Wohnraumlüftung im Neubau

Wohnraumlüftung im Neubau
Bei einer kontrollierten, zentralen Wohnraumlüftung werden Zu- und Abluftventile in der Decke, in der Wand und im Bodenbereich so angebracht, dass keine Zugluft entsteht. Foto: Vaillant

Auch Lüften geht heute automatisch. Und gerade in Neubauten mit sehr dicht ausgeführten Gebäudehüllen bietet solch ein System enorme Vorteile. Unbestritten ist: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung wirkt sich positiv auf die Bausubstanz und das Wohlbefinden der Bewohner aus.

Frische Luft sorgt für Lebensqualität, für gesundes Wohnklima und Wohlbefinden. Klassisch lüftet man über geöffnete Fenster, doch das bietet sich nicht zu jeder Jahreszeit an – und bringt entweder Wärmeverluste mit sich oder aber einen unerwünschten Anstieg der Luftfeuchtigkeit. Findet kein Luftaustausch statt, sinkt der Sauerstoffgehalt, Gerüche und auch ausdünstende Schadstoffe aus Möbeln, Teppichen oder Reinigungsmitteln reichern sich an. Wasserdampf kann sich in Raumecken niederschlagen und zu Schimmelbildung führen. Hinzu kommt: Manuelle Lüftung erfordert Zeit und Selbstdisziplin. So sollte man regelmäßig genutzte Räume mehrmals täglich lüften, am besten durch Stoßlüftung, indem also Fenster oder Türen weit geöffnet werden. Automatisierte Lüftungssysteme lösen dieses Problem von alleine: entweder über eine zentrale Lüftungsanlage oder über kontrollierte Fensterlüftungen.

Wie funktioniert zentrale Lüftung?

Für Allergiker bedeutet eine kontrollierte Wohnraumlüftung einen enormen Gewinn an Lebensqualität. Pollenfilter sollte man zur Saison ca. alle zwei Monate wechseln. Foto: djd/BDH

Eine zentrale Lüftungsanlage versorgt eine ganze Wohnung oder ein ganzes Haus mit Frischluft, die Fenster bleiben dabei geschlossen. Ein Ventilator hält dabei die Be- und Entlüftung in Gang. Die Anlage kann zum Beispiel im Keller oder im Speicher stehen. Lüftungsgerät und Wohnräume sind über Luftkanäle verbunden, über die verbrauchte Luft abgesaugt und frische Luft zugeführt wird, ohne sich zu begegnen. Eine Vermischung der Luftströme ist also ausgeschlossen. Da die Fenster dabei geschlossen bleiben, schützen Lüftungsanlagen auch vor Straßenlärm, Abgasen und Staub. Die Luftkanäle bestehen aus Metall oder Kunststoff und werden in Form von Rohren oder Flachkanälen eingebaut. Die Zu- und Abluftventile werden an der Decke, der Wand oder im Bodenbereich so angebracht, dass keine Zuglufterscheinungen entstehen.

Die von außen zugeführte Luft wird durch einen Filter gereinigt. Häufig reichen hier Grobfilter aus. Feinstaubfilter halten auch feinere Luftverschmutzungen zurück. Spezielle Pollenfilter können auch die in der Umwelt befindlichen Allergene weitgehend ausfiltern – ein enormer Gewinn an Lebensqualität für Allergiker. Zentrale Lüftungssysteme ermöglichen unterschiedliche Regelungen. Zeitschaltuhren können den Betrieb auf bestimmte Wochentage oder Tageszeiten beschränken. Sensorgesteuerte Regelungen schalten die Lüftung für bestimmte Räume ein, wenn die Luftfeuchtigkeit eine bestimmte Höhe oder der Kohlendioxidgehalt der Raumluft eine bestimmte Konzentration erreicht hat.

Wärmerückgewinnung

Ein zentrales Lüftungsgerät lässt sich relativ platzsparend im Hauswirtschaftsraum unterbringen. Foto: Wärme+/Stiebel Eltron

Aus Gründen der Energieeinsparung werden heute fast ausschließlich Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung eingesetzt. Diese Systeme sind mit Wärmetauschern ausgestattet, die Wärme aus der Abluft zurückgewinnen und sie an die Frischluft übertragen, sie also vorwärmen. Wärmetauscher werden in verschiedenen Bauarten angeboten, die sich auch ganz deutlich im Wirkungsgrad unterscheiden können. Als besonders effizient werden Gegenstrom-Wärmetauscher angesehen, die zum Teil bis über 90 Prozent der Wärme aus der Abluft zurückgewinnen können. Lüftungsanlagen können sinnvoll mit einem Erdwärmetauscher kombiniert werden. Die einfachste Lösung: Im Erdreich werden Kunststoffrohre in einer Länge von 30 bis 80 m verlegt, durch die frisch angesaugte Luft strömt. So lässt sich die kalte Außenluft im Winter um einige Grad vorwärmen. Mit der gleichen Anlage lassen sich im Sommer Räume mit erdgekühlter Luft klimatisieren. Allerdings sollte der erzielbare Kühleffekt nicht überschätzt werden.

Und die Heizung?

Achten sollte man auch auf einen leisen Betriebsmodus der Wohnraumlüftung. Hier die „x-well“-Lüftung von Kermi. Foto: akz/Kermi

Auch wenn ein großer Teil der Raumwärme zurückgewonnen werden kann, wird ein Wärmeerzeuger benötigt, um den Restwärmebedarf zu decken und Warmwasser zu erzeugen. Dieser Wärmebedarf ist unterschiedlich hoch, hängt ab von der Größe des Gebäudes und vor allem vom Dämmstandard. Grundsätzlich lassen sich alle Energiequellen und Wärmeerzeuger einsetzen bzw. kombinieren, also zum Beispiel Brennwertkessel, Pelletkessel, Kaminöfen, Wärmepumpen oder Sonnenkollektoren. Je größer der Wärmebedarf ist, desto größer muss die Leistung der Heizungsanlage sein.

Ein Sonderfall ist ein Kombigerät, das Lüftungsanlage und Wärmeerzeuger kombiniert: In diesem Fall erfolgt die Wärmerückgewinnung über die Luft-Wärmepumpe, die den restlichen Wärmebedarf über die Außenluft bezieht. Sind Lüftungssystem und Wärmeverteilungssystem getrennt, dann strömt die vorgewärmte und gereinigte Außenluft über Lüftungsöffnungen ein, für den restlichen Wärmebedarf sorgen Heizkörper oder Flächenheizsysteme wie Fußboden- oder Wandflächenheizungen. In sehr energiesparenden Häusern kann man allerdings auf Heizkörper oder Flächenheizungen verzichten: Hier wird die notwendige Wärme direkt über die vorgewärmte Luft in den Wohnraum eingebracht.

Automatisierte Fensterlüftung

Wohnraumlütung kombiniert mit automatischer fensterlüftung

Die „i-tec“-Lüftung dieses Fensters kann die Luftfeuchte im Raum ermitteln und daran angepasst die Lüftung regulieren. Foto: epr/Internorm

Dezentraler Luftaustausch, also die Be- und Entlüftung einzelner Räume, ist über automatisierte, elektrisch betriebene Fensterlüftungssysteme möglich. Fenster mit Spaltlüftung können automatisch geöffnet und geschlossen werden. Sensorgesteuerte Modelle können den Betrieb nach der Luftfeuchtigkeit, nach dem Kohlendioxid- oder Schadstoffgehalt der Raumluft steuern. Regensensoren sorgen dafür, dass sich die Fenster bei Regen schließen. Fensterfalzlüfter ermöglichen einen Luftaustausch über Klappen und Öffnungen, die entweder im Rahmen oder in den Flügel des Fensters integriert sind. Auch hier gibt es sensorgesteuerte Lösungen. Im Sommer kann man viele Fensterlüftungen so schalten, dass sie in der Nacht kühle Außenluft einströmen lassen und so in gewissem Umfang zur Kühlung beitragen. Eine weitere Möglichkeit, einzelne Räume automatisch zu lüften, sind dezentrale Lüftungsgeräte. Sie sitzen in der Außenwand, können einen großen Teil der Abwärme zurückgewinnen und – bei entsprechender Ausstattung – im Sommer nachts zur Kühlung beitragen.

Kosten & Wirtschaftlichkeit

Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kostet in der Regel zwischen 6.000 und 10.000 Euro, abhängig von der Wohnfläche, der Zahl der Zimmer und natürlich der Qualität. Achten Sie dabei besonders auf einen hohen Wärmerückgewinnungsgrad, meist ausgedrückt durch das „elektrische Wirkverhältnis“. Das gibt an, wie viele kWh Wärme durch den Einsatz von 1 kWh Strom zurückgewonnen werden können. Hocheffiziente Lüftungsgeräte erreichen Werte von über 15. Auch auf die Schalldämmung der Geräte und eine schalldämmende Montage sollte großer Wert gelegt werden.

Wie hoch der Energiegewinn durch Wärmerückgewinnung in Prozent ist, hängt natürlich vom gesamten Wärmebedarf eines Gebäudes ab. Je höher der energetische Standard und je niedriger der Energieverbrauch sind, desto wichtiger ist der Anteil aus der Wärmerückgewinnung. So sind Passivhäuser ohne Wärmerückgewinnung kaum denkbar, für sogenannte KfW-Effizienzhäuser – Gebäude mit hohem und sehr hohem energetischem Standard – sind Lüftungsanlagen zu empfehlen. Für KfW-Effizienzhäuser und damit indirekt für Lüftungsanlagen gibt es von der KfW-Förderbank zinsgünstige Kredite oder Zuschüsse. Vielfach greift eine rein wirtschaftliche Betrachtung von automatischen Lüftungen jedoch zu kurz. Denn die gewonnene Lebensqualität durch gesunde, saubere und allergenfreie Luft kann man nicht finanziell beziffern.

Das Lüftungs-Verteilsystem „Via Vento S“ von Erlus passt in jede mindestens 17,5 cm dicke Wand. Grafik: epr/Erlus


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