Gut zu Füßen

Gut zu Füßen
Die relativ geringe Estrichmasse und die oberflächennahe Lage der Heizrohre führen bei „Bekotec-Therm“ von Schlüter-Systems zu einer schnellen Reaktion. Foto: Schlüter-Systems

Jeder zweite Bauherr entscheidet sich heute für eine Fußbodenheizung. Kein Wunder, sorgt sie doch für ein besonders angenehmes Raumklima.

Gut renoviert: Mit der „x-link“- Anschlussgarnitur von Kermi wird die Fußbodenheizung mit dem Heizkörper gekoppelt. Foto: Kermi/akz-o

Heute werden immer mehr Neubauten ausschließlich mithilfe regenerativer Energiequellen mit Wärme versorgt. Wärmepumpen nehmen dabei den größten Anteil ein. Besonders sparsam arbeiten sie bei sehr niedrigen Heizwassertemperaturen. Ein guter Partner sind daher Fußbodenheizungen, die aufgrund ihrer großen Abstrahlfläche mit niedrigen Vorlauftemperaturen von 30–35 °C auskommen. Letztere kann man aber auch mit einer thermischen Solaranlage oder einem modernen Gasbrennwertkessel kombinieren. Handelt es sich bei der Fußbodenheizung um eine Alleinheizung, können den der Brennwertkessel von vornherein mit niedrigen Vor- und Rücklauftemperaturen betreiben, was seine Effizienz erhöht. Wer nicht in jedem Raum eine Fußbodenheizung verlegen möchte – etwa im Fall einer Sanierung –, sollte dazu zwei Heizkreise einplanen.

Effiziente Wärmeversorgung

Fußbodenheizungen übertragen die Wärme durch Strahlung, die als besonders angenehm empfunden wird. Die Energie wird dabei erst beim Auftreffen auf feste Körper – das können auch Personen sein – wirksam. Positiver Effekt: Man empfindet die Raumluft als insgesamt wärmer und kann dadurch die Raumtemperatur um 1–2 °C herabsetzen. Bedenkt man, dass jedes Grad die Heizkosten um 6 Prozent senken kann, ergibt sich ein großes Sparpotenzial. Ein weiterer Vorteil: Es gibt eine gleichmäßige Wärmeverteilung und es entsteht keine Luftzirkulation mit Zugerscheinungen. Auch Staubaufwirbelungen enstehen nicht, was vor allem Allergiker entlastet. Fußbodenheizungen sind sehr pflegeleicht und brauchen im Gegensatz zu Heizkörper keine regelmäßige Reinigung. Zudem lassen sich die Möbel frei im Raum platzieren. Sehr effizient und komfortabel sind selbstregulierende Systeme: Steigt die Temperatur im Raum – etwa durch Sonneneinstrahlung –, dann reduzieren sie automatisch die Heizleistung. Kühlt sich der Raum wieder ab, erhöht sich dementsprechend die Wärmeabgabe wieder.

Nass- oder Trockensystem unter den Füßen?

Nasssystem: Unter dem Estrich

Durch den Zusatz eines Trocknungsbeschleunigers im Estrich kann mit Rapid-Floor schon nach elf Tagen der Boden verlegt werden. Foto: Rapid-Floor

Die Verlegung einer Fußbodenheizung kann auf zwei verschiedene Arten erfolgen: als Nass- oder als Trockensystem. Zum Einsatz kommen dabei sauerstoffdichte Kunststoffrohre, Verbundrohre aus Aluminium und Kunststoff oder Kupferrohre, die mit einer sehr hohen Wärmeleitfähigkeit punkten. Beim Nasssystem befindet sich die Fußbodenheizung unter einer Estrichschicht. Dafür wird zunächst auf der Rohbetondecke eine Hartschaumschicht mit einer Abdeckfolie zur Wärme- und Trittschalldämmung aufgebracht. Anschließend folgen die Heizrohre und deren Fixierung. Dafür gibt es spezielle Systemplatten mit Haltenoppen, vorgefrästen Nuten oder auch Kletthaltfolie. Zum Schluss verwendet man einen speziellen, flüssigen Heizestrich, um die Heizrohre abzudecken.

Durch den direkten Kontakt wird die Wärme optimal übertragen. Die Abbinde- und Aufheizzeit beträgt in der Regel zwischen 17 und 28 Tagen. Wichtig: Erst wenn die Belegreife erreicht ist, darf der Oberboden verlegt werden. Der Estrich fungiert nicht nur als Lastverteilschicht, sondern auch als Wärmespeicher. Er nimmt die Wärme der Fußbodenheizung auf und verteilt sie gleichmäßig im Raum. Durch seine hohe Masse gibt er auch dann noch Wärme ab, wenn die Heizung schon längst abgestellt ist. Hier wird auch der kleine Nachteil der Fußbodenheizung deutlich: ihre Trägheit durch die lange Anheiz- und Abkühlungsphase. Experten raten, die Heizung nur abzusenken und nicht komplett abzuschalten, wenn man beispielsweise in den Winterurlaub fährt.

Trocken verbaut

Die Basis der meisten Trockensysteme bildet eine Trägerplatte. Sie ist mit Aluminium-Wärmeleitlamellen bestückt, in denen die Heizrohre fixiert liegen. Auf einer Abdeckfolie verlegt man dann schwimmend Trockenestrichplatten. Solche Systeme haben zwei wesentliche Vorteile: Erstens kann man den Bodenbelag ohne Wartezeit aufbringen. Und zweitens besitzen sie eine schnellere Reaktionszeit als Nasssysteme. Allerdings sind sie auch teurer als diese.

Nachträglicher Einbau

Das Trockensystem von Joco erreicht eine Aufbauhöhe von 40 mm. Foto: epr/Joco

Möchte man eine Fußbodenheizung nachträglich einbauen, bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Zum einen kann man den Estrich komplett entfernen und den Boden mithilfe eines Nasssystems neu aufbauen. Da diese Arbeiten sehr aufwendig sind, empfehlen sie sich nur dann, wenn der Estrich stark beschädigt ist und sich nicht mehr ausbessern lässt. Zudem muss der Untergrund die Last tragen können, was bei alten Holzbalkendecken oft nicht der Fall ist. Einfacher einzubauen sind Trockensysteme, die mit einer niedrigen Aufbauhöhe punkten und sich schnell und sauber verlegen lassen. Dabei kommen entweder Dämmplatten oder Trockenbauplatten ohne Dämmung zum Einsatz.

Die „RenoHeat NRS“, speziell für die Nachrüstung entwickelt, punktet mit einer sehr schnellen Reaktionszeit. Die Verlegung erfolgt weitgehend staubfrei. Foto: epr/STBS Bausysteme

Speziell für die Sanierung gibt es auch Dünnschichtsysteme. Diese bringt man mit Folienelementen direkt auf den Altuntergrund – das können auch Fliesen sein – auf. Um den Boden zu begradigen, trägt man anschließend eine dünne Schicht Ausgleichsmasse auf. Die Aufbauhöhe beträgt hier nur 15 mm, wodurch sich der Boden schnell erwärmen kann. Eine dritte Möglichkeit ist das Einfräßen von Kanälen in den Boden, in die die Heizungsrohre kommen. Das geht dank moderner Fräßtechnik schnell und staubfrei vonstatten. Den Bodenbelag verlegt man dann direkt darüber – ganz ohne zusätzliche Aufbauhöhe. Der Estrich sollte aber mindestens 4 cm dick sein. Egal für welche Vorgehensweise Sie sich entscheiden: Achten Sie auf eine ausreichende Wärmedämmung des Hauses. Bei unzureichend gedämmten Gebäuden reicht die Leistung der Fußbodenheizung unter Umständen nicht aus, um eine behagliche Temperatur zu schaffen. Die Folge: Die Vorlauftemperatur muss erhöht werden, wodurch mehr Energie verbraucht wird.

Der richtige Belag

Eine gute Kombination: Keramische Fliesen leiten die Wärme schnell und nahezu verlustfrei an die Oberfläche. Foto: Deutsche Fliese/Ströher Living/akz-o

Prinzipiell lässt sich jeder Bodenbelag mit einer Fußbodenheizung kombinieren. Achten Sie bei der Auswahl auf eine entsprechende Kennzeichnung durch den Hersteller. Das gilt insbesondere für textile Bodenbeläge, die im Allgemeinen schlechte Wärmeleiter sind. Zugelassene Teppichböden und elastische Beläge wie Kork oder Linoleum erkennen Sie am Symbol, das eine Heizschlange und drei nach oben gerichtete Pfeile zeigt. Erste Wahl sind Fliesen- und Natursteinböden, die die Wärme gut weitergeben. Aber auch Parkett lässt sich mit einer Fußbodenheizung kombinieren. Eiche, Nussbaum und Bambus leiten dabei die Wärme am besten. Da sich Holz unter Wärmeeinwirkung ausdehnt, sollten Sie möglichst kleine Parkettstäbe wählen. Wichtig: Die Beläge müssen gut mit einem temperaturbeständigen Kleber verklebt sein, denn Luftschichten zwischen der Heizung und dem Boden wirken wie eine Dämmung. Auch das zusätzliche Auslegen der Räume mit Teppichen beeinflusst die Wärmeabgabe.

Elektrische Fußbodenheizung

Die flachen Heizmatten einer elektrischen Fußbodenheizung lassen sich schnell und einfach nachrüsten. Sie können auf fast jedem Untergrund verlegt werden. Foto: Wärme+/AEG

Möchte man nur einen Raum mit einer Flächenheizung ausstatten – etwa das Bad, die Küche oder auch den Wintergarten –, dann ist eventuell eine elektrisch betriebene Fußbodenheizung eine gute Lösung. Aber auch für ein Passiv- oder Niedrigenergiehaus ist sie eine interessante Alternative. Hier kann sie in Kombination mit einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung das gesamte Haus beheizen. Der Einbau ist einfach und kostengünstig, weshalb elektrische Modelle gern bei der Sanierung eingesetzt werden. Die Arbeiten können dabei durchaus auch in Eigenregie erfolgen, da es nur das Auslegen von Heizmatten bedarf. Elektrische Fußbodenheizungen punkten zudem mit einer schnellen Reaktionszeit. Einziger Nachteil: Sie benötigen Strom. Wird dieser allerdings von der eigenen Photovoltaikanlage geliefert, können sich die laufenden Kosten erheblich senken.


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