeiten. Die Förderung kann auch in Anspruch genommen werden, wenn ein Neubau mit einer innovativen Heiztechnik ausgestattet wird. Achtung: Der Antrag auf Förderung muss gestellt werden, bevor die neue Heizung bestellt oder deren Installation in Auftrag gegeben wird. Einen Überblick über die förderfähigen Technologien sowie die Förderhöhe finden Sie im Internet unter www.erneuerbare-energien.de.

Gut beraten

Haus und Heizung müssen zueinanderpassen. Vor einer Sanierung empfiehlt sich deshalb eine Energieberatung. Foto: djd/Bauherren-Schutzbund

Egal ob eine Heizungserneuerung, eine komplette Sanierung oder der Einsatz erneuerbarer Energien geplant ist: „Eine Energieberatung ist für Hausbesitzer der erste Schritt, um eine Bestands immobilie in ein energiesparendes Effizienz haus zu verwandeln“, erklärt Christian Stolte, Be reichsleiter Energieeffiziente Gebäude der Deutschen Energie-Agentur (dena). Den Hauscheck vor Sanierungsbeginn für ein planvolles Vorgehen fördert das BAFA mit der „Vor-Ort- Beratung“: 60 Prozent der förderfähigen Beratungskosten werden bezuschusst. Der Förderhöchstbetrag für Ein- und Zweifamilienhäuser beträgt dabei 800 Euro. Für Wohngebäude mit drei und mehr Wohneinheiten gibt es bis zu 1.100 Euro. Zur Dokumentation der Beratungsleis tung kann seit dem 1. Juli 2017 anstatt des bisherigen Energieberatungsberichts ein individueller Sanierungsfahrplan eingereicht werden.

Fördergelder finden

Neben der KfW und dem BAFA bieten auch die Bundesländer – abhängig von ihrer Kassenlage – Geld für grüne Wände. Einen Überblick gibt es unter anderem unter www.baufoerderer.de. Es gilt dabei das Windhund-Verfahren: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ist der Fördertopf leer, gibt es kein Geld.  Energiesparer sollten auch beim lokalen Energieversorger und bei der Kommunalverwaltung anklopfen. Auch sie sind ab und an spendabel. Fördergelder gibt es etwa für den Einsatz innovativer Techniken – von der Wärmepumpe über Solar- und Erdwärmekollektoren bis hin zum eigenen Minikraftwerk im Keller, das gleichzeitig Wärme und Strom produziert. Einige Landesener gie agenturen, sie sind im Internet unter www.energieagenturen.de gelistet, informieren über die Förderlandschaft vor Ort.

Die Fördermittellandschaft ist mit ihren rund 5.000 Programmen für das Bauen, Modernisieren und Energiesparen von Bund, Ländern, Kommunen und regionalen Energieanbietern sehr unübersichtlich. Den Durchblick erschwert nicht zuletzt das rasante Änderungstempo: Mal variieren nur einzelne Konditionen, mal werden ganze Programme gestrichen oder auch durch neue ersetzt. Die wichtigste Grundregel lautet deshalb: Informieren Sie sich , welche Förderungen für Sie infrage kommen und welche Bedingungen daran geknüpft sind. Und: Die Förderung immer vor Beginn des Vorhabens beantragen. Prüfen Sie zudem, ob unterschiedliche Programme miteinander kombiniert werden dürfen.


Das könnte Sie auch noch interessieren: 

Reform des Bauvertragsrechts

BGH: Photovoltaik-Anlage nicht angemeldet – Fördergeld weg

Immer top informiert: Jetzt für den Newsletter anmelden