Lüftungsheizung im Fertigbau

Lüftungsheizung im Fertigbau
Foto: WeberHaus

Viele Fertighaushersteller werben mit eigenen Lüftungsheizungssystemen. Von „Wohnfühlwärme“, „Klima-Heizung“ oder „Frischluftheizung“ ist da die Rede. Was verbirgt sich genau hinter den verschiedenen Konzepten?

Stimmen die Voraussetzungen, dann kann heutzutage eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung in Kombination mit einer Kleinwärmepumpe als alleiniges Heiz- und Lüftungssystem eingebaut werden. Daher werben viele große Fertighaushersteller in Deutschland mit solchen Systemen der Lüftungsheizung. Diese tragen dann gerne spezielle Technikkonzept-Bezeichnungen, inklusive des eigenen Unternehmensnamens oder einer eigens erdachten Wortkreation. So gibt es unter anderem die „Rensch Haus Frischluft Wärmetechnik“, die „Wohlfühl-Klima-Heizung Plus“ von Bien-Zenker, die „Wohnfühlwärme-Technik“ von WeberHaus und die „Schwörer Frischluftheizung“. Doch was genau versteckt sich dahinter?

Die „Frischluftheizung“

Foto: SchwörerHaus

Das Herzstück der Anlage: Der Wärmetauscher. Die Filter in der Anlage wechseln die Bewohner einfach selbst. Foto: SchwörerHaus

Der Fertighaushersteller SchwörerHaus aus dem schwäbischen Oberkochen nimmt hierbei eine Sonderstellung ein. Denn das Thema kontrollierte Wohnraumlüftung hat bei ihm Tradition. Bis heute plant und baut das Unternehmen unter dem Namen „BauInfoCenter (BIC)“ die Lüftungssysteme, die sich in Schwörer-Häusern befinden, selbst. Die aktuelle „Schwörer Frischluftheizung“ ist das Resultat aus den immer besser gedämmten Gebäudehüllen und dem damit einhergehenden geringen Wärmebedarf. Die Frischluftheizung besteht aus einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die um eine Kleinwärmepumpe ergänzt ist. Zusätzlich befinden sich keramische PTC-Elemente in den Lüftungsauslässen bzw. im Ventil unterhalb des Lüftungsrohrs. Damit lassen sich Zimmer nun auch einzeln bedarfsgerecht heizen, sprich, es kann modulierend geheizt werden.

Foto: BIC

Das Hausbauunternehmen SchwörerHaus entwickelt, produziert und vertreibt seine Lüftungsgeräte selbst. Foto: BIC

Die kontrollierte Lüftung sorgt also dank der Wärmerückgewinnung und der zusätzlichen Luft-Luft-Kleinwärmepumpe, die die Luft noch weiter anwärmt, für eine Grundtemperatur in den Räumen. Punktuell und kurzfristig lassen sich dann aber dank der PTC-Elemente einzelne Zimmer stärker aufheizen (beispielsweise Bad oder Wohnzimmer). Im Sommer kann auf reine Frischluftzufuhr umgestellt werden. Dank der Kleinwärmepumpe lässt sich an sehr heißen Tagen die Luft auch kühlen. Die Warmwasserbereitung übernimmt eine separate Trinkwasserwärmepumpe. Bedient wird die Anlage via Touchdisplay. Sie lässt sich auch automatisch steuern, zum Beispiel abhängig vom CO2-Gehalt in der Raumluft oder der Luftfeuchte. Selbstverständlich lassen sich auch Zeitfenster einprogrammieren.

Viele Hersteller, ein System

Wer sich bei den Fertighausherstellern Rensch-Haus, WeberHaus und Bien-Zenker Informationsmaterial zu ihren speziellen Lüftungs-Heizsystemen einholt, entdeckt: Alle diese Firmen arbeiten mit dem gleichen Lüftungsgerätehersteller zusammen. Sprich bei jedem dieser Haushersteller ist das Kernelement der Lüftungs- und Heiztechnik ein „Proxon“-Gerät des

Foto: WeberHaus

Das zentrale Lüftungsgerät „Proxon“ ist das Herzstück der Lüftungsheizungen vieler Fertighaushersteller in Deutschland. Foto: WeberHaus

Unternehmens Zimmermann Lüftungs- und Wärmesysteme. Auch hier ist das Hauptelement die zentrale kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, ergänzt um eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Je nach Wunsch lassen sich ebenfalls in die Zuluft- Wandauslässe integrierte Wärmeelemente einbauen, zum punktuellen Nachheizen der Zimmer. Ergänzend benötigt man eine Trinkwasserwärmepumpe, die auch eine Fußbodenheizung in maximal zwei Räumen bedienen kann (insgesamt maximal 20 m² Bodenfläche). Die Anlagen sind zudem auf einen „Ofenbetrieb“ ausgelegt, das heißt, dass ein Kaminofen als Zusatzheizung in das System eingebunden werden kann. Die Ofenwärme lässt sich dann auch in andere Räume als den Aufstellort des Ofens im Haus leiten. Dafür sind keine Wassertaschen oder Ähnliches nötig. Die Technik lässt sich zentral über ein Panel modern steuern, auch hier können verschiedene Parameter zur Regulierung vorgegeben werden. Es lassen sich Wohnzonen einteilen, optional kann eine CO2– oder passive Feuchteregelung integriert sein.

Die Voraussetzungen müssen stimmen

Foto: SchwörerHaus

Eine Lüftungsheizung verspricht Wohnkomfort auf höchster Ebene. Foto: SchwörerHaus

Klar ist, dass es sich bei all diesen kombinierten Lüftungs-Heizsystemen de facto um eine stromgeführte Direktheizung handelt. Allerdings wird durch bauliche Maßnahmen wie die optimale Ausrichtung des Gebäudes am Sonnenverlauf und auch die Grundrissgestaltung der Energiebedarf des Baukörpers zugleich extrem niedrig gehalten. Nur unter diesen Voraussetzungen macht dieses System Sinn. Problematisch kann es bei Hausentwürfen mit Wohnflächen über 150 m², sehr großen Bädern oder großen, offenen Galerien werden. In solchen Fällen muss im Einzelfall geprüft werden, ob eine Lüftungsheizung in der Lage ist, die Wohnräume wie gewünscht zu erwärmen. Eventuell lassen sich die Systeme dann auch mit Kaminöfen mit Wärmetaschen ergänzen oder es muss in einzelnen Räumen mit zusätzlichen Infrarotstrahlern gearbeitet werden. Allerdings sollte man immer darauf achten, dass das System wirtschaftlich bleibt. Die optimale Ergänzung zu solch einer Lüftungsheizung ist natürlich immer eine Photovoltaikanlage plus Speichermodul. Mit dieser Kombination sind Sie einen großen Schritt voraus in Richtung unabhängige Energieversorgung.


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