Leserfragen zu Heizungsanlage, Holzbau und Erscheinungsbild

Leserfragen zu Heizungsanlage, Holzbau und Erscheinungsbild
Foto: Bernd Kasper/pixelio.de

Beim Bau oder bei der Modernisierung eines Hauses ist der Rat eines Fachmanns meist unerlässlich – ob es nun um die Planung der Finanzierungsstrategie oder um die Auswahl der passenden Baustoffe geht. Wir bieten Ihnen die Gelegenheit, uns Ihre Fragen zu stellen.

Leserfrage zur Heizungsanlage

„Wir suchen gerade ein Grundstück für unser künftiges Einfamilienhaus und kümmern uns selbst gern um alles. Uns liegen schon genaue Informationen im Hinblick auf die Heizungsanlage vor, die wir direkt von einem sehr bekannten Hersteller erhalten haben. Da uns die Beratung in jeder Hinsicht überzeugt hat, wollen wir diese Informationen in die Planung integrieren. Würden Sie hier auch so vorgehen?“ Manuela S., Trier

Die Festlegung einer detaillierten Heizungsanlage sollte in jedem Fall erst nach einer gut durchdachten Planung durch einen unabhängigen Experten für energieeffizientes Bauen erfolgen. Ob es sich um einen Alt- oder Neubau handelt: Er schlägt Ihnen die Möglichkeiten aus neutraler Sicht unter Beachtung der Gebäudeparameter vor, sodass die Anlage nicht losgelöst von der Gebäudehülle betrachtet wird. Vielmehr gilt sie hier als ein Baustein unter vielen baulich konstruktiven Details. Erst die Abstimmung aller erforderlichen Komponenten ergibt die notwendige Leistung, damit die Anlagentechnik optimal dimensioniert werden kann. Ansonsten wählen Sie eine für Ihr Gebäude unwirtschaftliche Lösung aus, die am Ende keine optimale Energieersparnis erzielt, da sie falsch dimensioniert ist. Die sehr gute Fachberatung seitens des Herstellers ersetzt in keinem Fall ein Gebäudeenergiekonzept. Erst wenn dieses vorliegt, sollten Sie produktbezogene Fachberatungen seitens der Hersteller einholen und dann Ihre Entscheidung über die Heizungsanlage treffen.

Leserfrage zum Holzbau

Holzhäuser sind nicht nur im Süden Deutschlands sehr beliebt. Auch in den nördlicheren Gegenden wird mittlerweile gern mit dem Naturstoff gebaut, wie dieses Objekt von Fullwood Wohnblockhaus beweist. Insbesondere, da Holz sehr wohngesund und ökologisch ist. Foto: Fullwood Wohnblockhaus

„Den letzten Urlaub haben wir in einem schönen Holzbau in Süddeutschland verbracht. Ist diese Bauweise eigentlich überall in Deutschland denkbar? Warum findet man diese Bauweise nur im Süden derart frequentiert?“ Bernd L., Meppen

Die Baukultur, regionale Baustoffvorkommen und baurechtliche Hemmnisse, hier speziell der Brandschutz, beeinflussen unsere Architektur wesentlich. Mittlerweile ist ein Umdenken spürbar, und man entdeckt Holz im Hochbau wieder neu. Die aktuelle Klimadebatte beflügelt seinen Vormarsch. Gerade aus der Sicht des primärenergetischen Aspekts gilt Holz als nachhaltiger Baustoff. Für die Gewinnung, Bearbeitung und den Einbau von Holz wird weniger Energie benötigt als bei Baustoffen wie Aluminium oder Stahl. Der Hürdenabbau in der Gesetzgebung ermöglicht mittlerweile sogar den mehrgeschossigen Holzbau unter der Beachtung eines dafür erforderlichen Brandschutzkonzepts. So werden wir künftig immer häufiger auch Gebäude in Holzbauweise im innerstädtischen Raum antreffen, denn ressourcensparendes Bauen betrifft sowohl die Immobilien des privaten Wohnungsbaus als auch die der öffentlichen Hand. Dass es sich mit Holz sehr gut bauen lässt, zeigen die schönsten Beispiele aus dem Ingenieurholzbau in Österreich seit Ende des 19. Jahrhunderts. In den skandinavischen Ländern ist der Holzbau seit Langem Bestandteil der Architektur, selbst im Hinblick auf mehrgeschossige Gebäude.

Leserfragen zum Erscheinungsbild

„Endlich konnten wir in unser neues Eigenheim einziehen. Von Beginn an war uns klar, dass wir bauliche Veränderungen (zum Beispiel Eingangsumbau, Garage …) durchführen möchten. Da wir ja nun Eigentümer dieses Grundstücks sind, steht doch diesen Veränderungen nichts entgegen, oder?“ Holger R., Weinheim

Jede bauliche Veränderung unterliegt den gesetzlichen Bestimmungen, obwohl Sie rechtmäßiger Eigentümer Ihres Grundstücks sind. Die Gründe liegen hier in einer ausreichenden Belichtung, der Belüftung, im Brandschutz und nicht zuletzt in der Sicherstellung des nötigen Sozialabstands zwischen benachbarten Gebäuden. Von der Baubehörde werden diese Auflagen durch die Einhaltung der Abstandsflächen gesichert. Werden diese überschritten, kann eine Planung von der Bauaufsicht versagt werden. Im Fall einer bereits errichteten baulichen Veränderung ohne vorliegende Baugenehmigung kann dies bis zum Abriss führen und mit einer zusätzlich verhängten Geldstrafe geahndet werden.
Unter anderem sind hier die jeweilige Bauordnung und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) zu berücksichtigen. Es können aber auch Eintragungen aus Baulasten vorliegen, die es zu beachten gilt und möglicherweise eine bauliche Veränderung unmöglich machen. Darunter fallen auch eventuelle Belange Ihres Nachbarn. In jedem Fall ist eine genaue Prüfung der für Sie geltenden Bedingungen dringend im Vorfeld zu empfehlen, damit Sie Ihren Traum auch realisieren können.

Leserfragen-Beton

Häuser aus Beton punkten mit ihrem modernen Erscheinungsbild. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Baubehörde, was erlaubt ist. Foto: epr/BetonBild

„Im Rahmen der für uns infrage kommenden Neubausiedlung, in der vorrangig Putzfassaden das Bild dominieren, wünschen wir uns ein außergewöhnliches Haus seitens der Fassade. Wir denken hier an ein Gebäude aus Sichtbeton. Ist das möglich?“ Walter K., Wesseling

Wollen Sie als Bauherr innerhalb eines Baugebiets, welches – wie in diesem Fall – nur Putzfassaden ausweist, eine Fassade aus Sichtbeton errichten, besteht für Sie die Möglichkeit, bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf Prüfung inklusive plausibler Erklärung zu stellen. Wie die Entscheidung ausfällt, ist vom jeweiligen Entscheidungsträger abhängig. Sie kann vom Rat der Stadt gefällt werden oder aber auch von Planungsleitern mit entsprechender Kompetenz. Dies ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Immer wieder steht die Frage im Raum, weshalb man nicht bauen darf, wie man möchte. Dies hat folgenden Grund: Die Gestaltung und Bauweise baulicher Anlagen wird im übergeordneten Sinne im Bauordnungsrecht erfasst, wobei bauliche Anlagen nach Form, Maßstab, Verhältnis der Baumassen und Bauteile aufeinander abzustimmen sind. Bauliche Anlagen sollen mithilfe verwendeter Werkstoffe und Fassadenfarben eine harmonische Umgebung erzielen und sich in das Landschaftsbild einfügen. Zum Schutz und zur Erhaltung des individuellen Charakters von Ortskernen einer jeweiligen Region greifen Städte auf kommunales Recht zurück. Dies erlaubt die Landesbauordnung, denn sie ermöglicht der Kommune, ihre eigene Gestaltungssatzung anzuwenden.

Unsere Expertin

Heike Egeling ist nicht nur diplomierte Architektin, sondern auch bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) als Energieeffizienz-Expertin gelistet. Mit Ihrem Unternehmen Egeling Bauberatung übernimmt sie vielfältige Aufgaben – von der Planung und Realisierung von KfW-Effizienzhäusern über die Erstellung von Baugutachten bis hin zur Gebäudehüllenanalyse bei Immobilienkauf und -verkauf.
Mehr Informationen finden Sie im Internet unter egeling-bauberatung.de

Hier handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag. Diese Informationen werden stets ohne Besichtigung der Immobilie und/oder ohne Einsicht in jedwede Unterlagen erstellt. Sie sind deshalb weder gerichtsverwertbar noch gelten diese als gutachterliche Stellungnahme. Ein Rechtsanspruch auf Vollständigkeit besteht nicht. Vielmehr stellt der Beitrag eine allgemeine Information dar.


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