Warm durch den Winter

Warm durch den Winter
Foto: epr/Bundesverband Kalksandsteinindustrie

An Neubauten werden heute strenge energetische Anforderungen gestellt. Voraussetzung für einen geringen Energieverbrauch ist nicht nur eine effiziente Heizanlage, sondern auch eine dichte und rundum wärmegedämmte Gebäudehülle. Wir zeigen Ihnen, worauf es dabei ankommt.

Massive Wandbaustoffe sorgen zusammen mit einem modernen Heizsystem auf der Basis regenerativer Ressourcen für eine hohe Energieeffizienz. Foto: epr/Massiv mein Haus/Deutsche Poroton/Gerhard Zwickert

Wärmedämmung ist wichtig. Sie sorgt dafür, dass Gebäude heute nur noch wenig Heizwärme verbrauchen, wertvolle Energie einsparen, den CO2-Ausstoß verringern und so zum Klimaschutz beitragen. Eine lückenlose Dämmung schafft zudem ein angenehmes Raumklima, denn hohe Oberflächentemperaturen der Raumumschließungsflächen werden vom menschlichen Körper als besonders angenehm empfunden. Da auch die Fenster eine hohe Dämmung aufweisen müssen, sind moderne Gebäude weitgehend luftdicht. Für Frischluft sorgt nur regelmäßige Lüftung. Eine komfortable Alternative ist die Installation einer automatischen Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Sie nutzt die Abwärme der verbrauchten Luft, um die frische Luft, die in die Wohnräume strömt, zu temperieren.

Gesetzliche Bestimmungen

Einen guten Wärmeschutz bieten Wandkonstruktionen aus Kalksandstein – ganz ohne zusätzliche Dämmung. Foto: epr/Bundesverband Kalksandsteinindustrie

Gebäude müssen heute sehr energiesparend geplant und errichtet werden. Dem Gesetzgeber kommt es jedoch nicht auf extrem gedämmte Wände an. So legt die Energieeinsparverordnung (EnEV) für Neubauten nur fest, wie hoch der Primärenergiebedarf eines neu errichteten Gebäudes rechnerisch maximal sein darf. Die Wärmedämmung verschiedener Bauteile spielt dabei aber eine zentrale Rolle. Kombiniert wird sie mit energiesparender Anlagentechnik. Auch das Erneuerbare- Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) kann Einfluss auf die Höhe des Dämmstandards haben. Es legt fest, dass ein Teil der in einem Neubau verbrauchten Wärmeenergie durch erneuerbare Energien gedeckt werden muss. Ist das aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, kann als Ausgleich die Wärmedämmung verstärkt werden.

Große Produktpalette damit es warm bleibt

Angenehmes Ambiente: Bauteile aus Beton halten aufgrund ihrer hohen Rohdichte den Straßenlärm draußen. Sie schützen zudem vor einer Überhitzung der Räume im Sommer. Foto: epr/BetonBild

Die Auswahl an Dämmstoffen ist groß und hängt nicht zuletzt von den Anforderungen der Bauherren ab. So können neben der Wärmedämmung, dem sommerlichen Hitzeschutz und dem Schallschutz auch die Aspekte Ökologie und Wohngesundheit wichtig sein. Je nach dem Grundmaterial der Dämmstoffe besitzen sie verschiedene Eigenschaften. Zum Einsatz kommen biegeweiche Matten, Platten, lose Fasern oder auch Schüttmaterial. Die Dämmfähigkeit wird dabei durch die Wärmeleitzahl angegeben: Je kleiner dieser Wert ist, desto besser ist die Dämmwirkung des Produkts und desto geringer kann demnach die Dämmstoffdicke ausfallen.

Kleine Materialkunde

Bei Polystyrol-Dämmstoffen kommt das umweltunbedenkliche Flammschutzmittel Polymer-FR zum Einsatz. Foto: djd/IVH Industrieverband Hartschaum

Mineralwolle lässt sich vielseitig einsetzen. Dank der stabilen Struktur besitzt sie eine lange Lebensdauer. Foto: FMI – Fachverband Mineralwolleindustrie

Häufig kommen bei Einfamilienhäusern plattenförmige Dämmstoffe aus expandiertem Polystyrol (EPS) zum Einsatz. Es besteht aus dem Grundstoff Erdöl und ist vielen besser bekannt unter dem Markennamen „Styropor“. Polystyrol ist kostengünstig, leicht zu verarbeiten und besitzt gute Dämmwerte. Aufgrund seines ungünstigen Brandverhaltens ist das Material allerdings in Verruf geraten. Generell gilt Polystyrol als schwer entflammbar. Fängt es dennoch Flammen, schmilzt es und tropft brennend an der Fassade herunter. Die Flammen können sich so weiter ausbreiten, was das Löschen erschwert. Das bis 2015 verwendete und zudem giftige Brandschutzmittel HBCD ist inzwischen verboten.

Unbrennbar sind dagegen Dämmstoffe aus Mineralfasern wie Stein- oder Glaswolle, die aus einer Stein- oder Glasschmelze hergestellt und dann zu flexiblen Matten oder Platten weiterverarbeitet werden. Sie sind vielseitig einsetzbar, Wasser abweisend und überzeugen zudem mit einer langen Lebensdauer. Auf dem Markt werden zunehmend Komplettsysteme angeboten, die sich besonders gut in Eigenleistung anbringen lassen.

Natürliche Dämmstoffe

„Thermo Jute 100 Plus“ besteht hauptsächlich aus Jute, die aus Transportsäcken für Kakaobohnen gewonnen wird. Foto: tdx/Thermo Natur

Immer mehr Verbreitung finden Dämmstoffe aus Naturmaterialien wie Holzfasern, Flachs, Hanf, Kork, Schafwolle oder auch Seegras, die jedoch zum Teil deutlich teurer sind als herkömmliche Materialien. Einige Naturdämmstoffe enthalten chemische Zusätze, um sie gegen Feuer, Wasser oder Schädlinge zu schützen. Gerade Allergiker sollten sich die Deklaration der Inhaltsstoffe genau anschauen. Eine sehr positive Bewertung haben Dämmstoffe auf Zellulosebasis, da der Energiebedarf zur Herstellung sehr niedrig ist. Diese bestehen aus Altpapier und werden zu Schüttungen oder zu Dämmplatten verarbeitet.

Wenn Sie sich wohngesunde Produkte ins Haus holen möchten, achten Sie auf eine Volldeklaration sämtlicher Roh- und Inhaltsstoffe. Besonders die Anbieter von Ökoprodukten bieten eine solche vollständige Auskunft über die Inhaltsstoffe und chemischen Substanzen. Eine gute Orientierung geben auch Prüfsiegel und Zertifikate wie etwa der „Blaue Engel“, das „natureplus“-Zeichen, das Label „eco-Institut Tested Product“, das TÜV-„Toxproof“-Siegel, das Zertifikat vom Institut für Baubiologie Rosenheim oder die IBU Umweltproduktdeklaration.

Wo wird gedämmt?

Wie schlank die Dämmung der Fassade ausfallen kann, hängt vom U-Wert des Dämmstoffs ab. Foto: djd/puren

Am sichtbarsten ist die Dämmung an der Fassade. Doch gerade hier stellt sich die Frage: dämmen oder nicht? Denn massive Außenmauern können durch die Wahl hochwärmedämmender Baustoffe – eventuell auch durch eine größere Mauerdicke – auch ohne eine Zusatzdämmung auskommen. Vielfach sind die Kammern oder Lochungen dieser Baustoffe mit Dämmmaterialien wie Mineralwolle oder Perlite gefüllt.

Sehr hohe Dämmwerte erreicht man nur durch einen zweischaligen Aufbau, zum Beispiel durch ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS). Hierzu werden auf der Außenmauer Dämmstoffe befestigt (entweder geklebt oder gedübelt) und anschließend Spezialputze aufgebracht.

Der Dämmstoff XPS zeichnet sich durch eine hohe Druckbelastbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit aus. Foto: txn/FPX

Auf jeden Fall eine Dämmung braucht die Kelleraußenwand – genannt Perimeterdämmung. Hier sind spezielle, feuchtigkeitsunempfindliche Dämmstoffe erforderlich. Verbreitet ist extrudiertes Polystyrol (XPS), bekannt auch unter dem Markennamen „Styrodur“. Je nach Feuchtigkeitsbelastung versiegeln entsprechende Dichtungsmassen das Kellermauerwerk oder das Haus steht auf wasserdichtem Beton (WU-Beton).

Mineralwolle zwischen den Dachsparren schützt vor Wärmeverlusten und Lärm. Foto: txn/Ursa

Unbedingt erforderlich ist auch die Dämmung im Dachbereich. Soll der Speicherraum ungenutzt bleiben, reicht eine Dämmung der obersten Geschossdecke aus. Ansonsten erfolgt die Dämmung an der Dachschräge. Hier bieten sich die Zwischenräume der Dachsparren zur Dämmung an, die man meist mit einer Dämmung unter den Sparren kombiniert. Diese Konstruktion lässt sich anschließend gut mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten verkleiden.

Eine Frage der Stärke

Wer besser dämmt, als gesetzlich vorgeschrieben ist, kann sich über eine Förderung durch die KfW freuen. Foto: djd/Paul Bauder

Wenn man die Anforderungen der Energieeinsparverordnung erfüllt, erhält man zum einem ein sehr energiesparendes Gebäude. Andererseits lassen sich die Anforderungen oft mit wenig Kostenmehraufwand ebenso deutlich übertreffen. Fördergelder gibt es zum Beispiel von der KfW-Förderbank für die „KfW-Effizienzhäuser“.

Im Einzelfall muss der erfahrene Planer oder der Architekt durchrechnen, wie die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden können. In der Regel geht es dabei um einen Mix verschiedener Maßnahmen: eine gut gedämmte Gebäudehülle, den Einsatz von erneuerbaren Energien und eine hocheffiziente Gebäudetechnik, zum Beispiel auch durch die Installation von Wärmepumpen oder Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Eine deutliche Übererfüllung der Anforderungen sichert nicht nur Fördergelder, sondern garantiert auch dauerhafte Energieeinsparungen.


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