Treppenwahl: Sicheres Auf und Ab

Treppenwahl: Sicheres Auf und Ab
Stilvoller Aufstieg: Die dunkle Treppe von Kenngott unterstreicht das luftige Ambiente des Raums. Foto: epr/Kenngott

Täglich gehen wir auf und ab, manchmal hüpfend, manchmal auch schwer beladen: Kaum ein anderer Teil des Hauses wird so stark beansprucht wie die Treppe. Deshalb sollte sie besonders gründlich geplant werden. Wir geben hilfreiche Tipps.

Eine Treppe gewährt nicht nur Zugang zu höher oder tiefer liegenden Etagen, sondern prägt auch den Raum, in dem sie sich befindet. Ein wichtiger Aspekt bei der Treppenwahl ist neben der Sicherheit und dem Nutzungskomfort dementsprechend auch das Design – vor allem bei offenen Grundrissen, bei denen die Treppe zum Teil des Wohngeschehens wird.

Offen oder abgeschlossen?

Moderne Gestaltung: Die lasergeschnittene Wangentreppe „Rio“ von Treppen Intercon fügt sich harmonisch in das Wohngeschehen ein. Foto: epr/Treppen Intercon

Überlegen Sie sich genau, wo die Treppe ihren Platz finden soll. Offene Raumensembles wirken sehr großzügig und luftig. Die Treppe kann hier so geplant werden, dass sie als skulpturaler Raumteiler alle Blicke auf sich zieht. Zudem sparen Sie Verkehrsfläche und damit Kosten ein. Zu Bedenken gilt jedoch, dass die Geschosse nicht nur optisch, sondern auch akustisch miteinander verschmelzen. Das ständige Treppauf und Treppab kann das Ambiente stören. Wird die Treppe dagegen in der Diele untergebracht, genießen Eltern und Nachwuchs mehr Privatsphäre. Die obere Ebene lässt sich später problemlos als separate Wohneinheit abtrennen. Führt die Treppe in einen unbeheizten Keller, muss sie aus energetischen Gründen ohnehin vom Wohnraum abgegrenzt werden.

Damit das Treppensteigen nicht zum allgegenwärtigen Störfaktor wird, sollte der Trittschall möglichst über das Mindestmaß hinaus reduziert werden. Das erreicht man, indem die Bauwerksanschlüsse der Treppe voneinander mit elastischen Materialien entkoppelt werden, sodass sich der Schall nicht auf andere Bauteile übertragen kann. Typische akustische Übertragungspunkte sind das Auflager der Stufen, die Übergänge an Kopf und Fuß der Treppe sowie die Befestigung an der Wand.

Gut in Form

Ein maßgefertigtes Treppenregal nutzt den toten Raum unter der Treppe optimal aus. Im Wohnbereich ergibt sich so etwa eine Bücherwand. Foto: deinSchrank.de

Die einfachste und ursprünglichste Form ist die geradläufige Treppe, die sicher und bequem zu begehen ist. Mit ihrer klaren Konstruktion kommt sie vor allem in großzügigen Wohnräumen gut zur Geltung – etwa als Aufgang zu einer luftigen Galerie. Sie kann dabei ganz schlicht gestaltet oder mit farbigen Akzenten – etwa an den Wangen – in Szene gesetzt werden. Allerdings benötigt diese Treppenform viel Platz, insbesondere, wenn mehr als zwei Geschosse miteinander verbunden werden sollen. Der Bereich unter der Treppe lässt sich mit eingepassten Schrank- und Regalsystemen aber gut als Stauraum nutzen.

Wer viel Platz hat, kann auch eine Bogentreppe einbauen lassen. Sie wirkt besonders herrschaftlich, setzt aber auch großes planerisches und handwerkliches Können voraus. Denn für einen harmonischen Gehrhythmus muss die Treppenführung sehr gleichmäßig sein. Die Gestaltungsvarianten reichen von einem tiefen U bis hin zu einem ausladenden Bogen.

In Schwung kommen

Spindeltreppen wie dieses Modell des Herstellers Fuchs-Treppen ziehen aufgrund ihrer skulpturalen Erscheinung alle Blicke auf sich. Foto: Fuchs-Treppen

Mit weniger Raum kommen gewendelte Treppen mit gebogenem Treppenlauf aus. Die Wendelung kann dabei im An- oder im Austritt liegen, wodurch sich die Treppen 180 Grad spricht man von einer halbgewendelten Treppe. Letztere sollte immer symmetrisch geplant werden, sodass An- und Austritt die gleiche Tiefe haben. Nicht empfehlenswert sind sehr breite Treppengrundrisse. Hier müssen oft gerade Stufen eingefügt werden, wodurch ein Knick im Geländer entsteht.

Die bessere Wahl sind hier Podesttreppen, die oft in Häusern mit halbgeschossig versetzen Ebenen oder in geräumigen Treppenhäusern zu finden sind. Meist wird das Podest dabei eingesetzt, um die Laufrichtung der Treppe zu ändern. Es kann aber auch bei geraden Treppen eingebaut werden, etwa um die Lauflänge zu vergrößern. Das Podest sollte genau erkennbar sein, damit es nicht zu Stürzen kommt. Eine gute Ausleuchtung ist daher unabdingbar. Planen Sie die Treppe zudem so, dass die erste Stufe nach dem Podest ein kleines Stück zurückspringt.

„Tipolina“ von spitzbart treppen beschränkt die Treppe auf ein Minimum. Für ihr extravagantes Design wurde sie mit dem „German Design Award“ ausgezeichnet. Foto: spitzbart treppen

Am kompaktesten sind Wendel- und Spindeltreppen. Während sich Wendeltreppen schraubenförmig um ein Treppenauge drehen, verlaufen Spindeltreppen um einen stützenden Mittelpfosten bzw. eine Spindel, die die Stufen trägt. Bei beiden Treppenformen sind die Stufen keilförmig. Für eine bequeme und sichere Nutzung sollten sie an der schmalsten Stelle mindestens 10 cm breit sein. Wichtig: Sollen Spindeloder Wendeltreppen der einzige Zugang zum oberen Geschoss sein, dann müssen sie eine nutzbare Laufbreite von mindestens 80 cm besitzen. Allerdings sollte man seine Nutzungsgewohnheiten genau hinterfragen. Schon das Transportieren eines Wäschekorbs kann hier zum komplizierten Unterfangen werden.

Das richtige Maß

Ein gutes Team: Sehr elegant wirkt die Kombination von Beton und Glas. Foto: epr/BetonBild

Egal für welche Treppenform Sie sich entscheiden: Damit die Treppe sicher und bequem zu begehen ist, müssen bestimmte Maße eingehalten werden. Mindest- und Höchstmaße legt die DIN 18065 fest. Wichtig ist hier die Unterscheidung zwischen einer baurechtlich notwendigen und einer baurechtlich nicht notwendigen Treppe. Notwendige Treppen führen zu Aufenthaltsräumen wie Wohn- und Schlafzimmer, Küche oder Arbeitszimmer und dienen als Flucht- oder Rettungsweg. Sie müssen die gesetzlichen Mindestanforderungen unbedingt einhalten. Bei nicht notwendigen Treppen handelt es sich um zusätzliche Aufgänge. An sie werden geringere Anforderungen gestellt. Raumspartreppen dürfen nur als zweite Treppe eingebaut werden und Steiltreppen nur als Zugang zu Abstellräumen dienen.

Damit eine Treppe sicher und bequem zu begehen ist, gilt es, einige Regeln zu beachten. Zu den wichtigsten Berechnungsgrundlagen gehört die Schrittmaßregel: Ein erwachsener Mensch legt pro Schritt im Mittel 63 cm zurück. Beim Treppensteigen verkürzt sich diese Länge etwa um das Zweifache in der Höhe. Steigt man beispielsweise 10 cm hoch, beträgt die horizontale Schrittlänge demnach 43 cm. Als sehr komfortabel gilt eine Treppe mit 18 cm Stufenhöhe und 27 cm Auftrittsbreite. Bei einer gängigen Geschosshöhe von 2,60–2,80 m ergibt das etwa 15 Stufen. Beachten Sie: Je flacher der Winkel ist, desto einfacher ist eine Treppe zu begehen. Daher sollten die Steigungshöhe bei einer altersgerechten Wohnung nicht mehr als 16 cm und der Auftritt mindestens 30 cm betragen. Zusätzliche Orientierung bieten Treppen, deren Stufen bzw. deren Vorderkanten kontrastreich markiert werden. Soll später ein Treppenlift eingebaut werden, muss die Treppe eine nutzbare Laufbreite von 100 cm aufweisen.

Auf Nummer sicher bei der Treppenwahl

Für mehr Sicherheit im Dunkeln sorgen Spots mit Bewegungsmelder von Kenngott. Der Akku hält in der Regel mehrere Monate. Foto: epr/Kenngott

Damit es nicht zu schweren Stürzen kommt, müssen Treppen an der freien Seite mit einem Geländer gesichert sein. Die Höhe ist bei einer Sturzhöhe von bis zu 12 m auf 90 cm festgelegt. Bei einer Sturzhöhe von mehr als 12 m muss die Höhe des Geländers mindestens 110 cm betragen. Leben Kinder im Haus, ist auch ein Blick auf die Streben ratsam: Der Abstand zwischen den einzelnen Stäben sollte 12 cm nicht überschreiten, sodass kein Kinderkopf dazwischenpasst. Damit der Nachwuchs das Geländer nicht als Klettergerüst nutzen kann, ist es besser, auf Querstreben zu verzichten. Ein nach innen gezogener Handlauf erschwert das Überklettern zusätzlich.

Wichtig für eine sichere Treppe ist darüber hinaus ihre Beleuchtung. Eine gleichmäßige Allgemeinbeleuchtung mit einem Licht – schalter am Anfang und Ende der Treppe ist ideal. Sicherheit und Orientierung bieten auch Bewegungsmelder, Wandleuchten sowie in die Stufen eingelassene Spots.


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