Tankstelle fürs E-Auto: Heimladestationen

Tankstelle fürs E-Auto: Heimladestationen
Die Ladestation „Keba Wallbox“ lässt sich mit einer Photovoltaikanlage koppeln und in das Smarthome integrieren. Foto: Keba

Wer parkt, der lädt – das gilt für Elektroautos auch in der heimischen Garage. Doch statt an einer herkömmlichen Steckdose sollte man das E-Auto lieber an einer speziellen Ladestation „auftanken“. Das ist komfortabler, schneller und vor allem sicherer. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Garage in eine Stromtankstelle verwandeln können.

Mithilfe einer App lässt sich die Wallbox „sonnenCharger“ nicht nur bequem steuern. Die App informiert auch über sämtliche Details des Ladevorgangs, immer überall abrufbar. Foto: sonnen

Der Physiker Richard Randoll hat ausgerechnet, dass im Jahr 2026 nahezu die komplette Weltproduktion an Neuwagen aus Elektroautos bestehen wird. Die Grundlage seiner Prognose: Seit 2011 hat sich die Anzahl der verkauften E-Autos alle 15 Monate verdoppelt. Selbst wenn sich Randolls Voraussage nicht bewahrheiten sollte, zeigen die aktuellen Zahlen, dass die E-Mobilität weiter im Kommen ist. Immer mehr Elektroautos drängen auf den Markt – nicht zuletzt auch aufgrund der Förder-Starthilfe vom Staat und weil die E-Autos durch größere Reichweiten immer alltagstauglicher werden.

Die meisten E-Fahrzeuge werden daheim geladen. Laut der Nationalen Plattform Elektromobilität NPE befinden sich 85 Prozent der Ladeinfrastruktur im privaten Bereich. Aus gutem Grund: Das Laden des Akkus eines Elektroautos dauert schließlich weit länger als der Tankvorgang bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, weshalb E-Autos vornehmlich immer dann mit Strom „betankt“ werden, wenn sie nicht benutzt werden – also nachts. Elektrowagenbesitzer tun demnach gut daran, sich am heimischen Stellplatz einen Ladepunkt zu installieren: in der Garage, im Carport oder auch auf dem Stellplatz in der Einfahrt.

Was bringen Heimladestationen?

Mit dem beim E-Auto mitgelieferten Kabel lässt sich die Batterie im Grunde an jeder herkömmlichen Steckdose laden. Diese Ladeart hat allerdings zwei große Nachteile: Zum einen dauert das Aufladen mit acht bis 14 Stunden sehr lange, zum anderen besteht die Gefahr einer Überlastung des Stromnetzes bis hin zum Kabelbrand. Denn normale Steckdosen sind nicht für solch eine Dauerbelastung ausgelegt. Mit einer Ladestation geht das Stromtanken hingegen wesentlich schneller, effizienter und vor allem sicherer vonstatten. Für Hauseigentümer mit einer hauseigenen Solarstromanlage auf dem Dach bietet die Installation einer Ladestation noch einen Vorteil. Wer die Photovoltaikanlage mit der Ladeeinrichtung koppelt, kann sein Elektroauto mit selbst erzeugtem Gratis-Sonnenstrom betanken.

Das Interesse an E-Autos beflügelt die Nachfrage nach Solaranlagen. Grafik: epr/www.solarwirtschaft.de

Passt alles zusammen?

Mit dem zunehmend größer werdenden Markt der Elektrofahrzeuge wird auch die Auswahl an Stromtankstellen immer breiter. Inzwischen bieten Fahrzeughersteller, Energieversorger und Drittfirmen eigene Modelle an. Unterschieden wird zwischen frei stehenden Ladesäulen und sogenannten Wallboxen, die an der Wand befestigt werden. Wichtig ist in erster Linie, dass das Steckersystem zum Elektroauto passt. Zwar wurde 2017 der Typ-2-Stecker – auch „Mennekes- Stecker“ genannt – als europäischer Standard festgelegt, bei asiatischen Fahrzeugherstellern ist aber auch der Typ-1-Stecker verbreitet. Die meisten Heimladestationen, die hierzulande angeboten werden, besitzen entweder ein Typ-2-Ladekabel oder einen Typ-2-Ladestecker. Beachten Sie: Fahrzeuge mit Typ-1-Buchse lassen sich über ein Mode-3-Ladekabel an Ladestationen mit einer Typ-2-Steckerbuchse anschließen. Ist in die Ladeeinrichtung jedoch ein Kabel mit Typ-2-Stecker integriert, gibt es keine Adaptermöglichkeit.

Beim Musterhaus „Falkenberg 150“ ist die Ladestation in den Carport integriert. Foto: Haas Fertigbau

Stromtankstellen fürs Zuhause unterscheiden sich auch in ihren Ladeleistungen. Die meisten bieten eine Ladeleistung von bis zu 22 kW an. Es gibt aber auch Wallboxen mit einer Ladeleistung von bis zu 3,7 kW. Die Grundregel lautet: Je mehr Ladeleistung, desto höher ist die Ladegeschwindigkeit. Aber auch in diesem Punkt ist es sinnvoll, sich am Elektroauto zu orientieren. Denn wenn das Ladegerät im Auto nur 3,7 kW Ladeleistung bietet, dann wird auch eine Wallbox mit 22 kW Ladeleistung die Batterie nur mit maximal 3,7 kW laden können. Zudem können manche Autos nur einphasig laden. Die Ladeleistungen werden aber für eine Ladung über alle drei Phasen angegeben. Bei einer Ladeleistung von 11 kW können bei einem einphasig zu ladenden E-Auto somit nur 3,7 kW fließen. Andererseits sollten Sie die Ladestation auch mit Blick in die Zukunft kaufen. Eine Ladeleistung von bis zu 22 kW hält diesbezüglich alle Optionen offen.

Entscheidung nach Bedarf

Die „innogy eBox“ mit einer Ladeleistung von 11 kW ist als Komplettpaket aus Ladebox plus Installationsservice ab 1739,95 Euro erhältlich. Foto: innogy

Schließlich sollten Sie vor dem Kauf von Heimladestationen auch prüfen, welche Zusatzfunktionen Sie benötigen. Möchten Sie beispielsweise eine Photovoltaikanlage anschließen, ist ein Energiemanager notwendig. Dieser vernetzt alle Stromerzeuger mit Stromverbrauchern und einem möglicherweise vorhandenen Stromspeicher. Durch intelligente Steuerung kann der Eigenverbrauchsanteil des selbst erzeugten Stroms optimiert werden. Wenn mehrere E-Autos parallel geladen werden sollen, muss ein smartes Lastmanagement eingebaut werden. Möchten Sie den Zugang zur Ladestation darüber hinaus nur einem bestimmten Personenkreis ermöglichen, ist ein Zugangsschutz sinnvoll. Möglich ist zum Beispiel eine Zugangsberechtigung über eine Gesichtserkennung. Zu manchen Heimladestationen gibt es eine App, die etwa über den Ladestand der Fahrzeugbatterie oder die geladene Strommenge anhand eines Stromzählers informiert. Bei einigen Modellen kaufen Sie mit dem Gerät auch gleich eine Fernwartung per Internet und automatische Softwareupdates mit.

Bauliche Bedingungen

Voraussetzung für die Installation einer Ladestation ist zunächst einmal ein Starkstromanschluss mit 400 Volt. Fast jeder Haushalt besitzt einen solchen Anschluss für den Elektroherd in der Küche. In der Garage ist ein Starkstromanschluss allerdings eher unüblich. In der Regel muss daher ein Elektriker für die Installation einer Ladestation erst eine entsprechende Leitung legen. Vor dem Kauf von Heimladestationen sollten Sie sich auch überlegen, wo diese platziert werden soll. Die Ladeeinrichtung sollte möglichst nah am Autostellplatz und dennoch gut erreichbar sein. Ebenso wichtig ist, dass das Kabel lang genug ist, um es bequem zum Wagen führen zu können. Eine Kabelaufhängung darf selbstverständlich auch nicht fehlen.

Tipps und Wissenswertes für Heimladestationen

Heimladestationen fachmännisch installieren lassen

Qualifizierte Elektroinstallateure übernehmen die Installation der Ladestation. Bei Webasto ist auch ein Vorabcheck möglich. Foto: Webasto

Bei einer Heimladestation fürs E-Auto ist eine fachgerechte Installation unerlässlich. Achten Sie daher darauf, dass ein qualifizierter und erfahrener Elektroinstallateur die Arbeiten ausführt. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie die Installation gleich mit dem Kauf der Ladestation in Auftrag geben. Die meisten Anbieter von Ladeeinrichtungen arbeiten mit Installationspartnern zusammen. Der Elektrofachmann sollte vorab prüfen, ob die Elektroinstallation im Haus – insbesondere bei älteren Gebäuden – überhaupt für die Dauerbelastung des E-Auto-Ladens geeignet ist. Falls nicht, kann er entsprechende Vorkehrungen treffen. Manche Anbieter haben dafür sogar einen speziellen Vor-Ort-Check durch ihren Elektropartner im Programm.

Die Installation einer Ladeeinrichtung muss am Ende noch dem Netzbetreiber gemeldet werden. Die Energieunternehmen bieten dafür Formulare zum Ausfüllen an, die zum Teil online heruntergeladen werden können. Mit der Meldung empfiehlt es sich ebenfalls, zu prüfen, ob Ihr Energieversorger spezielle Tarife für das private Laden von Elektroautos anbietet. Eventuell lohnt es sich auch, günstigeren Nachtstrom fürs Tanken zu nutzen.

Damit müssen Sie rechnen
Die frei stehenden Ladesäulen sind in der Anschaffung etwas teurer als Wallboxen, deren Preise zwischen 600 und 1.200 Euro liegen. Zu den Gerätekosten kommen noch die Installationskosten hinzu, sodass eine Heimladestation mit Kosten zwischen 1.000 Euro für eine einfache und 3.000 Euro für eine Luxusvariante zu Buche schlägt. Wenn Sie in Nordrhein-Westfalen leben, können Sie als privater Hausbesitzer auch eine Förderung für den Einbau einer Ladestation in Anspruch nehmen. NRW erstattet seinen Bürgern 50 Prozent der Anschaffungskosten in einer Höhe von bis zu 1.000 Euro pro Ladepunkt. (Stand: Sommer 2018)

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