Mehr Platz unterm Dach

Mehr Platz unterm Dach
MIt bodentieren Fenstern lenken Sie viel Tageslicht in den neuen Wohnraum unter dem Dach. Foto: VFF/Velux

Haben auch Sie noch ungenutzte Reserven unter dem Dach? Mit einem Ausbau des obersten Geschosses lässt sich schnell Platz gewinnen und der Wohnkomfort erhöhen. Nicht zu unterschätzen sind Gauben: Sie schaffen mehr Raum, als man denkt. Doch Vorsicht: In der Regel erfordern sie eine Baugenehmigung.

Wer das Dachgeschoss ausbaut und neuen Wohnraum schafft, muss mindestens die Standards der EnEV einhalten. Foto: djd/Paul Bauder

Wer neu baut, plant sich sein Haus genau so, wie er es braucht – vorausgesetzt, das Budget lässt es zu. Kauft man sich jedoch eine Bestandsimmobilie oder bewohnt man einfach schon seit Generationen ein älteres Haus, sieht es etwas anders aus. Da kann es durchaus sein, dass der Platz nicht ausreicht. Sei es, dass Nachwuchs ansteht oder dass die eigenen Eltern zurück ins Haus ziehen sollen, oder dass man ein weiteres Arbeitszimmer benötigt – plötzlich muss mehr Wohnraum her. Da heißt es, alle bislang ungenutzten Platzreserven in Erwägung zu ziehen. Wer in diesem Fall noch über ein nicht ausgebautes Dachgeschoss verfügt, hat eigentlich Glück: Denn diese Fläche lässt sich relativ einfach ausbauen. Geschickt geplant verwandelt sich der alte Speicher in attraktiven Wohnraum. Wichtig ist dabei, die baurechtlichen Vorschriften zu beachten und aktuelle Energiestandards zu berücksichtigen, speziell hinsichtlich Materialwahl und Bauausführung.

Die Voraussetzungen

Pultdächer sind beim Neubau immer häufiger zu finden, da sie mehr Wohnraum im Dachgeschoss zulassen. Foto: djd/Architekt Axel Schmid/puren

Dachformen, die den Ausbau begünstigen, sind beispielsweise das Satteldach, das Pultdach oder das Mansarddach, das durch hoch ansetzende Schrägen die größtmögliche Raumausnutzung zulässt. Bei einem Satteldach kann bequemer Wohnraum unter dem Dach allerdings nur dann entstehen, wenn die Dachneigung mindestens 35 Grad beträgt. Ist der Winkel geringer, müssen umfangreiche Veränderungen am Kniestock vorgenommen oder Gauben eingebaut werden. Dadurch entsteht möglicherweise ein weiteres Vollgeschoss, das in einem Wohngebiet eventuell nicht zulässig ist. Ohnehin sollten Sie, bevor Sie ein Dachgeschoss für Wohnzwecke ausbauen, stets bei der zuständigen Baubehörde anfragen oder einen Blick in die Landesbauordnung werfen, denn in vielen Bundesländern ist eine Nutzungsänderung des Dachgeschosses genehmigungspflichtig. Denn ein Dachausbau stellt eine Nutzungsänderung dar, was in einigen Bundesländern eine Genehmigung erfordert. Gewissheit schafft eine Anfrage bei der zuständigen Baubehörde oder ein Blick in die Landesbauordnung.

Hier finden Sie auch die Anforderungen, die an Aufenthaltsräume gestellt werden – etwa an Brandschutz, Raumhöhe, Beleuchtung und Belüftung. Zumeist beträgt die vorgeschriebene Raumhöhe 2,30 m. Zudem müssen auch mindestens 10 Prozent der Grundfläche auf die Lichtöffnungen entfallen. Wesentliche Kriterien für einen Dachausbau sind außerdem der Zustand des Daches, die Wärmedämmung, die Statik, der Zugang zu dieser Geschossebene in Form einer fest eingebauten Treppe und die Raumhöhe des Dachgeschosses. Für Bäder und Saunen gelten diese Richtlinien allerdings nur bedingt, da sie nicht zu den Aufenthaltsräumen gezählt werden. In jedem Fall müssen jedoch beim Ausbau eines Dachgeschosses Strom- und Heizungsleitungen gelegt und gegebenenfalls Anschlüsse an das Wasser- und Abwassersystem geplant werden. Wichtig ist, dass Sie grundsätzliche Fragen der Statik sowie das Verlegen von Leitungen stets einem Fach mann anvertrauen. Dämmarbeiten, das Einziehen von Trockenbauwänden, Maler- und Bodenbelagsarbeiten können Sie mit ein wenig Geschick aber getrost selbst in die Hand nehmen.

Alles dicht machen

Die effektivste Form der Wärmedämmung ist die Aufsparrendämmung. Mit ihrer aufkaschierten Unterdachbahn ist die Aufsparrendämmung „puren Perfect“ sehr widerstandsfähig. Grafik: puren

Wenn Sie das Dachgeschoss in einen vollwertigen Wohnraum verwandeln möchten, muss zunächst geklärt werden, ob die Bausubstanz für das Vorhaben geeignet ist. Auch die Dachneigung spielt eine wichtige Rolle: Um eine angenehme Raumhöhe zu erhalten, sollte diese nicht unter 35 Grad liegen. Bei geringerem Neigungswinkel ist in der Regel nicht genug Stehfläche vorhanden. Besitzt ihr Haus ein Flachdach oder nur einen Kriechboden, dann können Sie auch eine Geschossaufstockung in Betracht ziehen. War das Dach vorher nicht oder nur unzureichend gedämmt, muss es zuerst warm eingepackt werden. Hier stehen den Hausbesitzern verschiedene Möglichkeiten offen:

Verschiedene Wege führen zum Ziel: Der Hersteller Isover bietet Innen- oder Außendämmlösungen für das Steildach an. Grafik: Isover

Soll etwa die Dacheindeckung erneuert werden, empfiehlt es sich, eine Aufsparrendämmung vom Fachbetrieb anbringen zu lassen. Diese ist die effektivste Art, das Dach abzudichten. Zu beachten ist, dass sich durch die Aufsparrendämmung der Dachaufbau erhöht. Unter Umständen muss eine Genehmigung von der Baubehörde eingeholt werden. Als Alternative dazu kann das Dach auch von innen gedämmt werden. In der Regel kommt hier die Zwischensparrendämmung zum Einsatz, die zwischen den Dachsparren angebracht wird. Viele Hersteller bieten mittlerweile komplette Dämmsysteme an, mit denen man sein Dach relativ einfach selbst abdichten kann. Besondere Sorgfalt sollten Heimwerker bei der Verlegung der Dampfbremse walten lassen, denn durch kleinste Lücken kann Feuchtigkeit in die Dämmung dringen und diese beschädigen. Wichtig: Bei der Dämmung gelten die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV).

Fenster und Gauben

Bei der Lichtlösung „Raum“ wird ein Aufkeilrahmen eingesetzt, wodurch die Oberkante des Fensters weiter nach außen rückt. Foto: Velux

Jetzt fehlen noch die passenden Fenster, damit es im Dachgeschoss wohnlich wird. Eine preiswerte und leicht umsetzbare Lösung sind Dachflächenfenster. Die Größe gibt die DIN 5034 „Tageslicht in Innenräumen“ vor, welche besagt, dass die Summe der Breiten aller Fenster im Zimmer mindestens 55 Prozent der Breite des Wohnraums betragen soll. Die Anordnung kann der Hausherr selbst bestimmen. Am einfachsten ist der Einbau, wenn die Fenster genau zwischen zwei Dachsparren passen. Eine weitere Möglichkeit, Licht ins Dachgeschoss zu bringen, sind Gauben, da sie bei einem niedrigen Kniestock die Stehhöhe erweitern.

Gauben-Dachausbau

Dachgauben können sich ganz harmonisch in die Dachlandschaft einfügen, hier dank Formgebung und gleicher Dachziegel. Foto: Braas

Da Gauben aber das Erscheinungsbild des gesamten Gebäudes verändern, sind sie zumeist genehmigungspflichtig. Es gibt jedoch nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch von Gemeinde zu Gemeinde Unterschiede. Manche Kommunen haben beispielsweise eine spezielle Satzung zur Errichtung von Dachgauben verabschiedet mit festgeschriebener Größe, Lage und Ausführung. Hält sich der Bauherr an die Vorgaben, braucht er keine zusätzliche Baugenehmigung mehr. Andernfalls müssen Pläne und Unterlagen zur geplanten Gaube ganz offiziell beim zuständigen Bauamt eingereicht und auf eine Baugenehmigung gewartet werden. Zudem ist es in der Regel gerne gesehen, wenn die an das Grundstück angrenzenden Nachbarn die Gaubenpläne mit ihrer Unterschrift absegnen, um möglichen späteren Nachbarschaftsklagen von vornherein vorzubeugen. Wichtig ist auf jeden Fall, vorab mit dem zuständigen Bauamt in Kontakt zu treten und die Details des Genehmigungsverfahrens abzuklären. Beginnen Sie mit dem Gaubenbau ohne Erlaubnis, können Sie im Ernstfall tatsächlich zum Rückbau gezwungen werden.

Sonnenschutz

Wichtig bei der Dachfensterplanung ist ein adäquater Sonnenschutz. Bei diesem Oberlicht schützt ein Wabenplissee. Foto: Velux/akz-o

Ob Gaube oder Dachfenster: Unabdingbar ist ein passender Sonnenschutz, der die Sommerhitze zuverlässig abblockt, und vielleicht auch ein Mücken- oder Fliegengitter. Denken Sie bereits daran, wenn Sie die Dachfenster- oder Gaubenfenster planen. Denn am effektivsten ist der dieser, wenn die Sonnenstrahlen bereits von einem Rollladen oder einer Markise abgehalten werden, bevor sie überhaupt auf die Scheiben treffen und diese aufheizen können. Doch auch die Installation von Jalousien, Faltstores oder Rollos an der Innenseite schützt vor Überhitzung und direktem Lichteinfall.

Entscheiden Sie sich zum Beispiel für ein individuelles Schrägfenster in einer Satteldachgaube, muss dafür dann auch die passende Verschattungslösung gefunden werden. Bei Sonderanfertigungen sind nicht nur die Fenster teurer, sondern anschließend auch die passenden Rollläden oder Jalousien. In jedem Fall ist jedoch wichtig, dass Sie die Außen- bzw. Innenbeschattung bequem und individuell regulieren können, das heißt im Winter einen höheren Lichteinfall zulassen und im Sommer das Dachgeschoss vor Hitze schützen können. Nur dann ist das Bewohnen dieser Ebene langfristig komfortabel.

Fördermittel und Zuschüsse

Mit dem wohngesunden Wandbelag „Variovlies Plano“ halten Sie sich alle Gestaltungsoptionen unter dem Dach offen. Er bildet eine gute Basis für Farbe und Kreativtechnik. Foto: epr/Erfurt

Welche Fördermittel für welche Maßnahme bei der Dachsanierung zur Verfügung stehen, ist nicht leicht zu überblicken. Generell kann man sagen, dass alle Finanzierungshilfen an einen verbesserten Energiestandard geknüpft sind, sprich es muss nach der Sanierung eine deutlich bessere Dämmleistung vorhanden sein. Für reine Schönheitsreparaturen ist nichts zu bekommen. Egal um welche Fördermittel es sich handelt, auf jeden Fall sollten Sie den Antrag dafür vor Baubeginn stellen.

In ganz Deutschland kann das KfW-Programm „Energieeffizient Sanieren – Zuschuss oder Kredit“ in Anspruch genommen werden – wenn die Voraussetzungen stimmen. Ab einer bestimmten Mindestinvestition und unter der Prämisse, dass Dämmstandards eingehalten werden, können entweder ein zinsgünstiger Kredit (über die Hausbank) oder ein finanzieller Zuschuss (direkt bei der KfW) beantragt werden. Zu den förderfähigen Kosten zählen dabei nicht nur die Dachdämmung oder die neuen Fenster an sich, auch Beratungs-, Planungs- und Baubegleitungsleistungen durch einen Energieberater und Kosten notwendiger Nebenarbeiten werden beim Zuschuss-Betrag angerechnet. Achtung: Ein von der KfW anerkannter Energieberater muss die Planung und Durchführung der Modernisierung als förderfähige Maßnahme bestätigen.

Auf jeden Fall sollten Sie aber auch noch einmal recherchieren, ob es spezielle Fördermittel des Bundeslandes, in dem sich Ihre Immobilie befindet, gibt. Auch viele Städte und Gemeinden gewähren Finanzspritzen für Dachsanierungen. Machen Sie sich vorab schlau, es kann sich durchaus lohnen.

Stand: Oktober 2018


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