Selbstbausysteme – Hausbau in Eigenleistung

Selbstbausysteme – Hausbau in Eigenleistung
Foto: Ytong Bausatzhaus

Mit Eigenleistung lassen sich die Baukosten senken. Bei Selbstbausystemen kann diese Möglichkeit maximal ausgeschöpft werden, sofern den handwerklich begabten Bauherren die notwendige Zeit zur Verfügung steht. Die Auswahl unterschiedlicher Selbstbausysteme ist groß und lässt auch individuelle Planungen zu.

Selbstbausystem

Mit Eigenleistungen lässt sich viel Geld sparen. Doch jede Baufamilie bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit.Town &Country Haus bietet deshalb Ausbauhäuser in verschiedenen Ausbaustufen an. (Foto: Town & Country Haus)

Wollen Bauherren die Ausgaben für ihr Eigenheim reduzieren oder haben einfach Spaß daran, möglichst viel auf der Baustelle mit anzupacken, sind Selbstbausysteme oder Bausatzhäuser eine gute Alternative. Ein gewisses handwerkliches Geschick und vor allen Dingen der erforderliche Zeitaufwand sind dabei allerdings nicht zu unterschätzen! Die persönliche Gestaltung wird entgegen mancher Vorurteile jedoch nicht per se eingeschränkt. Wie individuell geplant werden kann, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter und von System zu System. Wird ein Haus als Selbstbausystem verkauft, bekommt der Bauherr, wie in  einem Baukasten, genau die passende Menge und Anzahl einzelner Komponenten und der darauf abgestimmten Werkzeuge auf die Baustelle geliefert.

Eine Frage des Materials

Rundum-Service: Die erforderlichen Werkzeuge und Maschinen zur Verarbeitung der Porenbetonsteine stellt Ytong Bausatzhaus. (Foto: Ytong Bausatzhaus)

Selbstbau-Bauherren sollten bei der Wahl des passenden Materials berücksichtigen, welche Bauweise ihnen am meisten liegt. Das Mauern von Steinen bedingt ein ganz anderes Arbeiten als das Errichten eines Hauses mit Holz. Im Schwierigkeitsgrad unterscheiden sich die Bauweisen allerdings nicht grundsätzlich. Erstaunlich viele Bauschritte können Laien tatsächlich selbst durchführen. Die teilweise speziell für einzelne Systeme entwickelten Hilfsmittel und Werkzeuge erleichtern die Ausführungen ungemein. Der Bauherr erhält mit dem Material einen Plan und bei einigen Anbietern einen stufenweise aufgebauten Baustellenordner. Zudem stellen die Hersteller, je nach Bedarf, Beratungen und Hilfe – vom Richtmeister auf der Baustelle bis zur Telefonhotline – zur Verfügung. Bestimmte Arbeitsschritte wie das Ausheben der Baugrube oder den Aufbau des Dachstuhls sollten Bauherren allerdings von Fachfirmen ausführen lassen. Geklärt werden sollte unbedingt, wer den Bauantrag stellt.

Stein auf Stein

Nach wie vor entspricht für viele Bauherren ein Massivbau, bei dem das Gebäude Stein für Stein aufgebaut wird, dem idealtypischen Eigenheim. Ob mit Porenbeton- oder Blähtonplansteinen, Holzspanschalungssteinen oder klassischen  Kalksandsteinen: Die Vorgehensweise ist eigentlich immer sehr ähnlich. Viele der angebotenen Steine haben beispielsweise Grifftaschen und/oder Nut-und- Feder-Verbindungen, sodass sie sich leichter transportieren, setzen und verbinden lassen. Auch für das Auftragen des Mörtels werden häufig spezielle Abziehkellen oder sogenannte Mörtelschlitten in der passenden Größe mitgeliefert.

Einfache Handhabung: Die Holzspanschalungssteine werden nicht verklebt oder gemörtelt, sondern trocken im Versatz aufeinandergestapelt. (Foto: B&S Selbstbausysteme)

Eine Systemfertigteildecke bildet den Abschluss eines Geschosses. (Foto: B&S Selbstbausysteme)

Die geschosshoch gestapelten Wände werden anschließend mit Transportbeton verfüllt. (Foto: B&S Selbstbausysteme)

 

Besondere Betreuung bekommen Selbstbauer am Anfang, um sich mit der Materie vertraut zu machen, aber auch, weil gerade die erste Steinreihe, die in ein Mörtelbett gesetzt wird, besonders schwierig ist. Ein  Auswahlkriterium bei der Materialwahl könnte eine möglichst einfache Bearbeitbarkeit der Steine sein, da diese unter Umständen zurechtgeschnitten werden müssen. Andere Anbieter wiederum liefern bereits vorgeschnittene Winkelsteine. Bei einigen Massivbausystemen müssen außerdem die Schalungssteine nach dem Setzen mit Beton verfüllt werden, ebenso wie die Fugen von Betonfertigteildecken.

Holzsysteme

Auch im Holzbau ist ein hoher Eigenleistungsanteil möglich. Der klassische Holzrahmenbau ist dabei allerdings weniger geeignet, da die vorgefertigten Wand- und Deckenelemente sehr schwer sind und üblicherweise mit einem Kran auf die Baustelle gehoben werden müssen. Ein typisches Selbstbausystem in Holz ist die Blockbohlenbauweise. Hierbei werden vorgefertigte Fassadenbohlen angeliefert und können mit einem Stecksystem einfach verbaut werden. Die Steckmontage ist ein hilfreiches Grundprinzip, da Fehler beim Aufbau eigentlich nicht passieren können. Die Ausrichtung der Wände ist durch die exakten Steckverbindungen genau vorgegeben. Aber nicht nur Bohlen können gesteckt werden.

Selbstbau eines Holzhauses: Mit einem Kran werden die Holzwände von Fullwood Wohnblockhaus an die richtige Stelle gebracht. (Foto: Fullwood Wohnblockhaus)

 

Auch andere Bauteile aus Holz oder Holzwerkstoffen lassen sich innerhalb eines vorgegeben Rasters vom Bauherrn selbst zusammensetzen, sofern die Teile klein und leicht genug sind. Gerade Anbieter von kleineren Häusern werben damit, dass der Aufbau nicht nur sehr einfach, sondern ohne Gerüst und größeres Werkzeug umsetzbar ist. Abhängig von der Gebäudehöhe lassen sich einige Modelle lediglich mit Hammer, Akkuschrauber und Haushaltsleiter aufstellen. Bei einigen Systemen müssen nach dem Aufbau der Tragkonstruktion noch die Gefache zwischen den Stützen verfüllt werden. Hierfür werden  unterschiedliche Materialien wie beispielsweise Lehmziegel, Perliteschüttungen, Zellulosedämmung oder auch bereits vorgefertigte gedämmte Wandelemente angeboten.

Ausbauhäuser

Die Tragkonstruktion eines Selbstbauhauses von Bio-Solar- Haus wird vom Hersteller erstellt. Den Wandaufbau übernehmen die Bauherren. (Foto: Bio-Solar-Haus)

Doch nicht jeder hat die Kraft oder die Zeit, das gesamte Haus selbst aufzubauen. Eine Alternative bieten Ausbauhäuser, bei denen die Eigenleistung erst nach dem Errichten des Rohbaus beginnt. Dabei benötigen einige Arbeiten mehr Beaufsichtigung oder Anleitung als andere – beispielsweise Elektroarbeiten, von denen manche ohnehin nur der Fachmann ausführen darf. Der Aufbau nicht tragender Trockenbauwände oder Putz- und Malerarbeiten sind hingegen typische Tätigkeiten für die Eigenleistung. In jedem Fall müssen auch für die Ausbauphase alle Materialien entsprechend dem vereinbarten Ausbaupaket von der Hausbaufirma geliefert werden. Die Herstellerfirma stellt in der Regel einen sogenannten Ausbauberater. Ob Ausbauhaus oder Bausatzhaus: Die meisten Hersteller bieten ihren Kunden Schulungen oder Bauherrentage an, in denen vorab die wichtigsten Schritte erläutert werden. Eine tolle Idee ist auch, Praxiserfahrungen auf einer vergleichbaren Baustelle zu sammeln, die der Hersteller über seinen Bauherrenpool vermitteln kann.


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