Schöpfen Sie den Rahmen aus

Schöpfen Sie den Rahmen aus
Foto: Schwäbisch Hall

Banken oder Versicherungen locken Bauherren mit ihren Finanzierungsangeboten. Mit im Boot sitzt auch Vater Staat, der häufig attraktive Konditionen bietet.

Neben Gesundheit und Sicherheit im Alter zählt für die meisten Deutschen ein eigenes Zuhause zu den wichtigsten Dingen im Leben. Aber nicht nur emotional, auch rational gibt es derzeit gute Gründe, den Eigenheimerwerb nicht auf die lange Bank zu schieben. So liegt nach einer Analyse des Immobilienverbands Deutschland (IVD) die Erschwinglichkeit von Einfamilienhäusern mit einem Indexwert von 127,2 im Schnitt derzeit nur knapp unter dem Allzeithoch von Ende 2012. Dieser Index bündelt Immobilienpreise, das aktuelle Zinsniveau und das verfügbare Einkommen in einer Kennzahl und gibt Auskunft darüber, inwieweit es für einen durchschnittlichen Haushalt finanziell möglich ist, eine Immobilie zu er werben. Ein hoher Wert zeigt dabei eine gute Erschwinglichkeit an und umgekehrt.

LBS

Aktuell sind die Zinsen für Immobilienkredite niedrig. In einer solchen Niedrigzinsphase ist es sinnvoll für Bauherren und Immobilienkäufer, eine höhere Tilgungsrate als die üblichen 1 Prozent zu wählen, damit die Restschuld nach der Zinsbindungsfrist möglichst gering ist. Weiterer Tipp: Wählen Sie im aktuellen Zinstief eine möglichst lange Zinsbindungsdauer von 15 oder noch besser 20 Jahren. Grafik: LBS

 

Mit Unterstützung

Doch warum alles selbst zahlen? Gut gefördert ist schließlich halb gebaut, zumal Vater Staat in Geldangelegenheiten schon immer eine gute Adresse war. Besonders reich belohnt werden Bauherren vom Staat, wenn sie beim Eigenheimerwerb auf ökologische Aspekte setzen. Daneben gibt es aber auch noch andere Anbieter, die Bauherren in ihrem Vorhaben unterstützen. So bietet die vielfältige Förderlandschaft zahlreiche kostengünstige Alternativen zu den meist teureren Krediten von Banken oder Sparkassen. Hier gilt es für den Bauherrn, den genauen Überblick zu behalten, um sich nichts entgehen zu lassen.

Staatlicher Zahlmeister

Preiswerter geht es ins Eigenheim mit der KfWFörderbank, die sich mehrheitlich im Bundesbesitz befindet. Sie handelt nach dem Motto „fördern und fordern“ und vergibt zinsverbilligte sowie befristet tilgungsfreie Förderdarlehen. Von den Angeboten der KfW profitieren vor allem umweltbewusste Bauherren. Ein Beispiel hierfür ist das Programm „Energieeffizient Bauen“, in dessen Rahmen allen, die ein „Effizienzhaus 70“, „55“, „40“ oder ein vergleichbares Passivhaus bauen oder kaufen, zu günstigen Zinskonditionen Förderkapital von bis zu 50.000 € pro Wohneinheit gewährt wird. Aktuell bietet die KfW Konditionen ab 1,71 Prozent effektiv pro Jahr (Stand: April 2014). Mit den günstigen Zinsen können Bauherren zehn Jahre fest kalkulieren. Tilgungsfreijahre entlasten die Haushaltskasse zusätzlich. Außerdem bietet der Tilgungszuschuss eine extra Spargarantie: Dieser beträgt für ein „KfWEffizienzhaus 40“ (inklusive Passivhaus) 10 Prozent des Kredits, für ein „KfWEffizienzhaus 55“ bzw. ein  entsprechendes Passivhaus 5 Prozent. Wer sich allerdings für ein „KfWEffizienzhaus 40“ oder „55“ bzw. ein  Passivhaus entscheidet, muss die energetische Fachplanung und die Baubegleitung durch einen Sachverständigen verbindlich durchführen und nachweisen lassen. Gleiches wird für ein „KfWEffizienzhaus 70“ empfohlen. Wichtig: Seit Juni 2014 müssen die Sachverständigen, etwa für das Programm „Energieeffizient Bauen“, in der Energieeffizienz Expertenliste für Förderprogramme des Bunds unter www.energieeffizienzexperten.de eingetragen sein.

Förderungen für kühle Rechner

Eine weitere Alternative zur klassischen Baufinanzierung ist das „Wohneigentumsprogramm“ der KfW, das sich auch mit den Mitteln des Programms „Energieeffizient Bauen“ kombinieren lässt – vorausgesetzt, die Summe aus allen Fördermitteln übersteigt die Baukosten nicht. In den Genuss dieser KfWUnterstützung kommen auch Bauherren,  denen nicht vorrangig die Umwelt beim Erwerb des Eigenheims am Herzen liegt. Bis zu 50.000 € Kredit spendiert die KfW, ohne an die Bauweise Anforderungen zu stellen. Finanziert werden dabei Ausgaben für das Grundstück, die Baukosten bzw. der Kaufpreis einschließlich der Nebenkosten. Die Zinskonditionen sind dabei wahlweise für die ersten fünf oder zehn Jahre festgezurrt. Der Minuspunkt: Einen Tilgungszuschuss zum Kredit gibt es nicht. Außerdem können Bauherren im Rahmen dieses Programms – anders als bei der „EnergieeffizientBauen“ Förderung
– ihr KfWDarlehen nicht außerplanmäßig tilgen. Kühle Rechner, die ins Energiesparen investieren, sollten auch das Programm „Erneuerbare Energien“ anzapfen. Denn wer bei der Stromgewinnung auf Sonnenpower setzt und einen Teil des Stroms ins öffentliche Stromnetz einspeist, erhält einen Förderkredit aus dem KfWProgramm „Erneuerbare Energien – Standard“. Für diejenigen, die den Strom darüber hinaus auch noch speichern wollen, bietet das KfWProgramm „Erneuerbare Energien – Speicher“ geldwerte Unterstützung. Finanziert werden 100 Prozent der Investitionskosten für das Batteriespeicher system und die Photovoltaikanlage.

Weitere Mitstreiter

Bauen und sparen lässt sich auch mit Unterstützung des Bundeslands, in dessen Grenzen das Eigenheim entsteht. Dabei setzen die Landesinstitute eigene Akzente und fördern meist bestimmte Maßnahmen oder Zielgruppen wie zum Beispiel Familien. Aus diesem Grund sind die Landesgelder, im Unterschied zu den einkommensunabhängigen KfW-Krediten, fast immer an Einkommensgrenzen geknüpft. Was aber Normalverdiener nicht schrecken sollte, da Kinder in der Regel mit Freibeträgen berücksichtigt werden. Neben der sozialen Wohnraumförderung unterstützen die Länder bevorzugt auch Vorhaben mit hohen energetischen Baustandards bzw. den Einsatz von erneuerbaren Energien. Infos zur Länderförderung einschließlich der Kontaktdaten zum jeweiligen Förderinstitut finden Interessierte unter www.baufoerderer.de. Von Stadt und Gemeinde „Besonders Kommunen zeigen sich gegenüber Baufamilien bisweilen äußerst spendabel“, weiß Christine Heidmann, Sprecherin der Aktion pro Eigenheim. „So versuchen sie, beispielsweise mit dem Verkauf von kommunalen Bauplätzen zu Superkon ditionen neue Mitbürger zu gewinnen“, so Christine Heidmann weiter. Bauherren können unter www.aktionproeigenheim.de die Datenbank „Baugeld vom Bürgermeister“ nach Fördermöglichkeiten in ihrer Wunsch gemeinde durchstöbern. Wer in den Grenzen seines Heimatorts vom Mieter zum Eigentümer wechseln will, sollte bei der Gemeinde nachfragen, ob sie ein „Einheimischenmodell“ anbietet: Dabei fördern Kommunen Einheimische mit kräftigem Preisnachlass für den Baulanderwerb, um einen Grundstücksausverkauf an Ortsfremde zu vermeiden und so die Zuwanderung zu regulieren. Die konkreten Vergabekriterien und die Höhe des Bürgermeisterrabatts variieren je nach Zielsetzung der Gemeinde. Meist punkten Familien mit reichlich Nachwuchs sowie Bürger, die sich ehrenamtlich vor Ort engagieren. Im Gegenzug müssen sich die Nutznießer eines solchen Modells eine gewisse Zeit – abhängig vom Preisnachlass – an das Wohneigentum vor Ort binden. Daneben bieten die Kommunen zuweilen auch denjenigen Bauherren eine Extra belohnung, die Mutter Natur schonen. Manche unterstützen im Kleinen, beispielsweise das Anlegen eines Dachgartens mit einer reduzierten Abwassergebühr. Andere spendieren für einen Passivhausbau innerhalb der Gemeindegrenzen mehrere Tausend Euro Zuschuss. Ökologisch orientierte Bauherren wenden sich am besten an das kommunale Klimaschutzbüro, ersatzweise an das Bürgermeisteramt.

Vom Energieversorger

Spendabel zeigen sich auch manche regionale Energieversorger. Hier gilt ebenfalls das Motto: „Belohnt wird, was die Natur schont.“ So gibt es etwa für den Einsatz innovativer Technik – von der Wärmepumpe über Solar- und Erdwärmekollektoren bis hin zum eigenen Minikraftwerk im Keller – manchen Fördereuro. Einige Landesenergieagenturen (www.energieagenturen.de) bieten auf ihren Internetseiten einen Überblick über die Förderlandschaft vor der eigenen Haustür. Allerdings sprudeln die Förderquellen nur, wenn die Bauherren das dazugehörige Regelwerk beachten. Wichtigste Grundregel: erst beantragen, dann loslegen. Damit die staatliche Unterstützung eine möglichst hohe finanzielle Entlastung bringt, lohnt es zu prüfen, ob sich unterschiedliche Förderprogramme kombinieren lassen. In jedem Fall aber bietet die reichhaltige Förderlandschaft ein starkes Finanzfundament für die eigenen vier Wände.
Antje Schweitzer

 

Klicks zum Sparen:

www.aktion-pro-eigenheim.de: Datenbank mit regionalen Fördermöglichkeiten

www.baufoerderer.de: Liste der Bundesländer-Förderprogramme mit Kontaktdaten der Landesförderinstitute
www.bine.info: Internetseite des BINE Informationsdiensts mit einem umfassenden Informationsangebot zu den Themen „Energieeffizienztechnologien“ und „erneuerbare
Energien“
www.dena.de: Internetseite der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), des Kompetenzzentrums für Energieeffizienz und regenerative Energien
www.energieagenturen.de: Seite des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen mit Links zu sämtlichen Landesenergieagenturen in Deutschland
www.energie-effizienz-experten.de: Datenbank für sachverständige Baubegleiter im Rahmen der KfW-Förderung
www.foerderdata.de: Gesamtüberblick über den Förderdschungel auf Bundes- und Länderebene
www.kfw.de: Homepage der KfW mit ausführlicher Beschreibung der verschiedenen Förderprogramme

Immer top informiert: Jetzt für den Newsletter anmelden