Was ist ein Tiny-Home?

Was ist ein Tiny-Home?
Fotos: Schreinerei Karl Huber in Buch am Erlbach. www.easy-home-bayern.de

Man nennt Tiny House auch "Small House Movement". Das bedeutet im Deutschen so viel wie „Bewegung für winzige Häuschen“. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Das passende Grundstück finden

Jedes Haus braucht in Deutschland eine Baugenehmigung. Denn so soll die Landschaft geschützt werden. Außerdem wird damit sichergestellt, dass das neue Haus zu den anderen Häusern der Umgebung passt. Durch diese Maßnahmen soll die Zersiedlung des Ortes verhindert werden.

Um außerhalb eines Ortes bauen zu können, müsste der Flächennutzungsplan geändert werden und es muss ein Bebauungsplan erstellt werden. Wird dies gemacht, kommen verschiedene Parteien mit ins Boot, wie der Bund Naturschutz oder die Landwirtschaftskammer, sowie das Wasserwirtschaftsamt und andere und alle haben Ansprüche zur Änderung der Flächennutzung. Es ist also relativ unmöglich, außerhalb des Ortes eine Baugenehmigung zu erhalten. Und ohne Genehmigung seine Zelte bzw. das Minihaus aufzubauen wäre sowieso unzulässig.

Welche Häuser brauchen eine Baugenehmigung?

Wenn also das Tiny House nicht als Wohnmobil oder Wohnwagen eingestuft wird, braucht es eine Baugenehmigung. Auch das Aufstellen irgendwo im Grünen ist hierzulande nicht zulässig, denn bauen darf man nur auf dafür vorgesehenen Grundstücken. Diese Grundstücke müssen verkehrsmäßig und technisch erschlossen sein. Verkehrsmäßig erschlossen bedeutet am Straßennetz angeschlossen zu sein und die technische Erschließung bezieht sich auf die Versorgung mit Elektrizität, Gas und Wasser, sowie einem Kanalisationsanschluss. Für die Kanalisation gibt es in Deutschland sogar einen Anschluss- und Benutzungszwang.

Eine neue Erschließung ist mit Gebühren in Form von Erschließungsbeiträgen an die Gemeinde verbunden. Es gibt Fälle, da ist es für den Bürger unzumutbar diesen Anschluss durchführen zu lassen. Oder es gibt Klauseln die dem entgegenstehen. Auf eine solch seltene Regel sollte man sich allerdings für sein Tiny House nicht verlassen. Da diese Entscheidungen immer vor Ort getroffen werden, sollten Sie vor der Anschaffung auf jeden Fall mit den zuständigen Behörden sprechen und die Lage klären.

In Deutschland dürfen Sie Regenwasser auffangen, allerdings sind die Tätigkeiten, welche Sie mit aufgefangenem Regenwasser erledigen dürfen beschränkt. Fangen Sie Regenwasser auf, darf es nicht als Trinkwasser genutzt werden, Sie dürfen die Toilette damit spülen, die Waschmaschine damit betreiben und den Garten bewässern. Nutzen Sie Solarstrom, dann dürfen Sie in diesem Punkt in Deutschland autark sein.

Mehr als nur günstig wohnen

Das Leben in einem Minihaus bedeutet mittlerweile mehr, als nur kostengünstig wohnen. Es wurde zu einer speziellen Lebensweise. Menschen die sich ein Tiny House kaufen, wollen ihr Leben vereinfachen. Sie arbeiten daran, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern und wollen mit weniger im Leben auskommen, das was übrig bleibt, soll die Natur nicht mehr so stark belasten.

In einem kleinen Haus kann man leichter herausfinden, was man wirklich braucht, um glücklich zu sein. Dann trennt man sich leicht, von allem, was überflüssig ist und manch einer merkt, dass der Besitz der bis dahin sein ganzer Stolz war, auch eine große Last war. Hat man Kinder oder Tiere und ein großes Haus, kann man wieder von vorne anfangen zu putzen, wenn man fertig ist, weil es da schon wieder dreckig ist. In einem kleinen Haus ist die Hausarbeit ruckzuck erledigt, da es nur wenig Fläche und kurze Wege hat und es bleibt Zeit für anderes. Statt zu putzen kann man ein Hobby pflegen, mit den Kindern spielen oder mit dem Hund spazieren gehen.

Und das ist nur eins von ganz vielen Beispielen, wie eine kleinere Wohnfläche das Leben verbessern und bereichern kann. So verwundert es nicht, dass viele der kleinen Häuser nicht nur mobil, sondern auch autark sind. Eine Regenwasserauffanganlage, Sonnenkollektoren, Dämmung mit natürlichen Materialien wie Kork, Holz oder Stroh sind keine Seltenheit. Da ein kleines Haus aber im Vergleich zu einem großen Haus viel Außenfläche hat und an der Außenfläche Energie verloren geht, schneidet es im Punkt Energieausweis schlechter ab. In Deutschland wurde dem Rechnung getragen mit § 16 Abs. 4 EnEV, der kleine Gebäude und Baudenkmäler von der Ausweispflicht mittels Energieausweis befreit.

Wie finden Sie den perfekten Standplatz?

Sprechen Sie mit Ihren zukünftigen Nachbarn. Haben Sie die Zustimmung Ihrer neuen Nachbarn, tut sich das Bauamt mit einer Genehmigung leichter. Das Bauamt kann diese Nachbarschaftszustimmung auch anfordern. Der Bauantrag muss von einem Architekt oder Zimmermeister unterschrieben sein. Wenn Ihr Minihaus kleiner als 50 m²  ist brauchen Sie keinen Energieausweis. Je ländlicher Sie wohnen möchten, je höher sind die Erfolgschancen. Ländliche Gemeinden, die mit dem Problem der Abwanderung kämpfen, haben eher Interesse daran Ihnen mit Ihrem Traum vom Minihaus zu erfüllen. Eine Alternative ist es, jemanden zu finden, der Ihnen erlaubt, Ihr Minihaus auf seinem Grundstück abzustellen. Das kann als Gegenleistung für Hilfe im Garten oder für die Arbeiten auf einem Bauernhof sein oder einfach gegen Geld. Der Traum ist in Deutschland schwierig umzusetzen, aber es ist möglich.

Aktuell gibt es noch wenige Anbieter für ein Tiny-Home in Deutschland. Einer davon ist die Schreinerei Huber in Buch am Erlbach (bei Landshut, Bayern) mit dem „Easy-Home“-Konzept (www.easy-home-bayern.de). Mit dem Easy-Home wurde beispielsweise der örtliche Waldkindergarten realisiert. Die Standardmaße (2,98 m x 5,90 m) sind so konzipiert, dass Sie das „Minihaus“ einfach mit vier Haken auf einen Tieflader laden – praktisch, wenn Sie umziehen. Ein Zuhause könnte zum Beispiel so aussehen: 3 Wohneinheiten mit jeweils ca. 13,8 m². Das heißt, eine insgesamte Wohnfläche von ca. 41 m². Zusätzlich gibt es dann nochmals ca. 13,8 m² für die Dachterasse. Der Preis pro m² beginnt ab 1.149 Euro. Folglich liegt das Gebäude liegt bei ca. 48.000 Euro. Das ist konkurrenzlos im Fertigbau.

Empfehlung für ein Minihaus?

Besonders positiv bei dem Minihaus ist der Bau. Bauen Sie ein normales Einfamilienhaus, haben Sie einen durchschnittlichen Herstellungsenergieaufwand von 1.200 kWh/m². Nehmen Sie nun ein 100 m² Haus, kann ein Minihaus 100 Jahre lang geheizt werden. Gegen diesen ökologischen Aspekt geht es allerdings, dass sich viele Menschen ein Minihaus als Zweit- oder Ferienwohnsitz zulegen – oder als Büro im Garten.

Vielleicht haben Sie schon Erfahrung damit gemacht in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Das ist eine Umstellung. In ein Tiny House zu ziehen bedeutet noch mehr Umstellung. Diese Umstellung muss nicht negativ sein, aber es kann anders sein, als Sie sich dass vielleicht vorstellen. Daher sollten Sie einmal zur Probe in einem Minihaus wohnen. Vielleicht verbringen Sie einmal einen Urlaub in einem Minihaus.

(Text: Roman Bold)


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