Große kleine Freiheit

Große kleine Freiheit
Möchte man das Tiny House als festen Wohnsitz nutzen, muss zuerst ein passendes Grundstück gefunden werden. Foto: obs/Baufi24 GmbH/©lowphoto/Fotolia"

Hand aufs Herz: Wie viele Quadratmeter benötigt man wirklich, um sich wohlzufühlen? Muss es immer das großzügige Einfamilienhaus sein, oder passt Ihr Leben auch in ein Minihaus?

Gehören Sie auch zu den Menschen, die Mitleid beschleicht, wenn sie an einem Wagenplatz vorbeigehen? Stellen Sie sich dann vor, wie beschwerlich es ist, ohne ausladende Einbauküche zu kochen? Wie trist der Alltag ohne die Sammlung an Vasen, Büchern oder Dekoartikeln sein muss? Oder blicken Sie eher mit ein wenig Neid auf die Bewohner, die ihr Leben auf das Wesentliche reduzieren können? Angesichts überfüllter Großstädte, Wohnungsknappheit, stetig steigender Mieten und überteuerter Grundstücke bzw. Immobilien suchen immer mehr Menschen nach alternativen Wohnformen. Aber man muss nicht gleich in einen Bauwagen ziehen. Denn mittlerweile gibt es einige Hersteller, die winzige Häuser – Tiny Houses – anbieten, denen es nicht an Komfort mangelt.

Freiheit auf engstem Raum

In den USA, wo sich diese minimalistische Wohnform bereits etabliert hat, sind Tiny Houses im Baugesetz definiert als Wohnstätten mit bis zu 400 square feet Grundfläche (umgerechnet ca. 37 m²). Meist sind diese auf Trailer aufgebaut, sodass sie problemlos ihren Standort wechseln können. In Deutschland gibt es dagegen keine feste Definition. In der Regel gilt hier ein Haus als winzig, wenn es nicht mehr als 50 m² Wohnfläche besitzt. Gebräuchlich sind auch Bezeichnungen wie „Mini-“, „Mikro-“ oder „Singlehäuser“. Die Vorteile der Minihäuser liegen auf der Hand: Sie benötigen nur wenig Platz, sind flexibler und umweltverträglicher als herkömmliche Einfamilienhäuser und punkten mit geringen Investitions- und Unterhaltskosten. Viele Minihäuser sind zudem so ausgestattet, dass die Bewohner autark leben könnten – mit Solarkollektoren für Wärme und Strom, Regenwasser-Auffanganlagen und Biotoiletten.

Auch einige der großen Fertighaushersteller haben inzwischen auf den Trend zum „Downsizing“ reagiert. Sie bieten flexible Wohnmodule, die bereits komplett ausgestattet per Tieflader kommen. Auf Wunsch lassen sich auch mehrere Module miteinander kombinieren.

Aus dem Drucker: Das amerikanische Start-up Icon möchte gemeinsam mit der Nonprofi t-Organisation New Story die Wohnungsknappheit mit Häusern aus einem speziellen 3-DDrucker bekämpfen. Der Bau dauert nur einen Tag. Die Kosten für ein Haus liegen bei 4.000 US-Dollar.

Der richtige Standort

Während es in den USA ganze Trailerparks mit mobilen Tiny Houses gibt, sind die Häuser auf Rädern in Deutschland eher unattraktiv. Das liegt zum einem am Straßenverkehrsrecht, das Richtlinien für Gewicht und Größe vorgibt. Zum anderen gelten sie als Wohnwagen und dürfen nicht dauerhaft als Wohnort genutzt werden. Weniger kompliziert sind feste Wohnmodule, die auf einem Punktfundament errichtet und an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen werden. Dafür ist jedoch eine Baugenehmigung erforderlich. Liegt ein Bebauungsplan für das Gebiet vor, müssen auch dessen Vorgaben eingehalten werden. Auf Nummer sicher gehen Bauinteressenten, die beim Bauamt eine kostenpflichtige Bauvoranfrage stellen. Sie erhalten dann Auskunft darüber, ob ein Minihaus auf dem gewünschten Grundstück eine Genehmigung erhalten würde.


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