Welche Baustoffe eignen sich?

Welche Baustoffe eignen sich?
Foto: epr/BetonBild

Viele Bauherren denken an die Wärmedämmung, aber auch der Schallschutz sollte beim Hausbau nicht vernachlässigt werden. Die Anforderungen an die Materialien in Bezug auf Wärme sind jedoch ganz andere als die in puncto Lärm.

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Die neue Dämmplatte „MultiTherm Aero“ ist dünn, flexibel und schallabsorbierend. Foto: wall-systems.com

„Energiesparen“ ist ein Thema, das heute bei allen Bauherren ganz weit oben auf der Prioritätenliste steht. Neben einem effizienten Heizsystem erhält dabei der Wärmedämmung besondere Beachtung. Anders verhält es sich dagegen mit dem Schallschutz, der lange Zeit stiefmütterlich behandelt wurde. „Die meisten Bauherren, die sich bei uns beraten lassen, möchten in erster Linie Energie sparen, und das mit möglichst gesunden Baustoffen“, bestätigt René Görnhardt, Fachberater bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. „Selbst die Recycelbarkeit wird häufiger thematisiert als die Schalldämmung.“

Vernachlässigen solle man ihn dennoch auf keinen Fall, denn ein guter Schallschutz wirke sich positiv auf das Wohlbefinden der Bewohner aus, so der Experte. Die Wärmedämmung lässt sich im Nachhinein – wenn auch mit erhöhten Kosten – nachbessern. Ein guter Schallschutz hingegen sollte möglichst bereits bei der Planung umfassend berücksichtigt werden. Worauf sollten Bauherren also achten und welcher Dämmstoff erfüllt die unterschiedlichen, um nicht zu sagen widersprüchlichen Anforderungen von Wärme- und Schallschutz am besten?

Wärme vs. Schall

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Ein ungestörtes Plätzchen zum Arbeiten finden Sie in einem Haus aus Kalksandstein, der dank seines hohen Gewichts einen guten Schallschutz bietet. Foto: epr/Bundesverband Kalksandsteinindustrie

Ein Baustoff mit geringer Dichte, der gut gegen Kälte dämmt, weil er sehr porös ist, ist aufgrund eben dieser Eigenschaft ein schlechter Schalldämmer. So bringt der sehr poröse Porenbeton eine sehr gute Wärmedämmung mit, wegen der geringen Dichte besitzt er jedoch schlechte Schallschutzwerte. Kalksandstein bietet dagegen einen sehr guten Schallschutz, benötigt aber immer eine zusätzliche Wärmedämmung. Wärme- und Schallschutz können deswegen nicht immer mit einem Baumaterial gelöst werden.

Schalldämmung erfolgt also vor allen Dingen durch Masse. Je schwerer ein Material, desto weniger Schall lässt es hindurch. Leichtere Materialien müssen dies mit entsprechenden Schichtdicken ausgleichen. Ist dann die Kombination aus tragender und dämmender Schicht eine gute Lösung? Für die Qualität des Schallschutzes ist neben der Art der Befestigung und der Dicke der Putzschicht die sogenannte dynamische Steifigkeit der dämmenden Schicht relevant. Besonders wichtig ist dieser Faktor in Bezug auf den Trittschall.

Schall- und Wärmedämmung in einem

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Multitalent: Mineralwolle sorgt nicht nur für einen guten Schall-, sondern auch für einen hohen Wärme- und Brandschutz. So können Sie auch unter dem Dach ein behagliches Ambiente genießen. Foto: djd/FMI Fachverband Mineralwolleindustrie

Aber es gilt auch ganz allgemein: Je steifer ein Material, desto schlechter ist seine schalldämmende Wirkung. In älteren Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) kamen beispielsweise Polystyrolplatten zum Einsatz, deren Steifigkeit sich negativ auf die Schalldämmung ausgewirkt hat. Heute verwendet man daher elastifizierte EPS-Dämmplatten mit sehr guter Schallschutzwirkung. Auch weiche Dämmmaterialien wie Mineral- oder Holzfaserplatten leiten aufgrund ihrer Struktur Schwingungen nicht weiter. Dabei spielt auch eine Rolle, wie gut oder schlecht ein Dämmstoff den Umgebungsschall an die tragende Wand weitergibt. „Durch eine Vorhangfassade, beispielsweise mit einer Holzverschalung und mit weichem Dämmstoff sowie einer Abkopplung der Unterkonstruktion von der Fassade durch Dämmstreifen, kann ein sehr guter Schallschutz erreicht werden“, so Fachplaner René Görnhardt.

Dämmmaterialien aus Holzfasern

Homatherm

Natürliche Dämmstoffe aus Holzfasern sind wohngesund, schützen empfindliche Ohren vor zu viel Lärm und eignen sich für den Innenausbau. Foto: Homatherm

Interessanterweise sind es vielfach natürliche Dämmmaterialien, die sowohl einen guten Wärme- als auch einen guten Schallschutz bieten. Die Wärmedämmwerte von Holzfaserdämmstoffen beispielsweise sind etwa mit denen von Steinwolle zu vergleichen. Die relativ hohe spezifische Rohdichte der Holzweichfaserplatten wirkt sich zudem positiv auf den Schallschutz aus und sorgt für einen guten sommerlichen Hitzeschutz. Neben der Dachdämmung werden Holzfaserdämmplatten auch für Trennwände, Decken und in hinterlüfteten Fassaden eingesetzt.

Ebenso können zementgebundenen Holzwolleleichtbauplatten eine sehr gute Schalldämmung erreichen. Die Wärmedämmleistung der Platten ist allerdings durch das Bindemittel reduziert. Sehr gut geeignet sind sie daher für Raumtrennwände innerhalb einer Wohnung. Sie sorgen für ein angenehmes Raumklima, sind gesundheitlich unbedenklich und gut für den Selbstbau geeignet. Wie Holzfaserplatten besitzen sie ein sehr gutes Wärmespeichervermögen. Unverputzt haben die Platten sogar schallschluckende Wirkung. Die Optik des umgangssprachlich auch als „Sauerkrautplatte“ bekannten Werkstoffs ist allerdings etwas speziell. Für besondere Ansprüche bieten Holzwerkstoffplattenhersteller hier hochwertige Holzfaserakustik platten an. Holzwolle kann man auch als Einblasdämmung verbauen. Auch in dieser losen Form bietet sie einen guten Schallschutz, ist resistent gegen Ungeziefer, Verrottung und Pilzbefall und hat einen sehr geringem Energieaufwand bei der Herstellung. Aber wie auch bei den Holzwolleleichtbauplatten ist die Wärmedämmwirkung recht schlecht. Die Dämmebene müsste man also entsprechend stark ausführen (36 cm) oder mit einem weiteren Dämmstoff kombinieren.

Fasern und Schüttungen

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Soll in einem Raum gesägt, gehämmert oder musiziert werden, empfehlen sich spezielle Schallschutztüren. Foto: Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie

Flexibel, offenporig und weich sind die Eigenschaften, die einem Dämmstoff im Hinblick auf seine schalldämmende Wirkung zugutekommen. Wie man es auch von Teppichböden weiß, haben Fasern die Fähigkeit, Schall zu absorbieren, da dieser durch die Fasern immer wieder umgeleitet wird. Das gilt auch für Kokos- oder Hanffasern. Die Fasern der Kokosnuss umhüllung werden für die Dämmung mechanisch genadelt und zu Rollfilzvliesen verarbeitet. Durch das Verfilzen der hohlen Fasern wird die gute wärme- und schalldämmende Wirkung noch verstärkt. Die Matten werden im Dachgeschossausbau, für Trennwände, zur Trittschall- oder Hohlraumdämmung in Decken oder als Stopfwolle für Restflächen eingesetzt.

Sehr ähnliche Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten bieten Hanffasern. Wie Holzfasern besitzen sie eine hohe spezifische Rohdichte und kombinieren dadurch die beiden schallschutzgünstigen Eigenschaften: Masse und Fasern. Neben den Hanffasern können auch Hanfschäben, also die verholzten Stilteile der Hanfpflanze, in Kombination mit Lehm als Schüttung für Zwischendecken für einen erhöhten Schallschutz eingesetzt werden. Wenn es um die Dämmung von Zwischendecken wie der Decke zum Dachgeschoss geht, stellt sich immer die Frage, ob das Dachgeschoss bewohnt und beheizt oder nicht ausgebaut und unbeheizt ist. Demnach steht dann entweder der Schall- oder der Wärmeschutz im Vordergrund. Soll in einer Holzbalkendecke eine Schüttung auch gegen Luft- und Trittschall von oben schützen, haben sich neben Hanf-Lehm-Kombinationen auch Schüttungen aus Korkschrot oder mineralische Schüttungen wie Kalksplit oder Perlite bewährt.

Autor: Nina Greve


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