Regen- und Grundwassernutzung

Regen- und Grundwassernutzung
Bei der Nutzung des Regenwassers im Haushalt ist eine automatische Nachspeisung von Trinkwasser sinnvoll, damit es bei längerer Trockenheit nicht zu Engpässen kommt. Foto: djd/fbr/E.Atamanenko/shutterstock

Der Sommer 2018 hatte es in sich: Das heiße und extrem trockene Wetter brachte nicht nur Landwirte ins Schwitzen. Wer seinen Garten mit Leitungswasser versorgt hat, musste dafür tief in die Tasche greifen. Mit der cleveren Nutzung von Regen- und Grundwasser können Sie den nächsten Sommer garantiert genießen!

Herzstück einer Regenwassernutzungsanlage ist die Zisterne, die meist – wie hier aus Kunststoff – oder aus Beton besteht und unterirdisch installiert wird. Grafik: ACO Hochbau

Rund 40 l Trinkwasser spült jeder Deutsche am Tag die Toilette hinunter, hinzu kommen etwa 15 l für das Waschen und das Putzen und 7 l für die Gartenbewässerung, die die Wasseruhr antreiben. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit fiel der letzte Wert im Jahr 2018 sogar noch deutlich höher aus. Angesichts dieser Zahlen stellt sich für Bauherren und Hausbesitzer zurecht die Frage, ob man das kostbare Nass auch durch Regenwasser ersetzen kann. Der Markt bietet inzwischen ausgereifte Systeme an, mit denen sich über das Jahr hinweg eine beachtliche Menge an Trinkwasser sparen lässt. Ob diese Anlagen auch wirtschaftlich sinnvoll sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Im Garten

Regentonnen gibt es heute in zahlreichen Designs – passend zum Stil des Hauses. Besonders hübsch ist die Bepflanzung mit Blumen. Foto: Otto Graf

Die Nutzung von Regenwasser im Garten lohnt sich auf jeden Fall. Das Einsparpotenzial ist hoch, zudem bekommt das weiche und mineralienfreie Wasser den Pflanzen gut. Auch der Gartenteich lässt sich mit den gesammelten Niederschlägen füllen. Die einfachste und kostengünstigste Variante ist das Aufstellen von Regentonnen, die über einen Regensammler an das Fallrohr angeschlossen werden. Der Regensammler hält dabei Schmutz, Laub und Insekten zurück. Achtung: Nicht alle Dächer eignen sich zum Auffangen des Regenwassers. Durch Eindeckungen aus Kupfer und Zink sowie Bitumenabdichtungen können schädliche Substanzen in die Umwelt gelangen.

Entnommen wird das Wasser meist über einen Zapfhahn. Die Tonne sollte dabei so aufgebockt werden, dass eine Gießkanne darunterpasst. Es ist auch möglich, eine Regenfasspumpe zu verwenden, an die auch ein Gartenschlauch angeschlossen werden kann. Wer sich keine langweilige grüne Tonne in den Garten stellen möchte, kann auch auf dekorative Modelle zurückgreifen, die wie ein Blumenkübel, eine Amphore oder ein rustikales Holzfass gestaltet sind.

Im Haushalt

Das Management der Regenwassernutzungsanlage übernimmt die Regenwasserzentrale – hier von Wisy. Das Kompaktgerät vereint Pumpe, Steuerung und Trinkwassernachspeisung. Foto: djd/fbr/Wisy

Wer das kostenlose Nass aus der Natur nicht nur im Garten, sondern auch im Haushalt nutzen möchte, benötigt eine fachgerecht installierte Regenwassernutzungsanlage. Sie besteht aus einem Speicher bzw. einer Zisterne, einem Filter, einer effizienten Pumpe und einem entsprechenden Leitungsnetz. Das vom Dach abfließende Regenwasser gelangt dabei über einen Regenwasserfilter in den Speicher. Dieser kann entweder im Haus oder unterirdisch im Garten installiert werden. Seine Größe richtet sich nach dem Umfang der Regenwassernutzung, der Anzahl der Bewohner des Hauses, der Größe des Gartens und der eingebundenen Dachfläche. Das Volumen sollte so gewählt sein, dass ein mehrmaliges Überlaufen im Jahr garantiert ist. Schmutz auf der Wasseroberfläche wird somit einfach weggespült. Empfehlenswert ist dabei der Anschluss an eine Versickerungsanlage, die das Wasser kontrolliert an das Erdreich abgibt. Anders als bei einem Anschluss an den Kanal fallen hierbei keine Gebühren für das Niederschlagswasser an.

Wasserkreislauf

Wird das Regenwasser im Haushalt genutzt, müssen die Leitungen deutlich gekennzeichnet werden. Trink- und Regenwasser dürfen sich nicht vermischen! Foto: djd/fbr/Rikutec

Mittels einer Saugpumpe gelangt das Regenwasser aus der Zisterne zu den einzelnen Verbrauchsstellen – die Toilette und/oder die Waschmaschine. Wichtig: Dafür ist ein eigenes Leitungsnetz erforderlich; es darf keine direkte Verbindung zwischen dem Trink- und dem Regenwasserkreislauf geben. Damit es nicht zur Verwechslung von Trink- und Regenwasser kommt, müssen die Leitungen zudem farblich gekennzeichnet sein. An den Zapfstellen für die Gartenbewässerung sorgen Hinweisschilder und abnehmbare Drehgriffe für Sicherheit. Wird das gesammelte Regenwasser aus der Zisterne ausschließlich für die Gartenbewässerung genutzt, ist keine Trinkwassernachspeisung nötig. Sind aber auch die Toilettenspülung und die Waschmaschine an das Leitungsnetz angeschlossen, muss auch bei längerer Trockenzeit die Versorgung sichergestellt sein. Das Trinkwasser kann dabei entweder direkt in die Zisterne eingespeist oder in einen separaten Pumpenschacht geleitet werden. Sie müssen zudem die Inbetriebnahme der Regenwassernutzungsanlage beim Wasserversorger und beim Gesundheitsamt anzeigen.

Kosten-Nutzen-Bilanz

Mit einer Regenwassernutzungsanlage lassen sich bis zu 50 Prozent des Trinkwassers einsparen. Foto: djd/fbr/CandyBox Images/shutterstock

In Haus und Garten kann das Regenwasser bis zu 50 Prozent des Wasserbedarfs decken. Zudem besitzt es eine höhere Reinigungskraft, da fast kein Kalk enthalten ist. So lassen sich zusätzlich rund 20 Prozent Waschpulver einsparen. Aus ökologischer Sicht ist der Einbau einer Regenwassernutzungsanlage in jedem Fall sinnvoll.

Anders sieht es aus, wenn man die Kostenseite betrachtet. Laut Angaben des Bundesumweltamts schlägt die Installation je nach Größe der Anlage und dem Anteil der Eigenleistungen mit 2.500– 5.000 Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten für die Wartung mit etwa 100 Euro pro Jahr sowie eventuelle Kosten für zusätzliche Wasseruhren. In einem durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt lassen sich etwa 40–60 m³ Trinkwasser ersetzen. Abhängig von den Wasserkosten der Gemeinde ergibt sich damit eine Ersparnis von lediglich 160–300 Euro im Jahr. Die Amortisationszeit liegt bei mehr als zehn Jahren. Finanziell lohnt sich der Einbau meist nur dann, wenn die Anlage bereits beim Bau des Hauses oder bei einer umfassenden Sanierung berücksichtigt wird.

Aus eigener Quelle

Um das Brunnenwasser zu den Verbrauchern zu leiten, benötigt man ein Hauswasserwerk wie „Scala2“ von Grundfos. Es integriert Pumpe, Druckausgleichsbehälter und Steuerung. Foto: epr/Grundfos

Wenn es – wie im letzten Sommer – wochenlang nicht regnet, dann spielt ein eigener Brunnen seine Vorzüge aus. Die Vorschriften zur Bohrung und Nutzung variieren von Bundesland zu Bundesland, zudem sind die Gemeindesatzungen zu beachten. Teilweise sind Brunnen anmelde- bzw. genehmigungspflichtig – das gilt auch für die Wiederinbetriebnahme bestehender Anlagen. Natürlich lässt sich das Brunnenwasser nicht nur im Garten, sondern auch im Haushalt verwenden. Es gelten dabei dieselben Vorgaben wie bei der Regenwassernutzung. Ein Brunnen lohnt sich dann, wenn er sich nach fünf Jahren amortisiert. Zur Berechnung sollten Sie neben den Baukosten auch Kosten für Wasser und Abwasser hinzuziehen. Wichtig: Erkundigen Sie sich vor Beginn der Arbeiten nach der Tiefe des Grundwassers. Informationen gibt es bei der Wasserbehörde, beim Wasserversorger oder beim ortsansässigen Brunnenbauer.

Sehr praktisch ist der Einsatz von Wassersteckdosen, die dort platziert werden können, wo das Wasser gebraucht wird. Das Leitungssystem lässt sich sowohl über als auch in der Erde verlegen. Foto: djd/Marley Deutschland

Rammbrunnen

Es gibt verschiedene Arten von Brunnen. Sehr beliebt ist der Rammbrunnen, auch Schlagbrunnen genannt. Er lässt sich verhältnismäßig leicht anlegen und kostet nur wenige hundert Euro. Zum Einsatz kommen dabei eine elektrische Ramme, die sich Hausbesitzer auch im Fachhandel ausleihen können, und ein Metallrohr, das in den Boden geschlagen wird. Der Grundwasserspiegel darf hier allerdings nicht tiefer als 7 m liegen, da man das Wasser meist mit einer Hand- oder elektrischen Kreiselpumpe nach oben befördert. Der Nachteil: Ein Rammbrunnen liefert nur wenig Wasser. Zudem muss man das Metallrohr etwa alle fünf bis sieben Jahre austauschen, da es sich mit der Zeit zusetzt.

Schachtbrunnen

Eine weitere Möglichkeit ist der klassische Schachtbrunnen. Hier treibt man einen bis zu 10 m tiefer Schacht in den Boden und kleidet ihn mit Betonringen aus. Man kann ihn – wie früher – aber auch mauern. Schachtbrunnen werden heute allerdings kaum noch gebaut. Grund dafür ist der hohe Preis, der sich auf mehrere Tausend Euro beläuft.

Bohrbrunnen

Die effizienteste Variante ist der Bohrbrunnen, der bis zu 20 m in die Tiefe reichen kann. Dabei wird ein gelochtes oder geschlitztes Filterrohr in Grundwasser gebracht, an das sich ein vollwandiges Rohr bis zur Erdoberfläche anschließt. Werden die Arbeiten von einer Fachfirma durchgeführt, belaufen sich die Kosten je nach Tiefe der Bohrung auf 1.200–1.500 Euro. Prinzipiell können Hausbesitzer einen Bohrbrunnen auch selbst anlegen.


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