Wandbaustoffe im Vergleich

Wandbaustoffe im Vergleich
Der Baustoff eines Hauses ist in der Regel nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Hinter dieser modernen Fassade verbirgt sich ein Holzhaus mit hochwärmegedämmtem Wandaufbau. Foto: epr/Wolf-Haus

Für welchen Wandbaustoff man sich entscheidet, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Persönliche Vorlieben, Wärme- und Schallschutz, Widerstandsfähigkeit und Kosten spielen eine Rolle. Verschaffen Sie sich einen Überblick.

Wandbaustoffe-Modul

Vorteil Flexibilität: Diese Modulhäuser in Holzständerbauweise lassen sich mit dem Tieflader an einen neuen Platz setzen. Foto: djd/Smart-House

Herzlichen Glückwunsch, das Grundstück ist gefunden. Nun kann es an die Planung des Hauses gehen. Zuerst muss der Bauherr eine grundsätzliche Entscheidung treffen: Welcher Wandbaustoff soll es sein? „Zur Auswahl steht prinzipiell das zweischalige Mauerwerk, eine monolithische Bauweise, eine Wand mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder ein Holzhaus“, erklärt Dipl.-Ing. Dirk Rosenkranz, Bauherrenberater beim Bauherren-Schutzbund e. V. (BSB). Für welche Bauweise man sich entscheide, hänge von den Ansprüchen ab, die der Bauherr etwa an Schall- oder Wärmeschutz stelle. „Diese Ansprüche können je nach Baugebiet und je nach Region unterschiedlich sein. Entsprechend individuell fällt die Wahl des Wandbaustoffs aus, der Bauherr muss dabei viele Aspekte berücksichtigen“, erklärt Rosenkranz.

Wandbaustoffe auf Schall- und Wärmeschutz prüfen

Beim zweischaligen Mauerwerk gibt es die Ausführungsoptionen Kerndämmung und hinterlüftete Fassade. Bei der Kerndämmung wird der gesamte Hohlraum zwischen den Schalen mit Dämmmaterial gefüllt. Auf diese Weise können hohe sommer- und winterliche Wärmeschutzwerte erreicht werden. Sie wird vor die eigentliche Außenwand gesetzt. Als Wandbaustoffe für eine Massivbauweise kommen vor allem Ziegel, Kalksandstein und Gasbetonsteine infrage. „Die Massivbauweise sorgt vor allem für einen guten Schallschutz und für einen guten sommerlichen Wärmeschutz. Für den winterlichen Wärmeschutz sind dann bei monolithischer Bauweise die Steine selbst und bei nicht monolithischer Bauweise zusätzliche Wärmedämmmaßnahmen erforderlich“, erklärt Experte Dirk Rosenkranz.

Wandbaustoffe-Leichtbeton-Klimaleichtblock

Auch Brandschutz ist ein Thema: Massive, mineralische Baustoffe wie Leichtbeton sind zum Beispiel nicht brennbar. Foto: djd/KLB Klimaleichtblock

Anders stelle sich die Situation beim Holzhaus dar. Es heize sich im Sommer schneller auf, könne aber mit einem guten winterlichen Wärmeschutz punkten. Holzhäuser sind vor allem im Fertigbau beliebt. Denn der Aufbau der vorgefertigten Bauteile erfolgt in kürzester Zeit. Allerdings sind die Übergänge zwischen Massiv- und Fertighaus mittlerweile fließend. „Die vorgefertigten Bauteile eines Hauses können heute auch aus Leichtbeton oder Ziegeln vorproduziert werden“, so Dirk Rosenkranz. Man spricht dabei von Fertighäusern in Massivbauweise.

Egal für welchen Wandbaustoff sich der Bauherr entscheidet: Das Material muss energiesparend, wertbeständig und wirtschaftlich vertretbar sein. Nicht zuletzt gelten hohe gesetzliche Anforderungen. „Die Vorgaben regeln, was er gemäß der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV) im Hinblick auf die Energieeffizienz des Gebäudes leisten muss“, sagt Rosenkranz. Sowohl in der Massivbauweise als auch im Holzrahmenbau ließen sich heute die Anforderungen an gesundes Wohnen, Wärme-, Schall- und Brandschutz sowie an die Witterungsbeständigkeit erfüllen. Trotzdem gibt es zwischen den Wandbaustoffen viele Unterschiede.

Ziegel

Wandbaustoffe-Unipor-Ziegel

Monolithische, also einschalige Ziegelbauweise aus tragendem Mauerwerk. Foto: djd/Unipor

Moderne Mauerziegel sind beliebt bei Bauherren, die sich für ein Massivhaus entscheiden. „Mauerziegel wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor allem im Hinblick auf ihren winterlichen Wärmeschutz hin optimiert“, erklärt Rosenkranz. Hohe energetische Ansprüche können beispielsweise mit gefüllten Hochleistungsziegeln für die monolithische Bauweise erfüllt werden. Dank ihrer geschützt innen liegenden Wärmedämmung halten sie im Winter die Wärme drinnen. Allerdings sind diese Hochleistungsziegel noch nicht weit verbreitet und teurer als gewöhnliche Ziegel. „Auf eine zusätzliche Dämmung kann bei einem sogenannten monolithischen Ziegelmauerwerk meist verzichtet werden“, so Dirk Rosenkranz.

Leichtbeton

Wandbaustoffe-Ytong-Porenbeton

Die Marke Ytong steht für Porenbetonsteine des Herstellers Xella. Dank der Lufteinschlüsse hat der Baustoff gute Dämmwerte. Foto: Xella Ytong

Massivhäuser aus Leichtbeton können mit Bimssteinen oder Blähton errichtet werden. Beide Baustoffe besitzen eine ausgezeichnete Wärmedämmung. Die Herstellung von Leichtbeton ist energiesparend. Er wird aus Zement und Wasser gefertigt, hinzu kommen als Ergänzung Bimsstein oder Blähton. Dabei handelt es sich um durch Hitze versiegelte Tonkügelchen. „Die Zusätze verleihen dem Leichtbeton seine guten Wärmedämmeigenschaften und seine Leichtigkeit. Der Nachteil von Leichtbeton: Über die porige Oberfläche nimmt er Feuchtigkeit leicht auf und gibt sie recht langsam wieder ab“, zeigt Dirk Rosenkranz Vor- und Nachteile dieses Baustoffs auf. Die kleinen Poren, die bei der Herstellung entstehen, geben dem Porenbeton nicht nur seinen Namen. Sie verleihen ihm auch seine guten Wärmedämmeigenschaften.

Daneben machen ihn vor allem sein geringes Gewicht und die einfache Verarbeitung beliebt. Denn die einzelnen Porenbetonblöcke können präzise zugeschnitten und aufgrund des geringen Gewichts einfach platziert werden. „Wegen der guten Wärmedämmfähigkeit kann man mit Porenbeton zur Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben auch monolithisch bauen, dann ist keine zusätzliche Wärmedämmung notwendig“, erklärt Dirk Rosenkranz. Der Nachteil sei dann der meist dicke Wandaufbau. Bei einem dünneren Wandaufbau sei dagegen unter Umständen eine zusätzliche Wärmedämmung notwendig. Die Außenseiten müssen auch beim Porenbeton mit einer Putzschicht, einer Vormauerschale oder einem WDVS geschützt werden.

Kalksandstein

Wandbaustoffe-Kalksandstein

Der Baustoff Kalksandstein hat temperaturausgleichende Qualitäten und ist dazu in der Lage, überschüssige Feuchtigkeit aus der Luft zu absorbieren. Foto: epr/Bundesverband Kalksandsteinindustrie

Kalksandstein gibt es zwar auch in der Natur. Im Massivhausbau wird jedoch meistens industriell hergestellter Kalksandstein verwendet. Aus Kalk, Sand und Wasser werden Rohlinge produziert, die danach unter Dampfdruck und bei einer Temperatur von 200 °C gehärtet werden. „Kalksandsteine verfügen aufgrund ihrer hohen Dichte über einen guten Schalldämmwert, ebenso hochwertig ist der Brandschutz. Die Tragfähigkeit ist unter allen Steinen die höchste“, so BSB-Experte Rosenkranz. Für den winterlichen Wärmeschutz müssen die Außenwände im Regelfall mit einer zusätzlichen Wärmedämmschicht versehen werden. Dank der geringen Wandstärke von Kalksandstein-Massivhäusern ist dafür genügend Raum vorhanden. Die massiven und trotzdem schlanken Steine können für tragendes wie auch nicht tragendes Mauerwerk verwendet werden, das Material ist langlebig und unempfindlich gegen Witterungseinflüsse. „Kalksandstein ist für die monolithische Bauweise nicht geeignet, kann aber sehr gut für ein zweischaliges Mauerwerk oder ein WDVS genutzt werden“, so Dirk Rosenkranz.

Holz

Wandbaustoffe-Fullwood-Holz

Ein Klassiker: Holz. Im modernen Fertigbau werden ganze Wandelemente im Werk des Herstellers trocken vorproduziert. Foto: Fullwood Wohnblockhaus

Holzhäuser erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Vor allem der Fertighausbau setzt auf den natürlichen Baustoff. Ein Holzhaus schont bereits in der Herstellung die Umwelt, schließlich besteht es aus nachwachsenden Baustoffen. Einen Großteil der heute errichteten Holzhäuser machen Holzrahmenkonstruktionen aus. Die tragende Konstruktion besteht aus Holz. Danach erfolgt die Verkleidung mit Platten aus Gipskarton oder Holzwerkstoffen, Dämmmaterial füllt den Zwischenraum. „Eine herausragende winterliche Wärmedämmung ist das Markenzeichen von Holzhäusern“, betont Rosenkranz. Holzhäuser punkten unter anderem mit ihrer kurzen Bauzeit. Sogar geschosshohe Wände oder ganze Modulwände lassen sich in den Werkshallen großer Zimmereien vorproduzieren. Die anschließende Montage auf dem Bauplatz ist dann innerhalb weniger Tage erledigt. Daneben gibt es auch „massive“ Holzhäuser, die aus Holzblockbohlen errichtet werden. Manche davon lassen sich sogar in Eigenregie wie nach einem Baukastenprinzip selbst zusammenbauen. Das kann bei entsprechendem handwerklichem Geschick der Bauherren beim Hausbau erheblich Kosten sparen.


Das könnte Sie auch interessieren: 

Mit gutem Gewissen: nachhaltig planen und bauen

Perfekt aufgestellt: Trockenbauwände

Immer top informiert: Jetzt für den Newsletter anmelden

Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen