Revolution der Moderne

Revolution der Moderne
Der „Wassily-Sessel“ von Marcel Breuer gilt als Klassiker der Bauhaus-Bewegung. Foto: ambientedirect.com

Im Jahr 1919 in Weimar gegründet, musste das Bauhaus bereits 14 Jahre später seine Pforten schließen. Und doch beeinflusst die avantgardistische Denkschule noch heute unser Verständnis für moderne Gestaltung – dank kompromisslos rationaler Ideen und funktionaler Ästhetik.

Die Ursprünge

Das Bauhaus war berühmt für seine ausschweifenden Feste. Für die passende Musik sorgte die hauseigene Kapelle, wie hier 1930 in Dessau. Foto: Bauhaus-Archiv Berlin

Wer war eigentlich dieses Bauhaus? Um den Spuren der legendären Reformschule zu folgen, gehen wir zunächst einige Jahre in der Geschichte zurück bis zum Ende des 19. Jahrhunderts: Zu der Zeit wächst die britische „Arts-and-Crafts“-Bewegung mit dem Ziel, Kunst und Handwerk wieder näher zusammenzubringen, um den negativen Folgen der Industrialisierung etwas entgegenzusetzen. Unter diesem Einfluss erweitern auch preußische Kunstgewerbeschulen die praktische Arbeit und errichten eigene Werkstätten, darunter die Großherzoglich- Sächsische Hochschule für bildende Kunst in Weimar unter der Leitung des belgischen Architekten Henry van de Velde. Sein Nachfolger wird Walter Gropius – und der macht in der Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit gleich Nägel mit Köpfen: Er schließt die Kunsthochschule und die Kunstgewerbeschule zusammen und gründet am 1. April 1919 das „Staatliche Bauhaus in Weimar“.

Das Bauhaus in Weimar

Walter Gropius verkündet auf der ersten Bauhaus-Ausstellung die „Einheit von Kunst und Technik“. Foto: Bauhaus-Universität Weimar/Tobias Adam

Noch im gleichen Monat erscheint sein Manifest: In diesem fordert Gropius keine neue Stilrichtung, sondern vielmehr eine Reform der (Bau-)Kunst mit dem Handwerk als grundlegendes Fundament aller bildnerischen Arbeit. In den verschiedenen Werkstätten am Weimarer Bauhaus lehren berühmte Künstler wie Johannes Itten, Paul Klee oder Wassily Kandinsky. Ab 1922 beschäftigt sich Walter Gropius zunehmend mit der Industrie als neuer treibender Kraft der damaligen Zeit. Unter dem Leitsatz „Kunst und Technik – eine neue Einheit“ entwickelt er ein Konzept, das bis heute maßgebend für das Bauhaus steht.

Das Bauhaus in Dessau

Das Bauhaus erhält den Titel „Hochschule für Gestaltung“ Foto: Tadashi Okochi © Pen Magazine, 2010/Stiftung Bauhaus Dessau

Doch mit seiner internationalen und offenen Weltanschauung ist die Schule der wachsenden politisch rechten Mehrheit im Land ein Dorn im Auge: Nachdem der Etat drastisch reduziert und die Lehrverträge gekündigt werden, lösen die Meister das Bauhaus in Weimar auf und ziehen 1925 nach Dessau in den berühmten, von Walter Gropius konzipierten Neubau. 1926 wird das Bauhaus offiziell als „Hochschule für Gestaltung“ anerkannt. Hier widmen sich die „Bauhäusler“ weiter der zeitgemäßen Gestaltung für die industrielle Massenproduktion – und zwar „vom einfachen Hausgerät bis zum fertigen Wohnhaus“. Zur kommerziellen Vermarktung der Produkte gründen sie zudem die Bauhaus GmbH.

Neue Direktoren am Bauhaus

Nach der Entlassung Meyers wird Ludwig Mies van der Rohe der dritte Bauhaus-Direktor. Foto: Thonet

Seit 1927 gibt es eine eigene Architekturklasse, die der Schweizer Architekt Hannes Meyer übernimmt. Als Walter Gropius ein Jahr später das Bauhaus verlässt, um in Berlin als Architekt zu arbeiten, übergibt er diesem die Leitung der Hochschule. Als neuer Direktor proklamiert Meyer das Motto „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ mit einer stärkeren sozialen Ausrichtung des Bauhauses. Aufgrund seiner kommunistischen Ansichten wird Meyer 1930 jedoch vom Stadtrat Dessau wieder entlassen. Es folgt Ludwig Mies van der Rohe als dritter Direktor der Bauhaus-Schule. Er führt das Amt ohne gesellschaftspolitische Ansprüche, sondern stellt die Architektur in den Fokus des Studiums. Die Arbeit der Werkstätten rückt mehr und mehr in den Hintergrund.

Eine Ära geht zu Ende

1932 erreicht die NSDAP in Dessau die Mehrheit und beschließt die Auflösung des Bauhauses. Mies van der Rohe führt die Schule zunächst als Privatinstitut in Berlin- Steglitz weiter, bevor diese unter dem Druck der Nationalsozialisten 1933 endgültig ihre Pforten schließen muss. Viele bekannte Künstler wandern anschließend nach Frankreich, Großbritannien oder in die USA aus und tragen so den Geist des Bauhauses in die ganze Welt.


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