Wohnungssuche im Alter: Was heißt eigentlich altersgerecht?

Wohnungssuche im Alter: Was heißt eigentlich altersgerecht?
Wer lange glücklich im Eigenheim leben möchte, sollte bei der Auswahl der Wohnung auf so einige Details zur Barrierefreiheit achten. Foto: Wavebreak Media LTD/dpa-tmn

Daran denken will man nicht: Irgendwann im Alter stellt sich die Frage, wie lange man im Zuhause wohnen kann.

Sinnvoll ist, wenn die Dusche ausreichend Platz für einen Klappsitz und einen Haltegriff bietet. Foto: Viega/VDS/dpa-tmn

Wer in späteren Jahren auf Wohnungssuche geht, sollte sich daher Details des Gebäudes anschauen. Etwa wie tief der Siphon unter dem Waschbecken sitzt. Bei dieser Wohnungssuche oder gar einem späten Hauskauf ab 50 stellt sich schon die Frage nach dem Wohnen im Alter. Wie gut ist man in 10, 20, 30 Jahren noch zu Fuß? Welche Voraussetzungen müssen Badezimmer und Wohnräume haben, damit ich möglichst lange zu Hause wohnen kann? Was ist wichtig neben dem üblichen Blick auf Schwellen, hohe Treppen und augenscheinlichen Hindernissen? Expertenorganisationen haben Hinweise zusammengestellt, welche Gebäudedetails sich Ältere für der Besichtigung ein wenig bewusster anschauen sollten:

Treppen, Türen und Fenster

Treppenlifte im Haus lassen sich problemlos bei vielen Treppenformen nachträglich einbauen. Ausnahmen sind Wendeltreppen, was der Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin erklärt. Laut den Anbietern ist es zwar möglich, aber es ist eine Mindestbreite von 70 Zentimetern nötig. Gut sind auch für das Treppensteigen ausreichend breite sowie bündig abschließende Stufen. Das Bundesfamilienministerium rät, bei Treppenhäusern darauf zu achten, dass es Handläufe auf beiden Seiten gibt.

Damit Gehhilfe, Rollstühle und auch eine Notarzttrage wie beispielsweise ins Badezimmer gelangen, sollte man Türen mit mindestens 80 cm Breite einplanen, wie die Aktion Barrierefreies Bad erklärt. Der VPB rät sogar zu Breiten von 101 Zentimetern für Innentüren im Rohbau, was 90 Zentimeter nach dem Einbau bedeutet. Und vor den Türen braucht es Raum zum Rangieren und Wenden. Im besten Fall sollte es eine Fläche zwischen 1, 20 m x 1, 20 m oder aber 1, 50 m x 1, 50 m geben. Durchbrüche sind zwar möglich, aber natürlich aufwendig. Wichtig ist natürlich auch die Gängigkeit der Türen: Viel Kraft erfordern etwa Hebeschiebtüren an Terrasse oder Balkon.

Außerdem sind immer wieder die Fenster einen Blick wert: Sie sollten so niedrig sein, dass man im Sitzen bequem nach draußen schauen kann, rät die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Das Bundesfamilienministerium empfiehlt daher Brüstungen, die ab einer Höhe von 60 Zentimetern durchsichtig sind.

Badezimmer und Elektroinstallationen

Im Badezimmer kommt es auf Details an: Sind die Wände stabil genug, so dass sie Haltegriffe tragen? Man sollte nach Griffen bei der Besichtigung bewusst fragen – auch wenn keine zu sehen sind. Ein System könnte in neueren Bauten oder Bädern bereits vorinstalliert hinter Putz oder Fliesen verborgen sein. Beim Bau von altersgerechten Badezimmern wird dies inzwischen häufig so gemacht. Aber darüber hinaus kann die Aufteilung des Raums später eine Rolle spielen: Gibt es vor dem Waschtisch ausreichend Platz, wenn der Bewohner die Morgentoilette nicht mehr im Stehen schafft? Und kann ich mich dann immer noch vom Spiegel sehen? Würde jemand ein barrierefreies Bad extra bauen, sieht eine DIN-Norm dafür einen unterfahrbaren Waschtisch eine Höhe von maximal 80 cm vor. Problematisch können hier natürlich unter dem Becken angebrachte Durchlauferhitzer sein. Gut sind zum Beispiel Unterputz-Siphons sowie ein Bodenbelag, der rutschsicher ist. Die Aktion Barrierefreies Bad rät zur Rutschfestigkeitsklasse R10.

Die Dusche könnte bodengleich sein wie auch Platz für einen Klappsitz oder Hocker haben. Die Badewanne hat am besten eine möglichst niedrige Einstiegshöhe und eine rutschsichere Oberfläche.

Stützgriffe an Wänden sollen 28 Zentimeter über der Sitzhöhe angebracht werden können. Foto: Geberit/VDS/dpa-tmn

In vielen altersgerechten Badezimmern gibt es höhenverstellbare Toiletten. Man kann sich hier ebenso an der DIN-Norm für barrierefreie Badezimmer orientieren: Die Montagehöhe des WCs sollte 46-48 cm betragen. Stützgriffe an Wänden sollen 28 cm über dieser Sitzhöhe angebracht werden.

Häufig benutzte Steckdosen sollten auf einer Höhe von 70 cm liegen, teils raten die Experten sogar zu 85 cm. Sinnvoll sind elektrische Rollladenheber, gerade wenn die Kraft in den Armen nachgelassen hat, und automatische Fensteröffner. Die Griffe fürs Luke und Heizung sowie Lichtschalter sollten darüber hinaus in bedienfreundlicher Höhe sein, rät die BAGSO.

Für mehr Infos:

VPB zum altersgerechten Neubau
VPB-Checkliste Barrierefreies Haus
Checkliste für ein barrierefreies Badezimmer
Glossar zu ihrem barrierefreien Badezimmer
Bauherren-Schutzbund angenehm Barrierefreien Umbau
Tipps der Bundesarbeitsgemeinschaft jener Senioren-Organisationen
Checkliste Barrierefreies Wohnen
Tipps zum barrierefreien Wohnen
Portal «Zuhause im Alter» des Bundesfamilienministeriums


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