Wenn es plötzlich stark regnet: Wer zahlt Schäden am Haus?

Wenn es plötzlich stark regnet: Wer zahlt Schäden am Haus?
Im Mai 2016 hatte bei einem Unwetter eine gigantische Lawine mit Geröll den Ort zerstört. Solche Schäden ersetzt nur eine Versicherung mit Elementarschadenschutz. Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

Naturgewalten wie Starkregen werden häufiger, überschwemmte Keller oder auch ganze Wohnungen ebenfalls. Hausbesitzer können sich aber gegen Elementarschäden versichern. Doch nur wenige tun das.

Den 29. Mai 2016 werden die Einwohner von Braunsbach in Baden-Württemberg nicht vergessen. Drei Bäche schwellen mit kürzester Zeit an und treten über die Ufer. Das Wasser dringt darüber hinaus die Häuser ein, bringt Schlamm der umliegenden Felder mit, die Erde rutscht.

Viele Häuser sind danach einsturzgefährdet. Braunsbach ist ein Beispiel von vielen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zählte allein im Wonnemonat im Juni vergangenen Jahres zehn weitere schwere Unwetterfälle mit ähnlichen Folgen. Experten raten Eigentümern daher zu einer Versicherung mit Elementarschadenschutz. Aber nur wenige entscheiden sich dafür.

Der Elementarschadenzusatz der Wohngebäudeversicherung schütze Eigentümer vor den finanziellen Folgen von Naturereignissen, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband jener Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Sie zahle für Schäden zum Beispiel durch Starkregen, Überschwemmung, Rückstau, Hochwasser, jedoch auch durch Schneedruck, Erdrutsche und Erdsenkungen. «Sie übernimmt die Kosten für Reparaturen im und am Haus», sagt Jarosch. Auch der kompletter Abriss des Gebäudes und die Konstruktion eines neuen, gleichwertigen Hauses seien mitversichert.

Offenbar schätzen doch viele Eigentümer in Deutschland die Gefahr als gering ein. «Nur 37 Prozent der Wohngebäude sind gegen Elementarschäden versichert», sagt Jarosch. Eine Umfrage des GDV vom vergangenen Jahr habe zudem gezeigt, dass etliche Besitzer die Gefahr durch Hochwasser unterschätzten. «Viele glauben außerdem, dass sie ausreichend über die Wohngebäudeversicherung geschützt sind. »

Das ist aber nicht immer der Fall. Die Gebäudeversicherung selbst biete zwar auch Schutz bevor existenziellen Risiken, ergänzt Annegret Jende von der Stiftung Warentest in München. «Versichert sind Schäden über Leitungswasser, Feuer und Sturm. » Dazu zählten Schäden an Heizungs- und Sanitäranlagen bei plötzlichem, nicht vorhersehbaren Frost oder kaputte Fensterscheiben durch Hagel. Elementarschäden seien jedoch über eine gesonderte Option abgedeckt.

Die Sparte sei erst 2010 mit die Standardbedingungen des GDV als vierter Bereich dieser Gebäudeversicherung integriert worden. Vorher hätten Eigentümer sie nur mit einem separaten Vertrag abschließen können, sagt Jende. Etliche Anbieter hätten den Baustein darüber hinaus in ihre Produkte inzwischen eingeschlossen, so dass er gezielt abgewählt werden müsse, bestätigt Jarosch.

«Manche Eigentümer setzen aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit darauf, im Schadenfall auch zukünftig Unterstützung vom Staat oder über Spenden zu erhalten», berichtet Andrea Heyer von seiten der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig. Darauf gebe es jedoch keinen Rechtsanspruch. Vielen sei die Versicherung schlicht zu teuer, manche enthielten einfach keinen Schutzmechanismus. Dennoch sei diese Versicherung nötig. «Versicherungen sind dazu da, Existenzrisiken abzusichern. Sofern mein Haus beschädigt wird, werde ich es kaum mit eigenen Mitteln wieder aufbauen können», meint Heyer.

Wie teuer die Versicherung ist, hängt auch von der Region ab, in der das Gebäude steht. Bei Hochwasser unterscheiden die Versicherer die Gefahrenlage in vier Risikozonen, eingeteilt in das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau ferner Starkregen (ZÜRS Geo). In der niedrigsten Zone 1 kommt ein Hochwasser statistisch alle 200 Jahre vor, in der höchsten einmal in zehn Jahren.

Die Erfahrung jener Versicherer zeige, dass dieser Schutz auch in Gegenden wichtig sein kann, die nicht zu einer typischen Gefahrenregion zählen, sagt Jende. Mehrere Versicherer übernähmen doch keinen Schutz für Häuser mit Zürs 4.

Neben der Lage des Hauses werden auch Vorschäden in die Kalkulation des Jahresbeitrages einbezogen. Jende empfiehlt, für Wohngebäudeversicherungen auf bestimmte Zusatzleistungen zu achten. Dazu gehörten auch die Übernahme der Hotelkosten für eine bestimmte Zeit, falls das Haus nach dem Schaden unbewohnbar sei, sowie die Übernahme der Kosten für einen Sachverständigen bei großen Schäden.

Die Versicherungspflicht gebe es nicht, ergänzt Heyer. «Daher darf man nicht gleich aufgeben, wenn man von der ersten, zweiten, dritten Insurance eine Ablehnung bekommt», rät Heyer. Auch Jarosch rät Hausbesitzern zu Beharrlichkeit. «Um die 130 Versicherer in ganz Deutschland bieten Elementarschadenschutz an. » Auch wenn nicht jeder der Versorger bundesweit Risiken abdecke, sei es sinnvoll, hartnäckig über bleiben.

Infos des GDV

Kompass Naturgefahren

Überschwemmungsriskio einschätzen

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