Lüftungssysteme zum Nachrüsten

Lüftungssysteme zum Nachrüsten
Foto: Junkers Bosch

Lüften im Altbau? Ein unsaniertes Gebäude übernimmt diese Prozedur in der Regel selbst, findet doch genug Luftaustausch durch die relativ undichte Außenhülle statt. Aber ist das Haus erst saniert, muss eine kontinuierliche Lüftung garantiert sein, sonst drohen Schimmel und Bauwerksschäden.

Lüftungssysteme, insbesondere die kontrollierte Wohnraumlüftung ist ein Kind unserer Zeit. Wirklich nötig wurde sie vor allem dadurch, dass in den letzten Jahrzehnten Wohngebäude hier bei uns immer besser und dichter gedämmt sind. Und in solchen Häusern, in denen durch die Außenhaut des Baukörpers kaum mehr ein automatischer Luftaustausch stattfindet, muss die Lüftung anderweitig gewährleistet sein. Denn obwohl man vermeiden möchte, dass wertvoll aufgeheizte Luft aus dem Wohnraum durch undichte Wände, Fenster oder Türen wieder nach draußen entweicht, so brauchen die Bewohner im Haus doch auch kontinuierlich frische Luft.

Durch viele Tätigkeiten und schon allein durch unsere Anwesenheit entsteht im Wohnraum Wasserdampf. Dadurch erhöht sich auch die Luftfeuchtigkeit im Haus. Grafik: www.co2online.de

Darum das Fenster permanent in Kippstellung zu belassen, ist energetisch gesehen keine gute Idee. Denn dadurch kühlt der Wohnraum nur extrem aus, und Sie heizen quasi zum Fenster hinaus. Und tagsüber, wenn die Bewohner in der Arbeit und der Schule sind, müssen sowieso alle Fenster geschlossen bleiben – schon aus Gründen des Einbruchschutzes. Kontrollierte Lüftungsanlagen sorgen hier komfortabel für einen automatischen Luftaustausch und verbessern durch eine Wärmerückgewinnungsfunktion die energetische Bilanz.

Warum Lüftungssysteme nachrüsten?

Ein dezentrales Lüftungsgerät: links oben im Bild die Außenblende mit Kondensatablauf, in der Mitte die Lüftereinheit und rechts unten die schallgedämmte Innenblende. Grafik: Vallox

Ältere Gebäude verfügen in der Regel noch nicht über eine extrem dichte Außenhülle. Doch durch die Energieeinsparverordnung und die zinsverbilligten Kredite der KfW bzw. Zuschüsse für Sanierungsmaßnahmen ist in den letzten Jahren die Zahl der Häuser, die energetisch saniert wurden, extrem gestiegen. Eine energetische Sanierung fußt auf mindestens zwei Punkten: einer besser gedämmten Gebäudehülle und einer optimierten Heizungsanlage. Um Wärmeverluste zu vermeiden, werden in der Regel alte Fenster und Haustüren ausgetauscht sowie Fassade und Dach besser gedämmt, schließlich will man ja Energieverluste vermeiden. In der Folge entweicht weniger Wärme aus dem Haus, und die neue Heizungsanlage kann auf eine geringere Heizlast ausgelegt werden. Was bleibt, ist der fehlende Luftaustausch.

Im Neubau kommen hier Lüftungssysteme zum Einsatz, die eine zentrale Lüftungseinheit besitzen. Diese ist mit Luftkanälen verbunden, die sich durch das gesamte Gebäude ziehen und verbrauchte Luft ab – transportieren. Frischluft strömt über Zuleitungen ein. Aber bei einem Altbau ist die Installation einer solchen Anlage sehr teuer und aufwendig, also in der Praxis keine echte Option. Müsste man doch ein Luftkanalsystem durch das Haus ziehen, womit viele Wände zur Baustelle würden.

Lüftungskonzept ist Pflicht

Das dezentrale Lüftungsgerät fügt sich sehr dezent in den Raum ein (an der Wand über der Kommode). Die Nachrüstung solch eines Geräts ist relativ unkompliziert. Foto: djd/Zehnder

Fakt ist: Mittlerweile sind Sanierer dazu verpflichtet, ein Lüftungskonzept vorzulegen. „Im Altbau muss ein Lüftungscheck er folgen, wenn bei Mehr- oder Einfamilienhäusern mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht wird oder bei Einfamilienhäusern, wenn mehr als ein Drittel des Dachstuhls abgedichtet wird. In all diesen Fällen muss der Fachmann überprüfen, ob eine lüftungstechnische Maßnahme, also zum Beispiel der Einbau einer Lüftungsanlage, durchgeführt werden muss“, erklärt Claus Händel vom Fachverband Gebäude-Klima (FGK).

Welche Möglichkeit bleibt dann? Zum Nachrüsten sind dezentrale Lüftungsgeräte ideal. Sie lassen sich relativ einfach an der Außenwand montieren. Sie belüften im Normalfall nur einen Raum und können so punktuell eingesetzt werden – in den Zimmern, wo eine kontrollierte Wohnraumlüftung am nötigsten ist, wie beispielsweise in Küche, Bad oder Schlafräumen. Je nach baulichen Gegebenheiten können manchmal auch zwei Räume mit nur einem Gerät be- und entlüftet werden, eine entsprechende Zuluftöffnung vorausgesetzt. Grundsätzlich kann man unterscheiden zwischen Zuluftgeräten, Abluftgeräten und einer Kombination aus beidem.

Lüftungssysteme als Einwegmodell

Ein reines Zuluft-Lüftungsgerät bringt ventilatorgestützt kalte Zuluft in den entsprechenden Raum. Allerdings lässt sich die so zugeführte Luft mittels eines vorgeschalteten Solarluftkollektors oder eines Erdreichwärmeüberträgers in gewissem Rahmen auch vorwärmen. Die Abluft strömt bei diesem System über die Leckagen in der Gebäudehülle oder über extra angelegte Außenluftdurchlässe (ALS) ins Freie. Andernfalls würde ein Unterdruck entstehen. ALS sind in Außenwände, bei Fenstern oder in Rollladenkästen eingebaute Bauteile, die die Außenluft so einströmen lassen, dass die damit verbundenen Nachteile (Zugluft, Lärm) so weit wie möglich vermieden werden. Wärmerückgewinnung ist hier nicht möglich, sodass die Heizkosten relativ hoch ausfallen. Sie heizen mehr oder weniger nach draußen. Aus energetischer Sicht also nicht empfehlenswert.

Lüftungssysteme kaum erkennbar im Schlafzimmer

Dezentrale Lüftungsgeräte können Sie problemlos selbst reinigen. Filter sollten mehrmals pro Jahr, der Wärmespeicher sollte einmal pro Jahr gesäubert werden. (Hier: an der Wand neben dem Fenster.) Foto: djd/inVENTer

Reine Abluftsysteme kennt man beispielsweise aus kleinen Bädern oder WCs, die über kein Fenster verfügen. Das Gerät transportiert die Abluft ventilatorgestützt nach draußen. Kalte Zuluft strömt als gefilterte Außenluft über Außenluftdurchlässe in die Zimmer. Zentrale Abluftsysteme lassen sich zum Teil auch relativ gut nachrüsten. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass im Haus ein Schacht zur Verfügung steht, in dem die Abluftrohre verlegt werden können. Hierfür eignet sich zum Beispiel ein nicht genutzter Kaminschacht. Feuchte und schlechte Gerüche kann so das Abluftsystem aus den Räumen transportieren, ohne dass Sie die Fenster öffnen müssen. Möchte man aufgrund von Lärmbelästigung von draußen die Fenster zulassen, ist das eine gute Alternative. Zudem kann man solch ein System mit einer separaten Abluft-Wasser- Wärmepumpe kombinieren.

Kontrollierte Wohnraumlüftung

Alle nur auf Zu- oder Abluftführung ausgerichteten Systeme sind jedoch ganz klar einer Kombination aus beidem unterlegen. Wer also die Wahl hat, sollte sich schon allein aus Gründen der Energieersparnis für ein kombiniertes Zu- und Abluftsystem entscheiden. Das bietet sich bei einer um – fassenden Altbausanierung fast immer an. Solch eine kontrollierte Wohnraumlüftung bedeutet mehr Komfort, eine höhere Qualität der Raumluft, was auch für die Bausubstanz wichtig ist, sowie eine Energieeinsparung – vorausgesetzt, sie entscheiden sich für eine Anlage mit Wärmerückgewinnung. Das ist jedoch heutzutage auch bei dezentralen Anlagen Standard.

Lüftungssysteme einbauen

Relativ unkompliziert: Eine Kernlochbohrung sowie ein Stromanschluss mit 230 Volt sind lediglich nötig, um ein dezentrales Lüftungsgerät in die Hauswand einzubauen. Foto: djd/Zehnder/Andreas Burmann

Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung verfügen über einen Wärmetauscher, der einen Großteil der in der Abluft gespeicherten Wärme zurückgewinnen und auf die neu einströmende Frischluft übertragen kann. Hochwertige Systeme können heute problemlos ca. 90 Prozent der Wärme recyceln. Im Unterschied zu einer zentralen Lüftungsanlage müssen Sie bei einem dezentralen System mehrere einzelne Anlagen bedienen bzw. warten, da praktisch jedes Gerät isoliert für sich arbeitet.

Die kleinen Geräte, die über eine Zu- und Abluftöffnung verfügen, werden in die Außenwände eingesetzt. Dazu reicht in der Regel eine Kernbohrung von ca. 20 cm in der Außenmauer aus. Dabei muss nicht in jedem Raum im Haus solch eine Anlage platziert werden. Küche, Bäder und Schlafzimmer bieten sich dafür in erster Linie an. Die Geräte lassen sich auch über eine Zeitschaltuhr regeln. Oder aber man entscheidet sich für eine automatische Steuerung, abhängig von der Luftfeuchtigkeit oder von dem CO²-Gehalt in der Raumluft. Diese Parameter misst ein Sensor, der somit dann die entsprechenden Lüftungsvorgänge auslöst.


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