Heizen: Mit Holz geht viel

Heizen: Mit Holz geht viel
Sehr effizient und sparsam: Bei einem Holzdauerbrandofen brennt das Feuer dank elektronischer Abbrandsteuerung mit nur einer Brennstoffauflage mehrere Stunden lang. Foto: Drooff Kaminöfen

Natürlich und klimaschonend heizen? Mit dem Brennstoff Holz eröffnen sich da erstaunlich viele Möglichkeiten, auch bei Modernisierungen. Neben Scheitholz stehen Holzpellets zur Verfügung, mit denen sich eine Zentralheizung auch vollautomatisch betreiben lässt. Und Kamine und Kachelöfen bringen neben Wärme auch Gemütlichkeit ins Haus.

Klimaschutz ist in aller Munde, gilt es doch, unseren Planeten vor Überhitzung zu bewahren. Erneuerbare Energien tragen dazu bei, darunter auch der nachwachsende Rohstoff Holz. Zwar entstehen auch bei der Verbrennung von Holz Kohlendioxid und Wasser, doch wird bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid frei, wie während der Wachstumsphase aus der Atmosphäre gebunden wurde. Allerdings: Holz verbrennt nicht vollständig kohlendioxidneutral, da für die Gewinnung und Weiterverarbeitung des Rohstoffs eine gewisse, wenn auch geringe Menge an fossilen Energien nötig ist.

Holzzentralheizungen

Dieser Scheitholz-Vergaserkessel eignet sich gut für den bivalenten Betrieb mit einem Öl- oder Gasbrennwertkessel. Foto: Viessmann

Die Verbrennung von Scheitholz ist heute vergleichsweise komfortabel. Die Kessel müssen zwar manuell beschickt werden, doch moderne Kesselkonstruktionen ermöglichen Nachfüllintervalle von drei bis fünf Stunden. Verbreitet sind heute Holzvergaserkessel mit unterem oder unterem seitlichem Abbrand. Sie reduzieren den Schadstoffausstoß, erleichtern die Regelung der Heizlast und erreichen Kesselwirkungsgrade von 90 Prozent. Manche Kessel können auch auf Pelletbetrieb umgestellt werden. Scheitholzkessel muss man mit Pufferspeichern kombinieren, um Wärmeüberschüsse speichern zu können. Der Pufferspeicher kann man auch zu einer Solaranlage einbinden.

Pelletkaminöfen lassen sich von einem Vorratsbehälter in der Feuerstätte automatisch beschicken. Die Pellets werden dann elektrisch im Brennraum des Ofens gezündet. Foto: HKI

Im Gegensatz zu Scheitholzkesseln können Pelletkessel automatisch beschickt und elektrisch gezündet werden und erreichen so den Bedienkomfort von Gas- und Ölheizungen. Holzpellets sind kleine zylindrische Presslinge aus getrocknetem, naturbelassenem Holz (Sägemehl, Hobelspäne, Waldrestholz) mit einem Durchmesser von vier bis zehn Millimetern und einer Länge von 20 bis 50 Millimetern. Sie lassen sich mit Silotankwägen einfach anliefern und sie verbrennen aufgrund ihrer geringen Restfeuchte wesentlich emissionsärmer. Vollautomatisch arbeitende Pelletkessel werden aus einem speziellen Lagerraum mit einer Förderschnecke oder einem Saugfördersystem beschickt. Kombikessel ermöglichen wahlweise die Heizung auch mit Stückholz. Pelletbrennwertkessel können auch den größten Teil der in den Abgasen vorhandenen Wärme nutzen und damit die Energieausbeute um rund 10 Prozent steigern. Sinnvoll ist auch hier eine Kombination mit Sonnenkollektoren. Nötig ist dazu ein spezieller Solarspeicher für Warm- oder Heizwasser. Falls nicht genügend Sonnenwärme zur Verfügung steht, schaltet sich der Pelletkessel zu – eine ideale Kombination zweier regenerativer Energiesysteme.

Kaminöfen

Entspannt ungemein: Die keramischen Kacheln eines klassischen Kachelofens geben die Wärme gleichmäßig über viele Stunden langsam ab. Foto: AdK/www.kachelofenwelt.de/Gutbrod

Das romantische Prasseln des Feuers ist beliebt: Über 11 Millionen Kamin- und Kachelöfen sind in Deutschland in Betrieb, in den meisten Fällen als Zusatzheizung. In der Übergangszeit decken sie den Wärmebedarf komplett, in der kälteren Jahreszeit tragen sie zur Gesamtwärmeversorgung des Gebäudes bei. Kaminöfen können mit Scheitholz oder Pellets befeuert werden. Spezielle Pelletöfen lassen sich auch automatisch zünden und, kombiniert mit verschiedenen Vorratsspeichern, auch halbautomatisch betreiben. Es gibt auch „Kombis“, die abwechselnd Scheitholz oder Pellets verwenden. Der Wirkungsgrad ist in der Regel kleiner als bei Zentralheizungen und beträgt meist bis zu 70 Prozent. Die Heizleistung von Pelletöfen kann man per Hand einstellen oder über Thermostat regeln, ebenso gibt es digital-elektronische Steuerungsmöglichkeiten.

Kachelöfen

Dank eines speziellen Speichersteins an der Ofenverkleidung strahlt dieser Kaminofen auch noch angenehme Wärme ab, wenn das Feuer längst erloschen ist. Foto: Rika

Beliebt als Zusatzheizungen sind auch Kachelöfen. Der Grundofen ist ein massiver Ofen, der Strahlungswärme nur über seine Oberfläche abgibt. Der Warmluftkachelofen hingegen gibt den größten Teil seiner Wärme über Lüftungsklappen an den Raum ab. Räume können so sehr viel schneller aufgeheizt werden, auch daneben und darüber liegende Räume lassen sich mitheizen. Kachelöfen werden meist mit Scheitholz beheizt. Es gibt aber auch dafür Pelleteinsätze. Wenig energieeffizient sind dagegen offene Kamine, die keine Tür und keine Verglasung besitzen. Sie haben meist nur einen geringen Wirkungsgrad von 20 bis 30 Prozent.

Immer weitere Verbreitung finden Kamin- und Kachelöfen mit Wassertasche. Ein Teil der Wärme kann über einen Wärmetauscher an einen Wasserkreislauf übertragen und in einen Warmwasser- oder Heizwasserspeicher eingespeist werden und so die Gebäudeheizung unterstützen. Eine Kombination von Wasser führenden Öfen mit anderen Wärmeerzeugern ist möglich. Ist der Wärmebedarf eines Gebäudes nur sehr gering, zum Beispiel bei Niedrigenergie- oder Passivhäusern, kann ein solcher Ofen alleine die gesamte Wärmeversorgung eines Gebäudes übernehmen. Idealerweise kombiniert man auch ihn mit Sonnenkollektoren.

Schadstoffe reduzieren

Über Schläuche ist das Pelletzentralheizgerät mit dem Lagerraum verbunden. Von dort werden die Pellets automatisch nachgeholt, die Brennstoffzufuhr erfolgt hier von oben. Foto: Viessmann

Bei der Verbrennung von Holz entstehen auch Schadstoffe wie Feinstaub oder bestimmte Kohlenwasserstoffe. Je trockener das Holz ist, desto geringer ist die Schadstoffbelastung. Vor allem ältere Kessel und Öfen tragen zu hoher Schadstoffbelastung bei. Sie müssen nach genau festgelegten Fristen ausgetauscht oder mit Filtern nachgerüstet werden. Die Überwachung von alten Anlagen erfolgt durch den Schornsteinfegermeister bzw. den Kaminkehrer. Die vielfältigen Bestimmungen sind für den Laien oft schwer durchschaubar. Auf der sicheren Seite ist, wer sich bereits vor der Entscheidung für eine Holzheizung an die Empfehlung von Peter Kastenmayer hält, der technischer Berater des Landesinnungsverbands des Kaminkehrerhandwerks Bayern ist. Er rät, sich bei allen Fragen rund um Holzfeuerungen an den Kaminkehrer zu wenden. „Er kennt die baurechtlichen und unter Umständen regionalen Vorschriften, prüft die Bestimmungen der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung des vorhandenen Schornsteins und kennt viele gute Tipps, wenn es um die Erneuerung oder Nachrüstung geht“, so Peter Kastenmayer.

Wirtschaftlich?

Nicht ganz einfach zu beantworten ist die Frage, ob oder unter welchen Bedingungen eine Zentralheizung auf Holzbasis wirtschaftlich ist. Voraussetzung ist, dass genügend Lagerflächen für Scheitholz bzw. trockene Räume für Pellets zur Verfügung stehen. Zentrale Pellet- oder Scheitholzkessel sind in der Anschaffung spürbar teurer als zum Beispiel Gas- oder Ölkessel. Dagegen zeigt der Vergleich der Brennstoffkosten der letzten zehn Jahre: Scheitholz war immer spürbar günstiger als Erdgas und fast immer günstiger als Heizöl, Pellets waren sogar meist günstiger als Scheitholz und deutlich günstiger als die fossilen Brennstoffe.

In vielen Fällen erfüllt das Heizen mit Holz zudem gleichzeitig die Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes. Danach muss bei Neubauten ein bestimmter Teil der Wärme aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt sein. Holz als Hauptbrennstoff wirkt sich außerdem positiv auf die Berechnungen nach der Energieeinsparverordnung aus. Vor allem für Anlagen, die ein ganzes Haus mit Wärme versorgen, gibt es oft staatliche oder auch kommunale Förderungen – sowohl beim Neubau als auch bei Modernisierungen. Eine komfortable Suchmöglichkeit für Fördergelder bietet die Internetadresse www.energiefoerderung.info. Alles in allem wird das Heizen mit Holz so zu einer interessanten Alternative.

Interessante Entwicklung: Die Preise für Holzpellets und Hackschnitzel blieben in den letzten zehn Jahren relativ konstant und lagen deutlich unter den Öl- und Gaspreisen. Grafik: C.A.R.M.E.N.


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