Nachbarn mit gemeinsamer Wand – Warum ein Doppelhaus bauen?

Nachbarn mit gemeinsamer Wand – Warum ein Doppelhaus bauen?
Doppelhäuser müssen sich nur eine Wand teilen, sie dürfen sich aber durchaus unterscheiden. Foto: Wolfram Steinberg/dpa

Für ein Doppelhaus muss der Bagger nur einmal anrücken. Und das Grundstück kann kleiner sein. Das spart viel Geld beim Hausbau. Aber man hat sich dafür mit den Nachbarn abstimmen und vielleicht ein Leben lang sehr dicht bei ihnen wohnen. Wie lässt sich das gut lösen?

Zu zweit geht vieles leichter – auch beim Hausbau. Wer ein Doppelhaus baut mit einem zweiten Haushalt Wand an Wand, der hat den Komfort eines Eigenheims via Garten, aber wesentlich geringere Kosten als bei dem freistehenden Einfamilienhaus. Doch es gibt auch Nachteile. Eine Abwägung:
DIE VORTEILE: «Ein großer Vorteil ist, dass zwei Häuser auf einem relativ kleinen Grundstück untergebracht werden können», erklärt Christof Rose von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. «Denn der für Einzelhäusern geforderte Abstand zur Grundstücksgrenze entfällt an einer Seite, weil beide Haushälften mit einer Wand verbunden sind. » So lässt sich an den Grundstückskosten sparen.
Wer sich einen Partner sucht, mit dem er sich gut versteht, kann die Kosten weiter senken. «Der Bau- und Planungsprozess läuft wesentlich effizienter, wenn beide Bauherren gemeinsam agieren», sagt Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau. «Der Bagger für die Erdarbeiten muss nur einmal anrücken, Bauteile ferner Material können für beide Häuser gemeinsam angeliefert werden, die Erschließungskosten werden geteilt. Kurzum – die gesamte Baulogistik kann gemeinsam genutzt werden. » Die gemeinsame Wand hilft auch beim Energiesparen. «Doppelhäuser sind in der Regel effizienter als einzeln stehende Gebäude», erklärt Windscheif. «Schließlich heizt der Nachbar immer mit. »
DER NACHTEIL: Als Nachteil beim Doppelhaus wird von vielen die große Nähe zu den unmittelbaren Nachbarn betrachtet. «Man sollte bereits beim Bau im Rahmen (von) der Gestaltung des Außenbereichs genügend Rückzugsmöglichkeiten einplanen», rät Rose. Selbst wenn die Familien beim Einzug beste Freunde sein mögen oder sogar Verwandte nebeneinander leben – wichtig sei, eine gewisse Privatsphäre zu Gunsten der zwei Seiten zu schaffen. Denn im Laufe dieses Lebens verändern sich Ansprüche und Gewohnheiten.
DIE RECHTLICHE LÖSUNG: Entscheidend für das gutes Miteinander der Nachbarn ist eine klare Regelung der Eigentumsverhältnisse. Klassischerweise teilen sich beide Bauherren das Anwesen auch als Eigentümer. «Jeder kauft seine Hälfte und lässt sie ins Grundbuch eintragen», erklärt Gabriele Heinrich vom Verein Wohnen im Eigentum. Auf diese Weise ist natürlich jeder sein eigener Herr auf seinem Grund. Heinrich warnt davor, das Grundstück juristisch nicht zu teilen, sondern Grundstück und Gebäude als Wohnungseigentümergemeinschaft einzutragen. Denn jeder Partner braucht dann immer die Zustimmung des anderen, sofern er etwas an seiner Hälfte verändern will.
DIE GESTALTERISCHE LÖSUNG: Meist besteht ein Doppelhaus aus zwei Hälften mit getrennten Eingängen. Die Fassaden gleichen sich, die Fenster sind symmetrisch verteilt. Der Dachstuhl erstreckt sich über das gesamte Gebäude. «Aber es gibt auch andere Varianten», erklärt Rose. «Ein Doppelhaus muß nicht unbedingt ein Haus mit spiegelverkehrtem Ebenbild sein. » Windscheif ergänzt: «Die beiden Hälften müssen nicht zwingend mit der Seitenwand aneinander gebaut sein. Sie können zum Beispiel auch mit dem Rücken zusammenstehen. » Dann sind beide Hauseingänge jeweils an der Rückseite. Auch lassen sich die Fassaden individuell gestalten, und die bauliche Struktur darf gewisse Abweichungen aufweisen. So ist echt es in der Regel möglich, dass ein Gebäudeteil zwei und das andere drei Geschosse hat. Oder dass die Hälfte 10 und die andere 15 Meter breit ist.
«Doppelhäuser müssen aber nach dem Baurecht insgesamt einheitlich erscheinen und in das Orts- , sowie Stadtbild passen», betont Rose. «Ausschlaggebend für die Genehmigung ist, dass es ein deutliches Maß an baulicher Übereinstimmung gibt. Des weiteren dass das Haus eine gemeinsame Wand hat. Sie muss zwei Teile verbinden. » Wenn die Häuser nur dicht nebeneinander stehen oder sich gegenseitig nur punktuell berühren, bilden sie baurechtlich kein Doppelhaus.

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